Kolumne
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© Frank Eidel

Fest & flauschig. Gefühlte Fakten. Gemischtes Hack. Irgendwas mit Recht. Liberté, Egalité, BGB. Lage der Nation. Rechtsgespräch. Talking Legal Tech. New Lawyers. Baywatch Berlin. Man könnte noch lange fortsetzen. Alles Podcasts, die en vogue sind. Ausweislich der Downloadstatistiken hören viele tausend Menschen regelmäßig Podcasts, und es gibt ständig neue. Auch für Juristen inklusive Studierende und Examenskandidaten gibt es ein buntes Angebot.

4. Aug 2022

Wann hört man das alles? Wenn mir jemand etwas Neues empfiehlt und ich frage, wann er oder sie Podcasts hört, antworten Männer „im Auto“ und Frauen „im Haushalt“, aber das ist sicher nicht repräsentativ. So viel Haushalt und Auto gibt es auch gar nicht, um alle interessanten Podcasts im Blick bzw. im Ohr zu behalten, und dann gibt es ja noch die ungezählten weiteren Informationsangebote, die wir Juristen keinesfalls vernachlässigen dürfen. Die Zeiten, in denen nur die Lektüre dieser Zeitschrift reichte, um auf der sicheren Seite zu sein, sind endlich. Alles schafft man aber nicht, man muss auswählen.

Mein Favorit ist der oben genannte Podcast „Rechtsgespräch“, in dem deutsche und internationale Experten über den Rechtsmarkt sprechen. Das bietet immer interessante Einblicke in unsere und in andere Welten, über die Bedeutung der Rule of Law bei uns und in anderen Teilen der Welt, über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Anwaltschaft, und über den Zugang zum Recht. Der Blick über Grenzen rückt Dinge in die Perspektive. Der Vergleich mit anderen Rechtspflegesystemen zeigt, was alles möglich ist und verstärkt etwa die Frage, warum dort etwas funktioniert, hier aber nicht. Der Vergleich hilft aber auch, die Stärken des eigenen Systems wertzuschätzen.

Kürzlich ging es um das Vereinigte Königreich, umgangssprachlich England. Ein erfahrener Solicitor, der viele Jahre für seine Kanzlei, eine der globalen Magic Circle Firms, unter anderem in deren deutschen Büros tätig war, danach zur Law Society of England & Wales gewechselt ist und jetzt für die Pflege und Entwicklung der Beziehungen der Law Society zu ihren Mitgliedern, aber auch zu anderen wichtigen Akteuren im Rechtsmarkt verantwortlich ist, berichtete über seine Erfahrungen, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Anwaltschaften. England ist schon vor vielen Jahren andere Wege bei der Regulierung des Rechtsmarkts gegangen und daher ein interessantes Vergleichsobjekt. Die Anwaltschaft dort ist deutlich fragmentierter, differenzierter und spezialisierter als hierzulande. Fremdbesitz ist erlaubt. Trotzdem gibt es nur eine Law Society, allerdings mit Pflichtmitgliedschaft. Das wird akzeptiert. Befragt, was das gemeinsame Ziel von Anwaltschaften weltweit sein müsse, antwortete der Solicitor: Die Stärkung und Wiederherstellung des Rechtsstaats, denn niemals sonst sei die Rule of Law und die Rolle der Anwälte so unter Druck geraten wie heute. Klingt wie § 1 II BORA. Es sind die einfachen Dinge, die zählen.

Markus Hartung ist Rechtsanwalt und Mediator in Berlin, Senior Fellow des Bucerius Center on the Legal Profession und Mitglied des Berufsrechtsausschusses des DAV.