Interview

Der eiserne Anwalt
Interview

Der Anwaltsberuf gilt gemeinhin als überaus zeitintensiv; andere Dinge bleiben da vielfach auf der Strecke. Nicht so bei Dr. Daniel Otte, der neben seiner Tätigkeit in einer Großkanzlei – um im Bild zu bleiben – noch reichlich Strecke macht: als Triathlet. Seit Kurzem darf er sich Ironman nennen, obwohl er zwischendurch noch einen Bundestagswahlkampf absolviert hat. Allein das bietet Stoff für viele Fragen.

17. Dez 2025

NJW: Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, Sie seien gerne Rechtsanwalt. Weshalb eigentlich?

Otte: Anwalt ist der schönste Beruf der Welt, so empfinde ich es jedenfalls. Das liegt zunächst an der Materie – juristische Arbeit macht mir einfach viel Spaß. Aber die eigentliche Freude entsteht dadurch, dass ich mit meiner Expertise anderen Menschen helfen kann. Nichts ist schöner als das Lob eines Mandanten, dem man als Anwalt wirklich weiterhelfen konnte.

NJW: Sie sind Partner der Großkanzlei CMS und beraten im Gesellschaftsrecht. Ihr durchschnittliches Arbeitspensum in Wochenstunden?

Otte: Das lässt sich, wie wohl bei allen Anwälten, gar nicht so genau beziffern, weil es natürlich sehr stark abhängig vom konkreten Arbeitsanfall in den jeweiligen Mandaten ist. Insgesamt bin ich aber schon gut beschäftigt. Zum Glück lässt sich aber gerade in unserer modernen Arbeitswelt die Arbeitszeit recht frei verteilen. Unsere Flexibilität ist ein weiterer großer Vorteil des Anwaltsberufs.

NJW: Wie kamen Sie vor rund fünf Jahren zum Triathlon? Und wie zeitintensiv ist Ihr regelmäßiges Training?

Otte: Das war tatsächlich eine sehr spontane Eingebung. 2020, mitten in der Corona-Krise, habe ich zu meinem Nachbarn gesagt, dass ich gern mal einen Triathlon machen möchte. Damals hatte ich noch nicht einmal ein Rennrad. Mein Nachbar hat dann eins für mich organisiert. Und schon war ich „im Game“. Mittlerweile trainiere ich ca. zehn Stunden pro Woche, werktags eine und am Wochenende zwei bis drei pro Tag. Dabei geht es montags zum Schwimmtraining im Verein und die anderen Tage aufs Rad, auf die Laufstrecke oder zum Krafttraining.

NJW: Sie sind jetzt ein Ironman. Erzählen Sie mal.

Otte: Rückblickend ging das alles sehr schnell. Eigentlich wollte ich 2022 meinen ersten Triathlon absolvieren, doch da hat mich erst mal ein Ermüdungsbruch ausgebremst. 2023 habe ich dann meine ersten Wettkämpfe auf der Mitteldistanz absolviert, das heißt einen „halben Ironman“ gemacht. Nachdem das gut lief, habe ich dann 2024 an der berühmten Challenge Roth teilgenommen. Das ist auch eine Langdistanz, die sich aber nicht „Ironman“ nennen darf, weil der Veranstalter ein anderer ist. 2025 war mir dann klar, dass es jetzt ein echter Ironman sein muss. Die Worte „Daniel, you are an Ironman“ zu hören, stand noch auf meiner „1.001 Things to do before you die“-Liste.

NJW: Das klingt wirklich beeindruckend. Profitiert denn der Jurist Otte vom Extremsportler Otte?

Otte: Selbstverständlich. Und umgekehrt profitiert auch der Extremsportler vom Juristen in mir. Als mir etwa dieses Jahr bei einem Vorbereitungswettkampf in Duisburg auf der dritten Laufrunde die Kraft ausging, habe ich mir gedacht: „Du hast schon so oft spätabends intensiv an Schriftsätzen gearbeitet, du wirst doch wohl auch noch diesen Lauf zu Ende kriegen.“ Letztlich geht es als Anwalt wie als Triathlet darum, einen langen Atem zu haben – und den habe ich mir mit der Zeit hart erkämpft.

NJW: Einen langen Atem braucht man sicherlich auch in der Politik, wo Sie sich ebenfalls engagieren und bei der letzten Bundestagswahl für die CDU im Wahlkreis Köln II kandidiert haben. Allerdings mussten Sie sich dem Kandidaten der Grünen geschlagen geben. Wie enttäuscht sind Sie?

Otte: Ehrliche Antwort: Das hat mich schon getroffen. Als ich 2024 als Kandidat aufgestellt wurde, war ich der festen Überzeugung, dass ich jetzt auch das Direktmandat holen würde. Und auch Sven Lehmann, der Mandatsinhaber von den Grünen, hatte ziemlich Respekt vor mir; schließlich war ich aufgrund meines Profils als zwar konservativer, aber auch weltoffener Familienvater mit Berufserfahrung ein sehr ernst zu nehmender Herausforderer. Letztlich hat mir aber die Fokussierung des Wahlkampfs auf das Thema „Migration“ überhaupt nicht geholfen. Das Thema hat in Köln vor allem Wähler linker Parteien mobilisiert. Und die wählen nun einmal keinen Christdemokraten, selbst wenn er großstädtisch geprägt und eher liberal ist, sich für Klimaschutz, eine humane Flüchtlingspolitik und ein modernes Familienbild einsetzt.

NJW: Während des letzten Bundestagswahlkampfs wurde immer wieder von verbalen und sogar körperlichen Attacken auf Kandidatinnen und Kandidaten berichtet. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Otte: Solche Erfahrungen sind mir zum Glück erspart geblieben; der Wahlkampf in Köln war zwar in der Sache hart, aber stets fair und nie gewalttätig.

NJW: Haben Sie währenddessen normal gearbeitet und trainiert?

Otte: Nein, das wäre zeitlich nicht möglich gewesen. Die von mir zuvor betreuten Mandate haben meine Kolleginnen und Kollegen übernommen, das hat zum Glück sehr gut geklappt. Ich war aber stets ansprechbar und bin im Thema geblieben. Trainiert habe ich nur ein wenig, um noch einen gewissen körperlichen Ausgleich zu dem doch psychisch wie physisch sehr anstrengenden Wahlkampf zu schaffen.

NJW: Was sagen Kanzlei und Mandanten zu Ihrem politischen Engagement und Ihrer sportlichen Leidenschaft?

Otte: Die Reaktionen waren überwiegend sehr positiv. Viele Mandanten haben mir gegenüber erklärt, dass sie es sehr begrüßen, wenn sich jemand wie ich, der mit beiden Beinen im Berufsleben steht und einen engen Bezug zur mittelständischen Wirtschaft hat, in der Politik engagiert. Und meine Partnerinnen und Partner bei CMS haben meine Kandidatur überhaupt erst dadurch ermöglicht, dass sie mich während des gesamten Wahlkampfs quasi freigestellt und mir für den Fall meiner Wahl sowie eines späteren Ausscheidens aus dem Bundestag eine großzügige Rückkehrmöglichkeit angeboten haben. Dafür bin ich der Kanzlei wirklich sehr dankbar.

NJW: Auf LinkedIn sind Sie auch für Ihre „Musik am Montag“ bekannt. Worum geht es da und wie kamen Sie auf die Idee?

Otte: Seit meiner Kindheit mache und höre ich regelmäßig viel Musik, unter anderem als ausgebildeter Kirchenmusiker. Ich wollte auf LinkedIn Teile meiner Persönlichkeit zeigen, so kam mir die Idee zu der von Ihnen erwähnten Kolumne. Mittlerweile ist sie eine echte Leidenschaft, die mir sehr viel Spaß macht. Und ich habe eine treue Fangemeinde.

NJW: Zum Schluss müssen wir natürlich noch die – zugegeben – wenig originelle Frage stellen, wie Sie das alles unter einen Hut bringen, zumal Sie ja auch noch Familienvater sind.

Otte: Ich bin einfach sehr gut organisiert und sehr diszipliniert. Außerdem bin ich vielleicht auch etwas rastlos. Jedenfalls bin ich viel lieber aktiv und treibe die Dinge voran, als dass ich einfach auf dem Sofa liege. Ich stehe jeden Morgen um 5:15 Uhr auf, um mein Training zu absolvieren. Und ich nutze die Flexibilität meines Berufs, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen – die überdies auch begeisterte Triathleten und Sportler sind. Unsere Tochter möchte sogar später mal Jura studieren. Also scheinen meine Frau und ich da Einiges richtig zu machen. 

Dr. Daniel Otte, LL.M. (Boston Univ.), studierte Jura an den Universitäten Bayreuth und Würzburg. Im Anschluss an das Zweite Staatsexamen wurde er von der Universität Bonn mit einem aktienrechtlichen Thema promoviert. Seit 2010 ist er als Anwalt tätig und hat neben seiner deutschen Zulassung auch eine als Attorney-at-Law (New York). Der Vater von drei Kindern ist aktives Mitglied im Kölner Triathlon-Team 01 e. V. und engagiert sich ehrenamtlich in seiner katholischen Kirchengemeinde in Köln-Klettenberg.

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Interview: Tobias Freudenberg / Monika Spiekermann.