Die Erwartungen an das Geburtstagskind waren also groß – ebenso wie die Skepsis von Stakeholdern. Viele Unternehmen sahen es als weitere – überflüssige – Regulierungsebene. Insbesondere Aufsichtsratsvorsitzende sahen sich in ihrem Gestaltungsermessen unangemessen eingeschränkt.
Aber es gab auch Rückenwind. Die Empfehlungen waren vernünftig und Abweichungen nur schwer zu begründen. Das führte zu hohen Zustimmungsquoten insbesondere im DAX. Hier war der Kodex jetzt Benchmark! Und das hat sich bis heute nicht geändert – trotz anhaltender Kritik aus den Kreisen von Chefjuristen, Vorständen und Aufsichtsräten. Auch die meisten Investoren befürworteten das Regelwerk, meinten aber, es gehe nicht weit genug. Keinesfalls könne es ihre eigenen Maßstäbe ersetzen. Auch das Verhältnis der Politik zum Kodex war und ist nicht immer einfach: Sie hat im Lauf der Zeit immer wieder Empfehlungen daraus aufgegriffen und in gesetzliche Regelungen überführt. Beispiele sind der Wechsel vom Vorstand ins Kontrollgremium und der Frauenanteil dort. Daraus resultierte der Vorwurf, es handele sich um einen überflüssigen Steigbügelhalter für den Gesetzgeber. Die Kritik war überzogen und wurde mehrheitlich nicht geteilt, aber die Beziehung blieb eine schwierige.
In den letzten 20 Jahren hat sich der Kodex agil gezeigt. Seit 2002 gab es 14 Änderungen und 2020 eine grundlegende Neufassung. Dabei wurden immer wieder neue Entwicklungen aufgegriffen – auch unter Berücksichtigung politischer und gesellschaftlicher Anschauungen wie etwa beim Thema Vorstandsvergütungen.
Wo steht der Kodex heute? Er ist etabliert, auch wenn es Rückschläge gab – zuletzt der Wirecard-Skandal. Mit seinen Bilanzmanipulationen erinnerte dieser an Fälle wie Enron oder Holzmann – diese wollten die freiwilligen Vorgaben doch eigentlich verhindern. Weiterhin werden neue Governance-Entwicklungen aufgegriffen, wie die aktuell vorliegenden Vorschläge zu einer „grüneren“ Version zeigen. Auf in die nächsten 20 Kodex-Jahre!