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Beweissicherung im Internet

Von RDi-Redaktion,
In der Rubrik Tech & Tools werden Anwendungen vorgestellt, die den juristischen Alltag vereinfachen, ergänzen oder in sonstiger Weise verbessern können. Dabei handelt es sich überwiegend, aber nicht ausschließlich, um kommerzielle Angebote. In dieser Ausgabe wird Netzbeweis vorgestellt: Ein Tool zur Sicherung von Webseiten im Internet für eine spätere Beweisführung.

Screenshot_RDi_04_2022_Tech_und_Tools_WEBWelches Problem löst Netzbeweis?

Fast alles ist heutzutage online. Vor kurzem noch für den einen oder anderen Neuland, findet mittlerweile fast alles (auch) online statt. Einkaufen, Nachrichtenkonsum und mit alten Freuden kommunizieren oder neue Menschen kennenzulernen. Dies bedeutet, dass auch viel im Internet passiert, worüber später gegebenenfalls Beweis geführt werden muss. Unter anderem bei Twitter wird diesbezüglich nicht nur mit Komplimenten um sich geworfen.

Dies ist einerseits ein Vorteil. In der analogen Welt war vieles flüchtig. Das gesprochene Wort ist so schnell wieder weg, wie es ausgesprochen wurde, und jeder, der schon einmal eine Beweisaufnahme dazu durchgeführt hat, wer irgendwann einmal was gesagt haben soll, weiß, dass derselbe Sachverhalt von verschiedenen Zeugen in unendlich vielen verschiedenen Versionen wiedergegeben wird.

Der Nachteil ist aber, dass es oft nicht einfach ist, alles Wichtige zu speichern. Ein Screenshot ist zwar immer schnell gemacht. Aber regelmäßig ist nicht alles Relevante auf dem Bildschirm sichtbar. Dies bedeutet, es müssen mehrere Screenshots erstellt werden, die dann später wieder irgendwie zusammengeführt werden müssen. Zudem sollten im Idealfall auch immer das Datum und die Uhrzeit sichtbar sein, was bei einem Screenshot nicht immer der Fall ist. Richtig aufwendig wird es dann, wenn ganze Webseiten und umfangreiche Online-Konversationen gesichert werden müssen.

Wie genau funktioniert Netzbeweis?

Bei Netzbeweis handelt es sich um ein Tool zur schnellen und unkomplizierten Sicherung von Webseiten im Internet. Das Basisprodukt ist über ein Webformular im Internet nutzbar, bei dem lediglich die URL zur Webseite und die eigene E-Mail-Adresse eingegeben werden müssen. Dieses Angebot ist kostenlos. Nach kurzer Zeit bekommt man eine E-Mail mit einem Link zu einem elektronisch signierten und nicht mehr veränderbaren Report in PDF-Format zugeschickt. Dieser Report enthält die URL, das Abrufdatum mit Uhrzeit sowie die Screenshots der Webseite oder des Tweets. Die PDF-Datei erfüllt auch direkt die Anforderungen für den elektronischen Rechtsverkehr. Die Erstellung des Reports erfolgt automatisch. Eine Überprüfung oder Auswahl durch Netzbeweis findet nicht statt.

Zudem gibt es das Tool auch als kostenpflichtige Erweiterung für den Browser. Damit können auch nicht-öffentliche Webseiten und Chatverläufe gesichert werden. Diese Extension richtet sich hauptsächlich an Rechtsanwälte, Unternehmen oder Organisationen, die die Beweissicherung professionell betreiben.

Wer steht hinter Netzbeweis?

Das Tool wird von der Netzbeweis GmbH aus Österreich angeboten. Die Idee dazu kam bei einem Hackathon. Geschäftsführerin und Mitgründerin ist die Rechtsanwältin Katharina Bisset aus Niederösterreich.

Wer sind die Konkurrenten?

Eine kostenlose Alternative sind normale Screenshots. Bei Windows ist beispielsweise bereits das „Snipping Tool“ enthalten. Damit können zielgerichtet einzelne Ausschnitte von einer Webseite herausgeschnitten und dann abgespeichert werden. Zudem gibt es noch die kostenlose Browser-Extension „GoFullPage“ durch die mit einem Klick die gesamte Webseite kopiert werden kann, auch wenn nur ein Bruchteil davon aktuell auf dem Bildschirm sichtbar ist.

Leseproben

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