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Erfahrungsbericht JA 9/2022

Von Simon Felix Klesse und Lasse Milan Scherer, beide Jura-Studenten und Ressortleiter für Berater und Beratung am Law&Legal-Standort Bayreuth | Aug 19, 2022

Zugleich Student und Rechtsberater sein:


Die begeisternde Idee der »Law&Legal Studentische Rechtsberatung e.V.« »Einem Menschen zu helfen, mag nicht die ganze Welt verändern, aber es kann die Welt für diesen einen Menschen verändern.« So geflügelt diese aus unbekannter Quelle stammenden Worte auch klingen mögen, so sehr sind sie doch Motto unseres täglichen Handelns für die Pro-Bono-Rechtsberatung Law&Legal e.V. Wir sind allesamt Studierende der Rechtswissenschaften und leisten anhand des im laufenden Studium erworbenen Baukastens juristischer Grundkenntnisse unseren Mandantinnen und Mandanten Rechtsrat in diversen Rechtsproblemen. Unser Beratungsangebot richtet sich insbesondere an andere Studierende. Stellt sich etwa bei der Gründung des studentischen Start-ups die für manch einen quälende Frage nach der Wahl der passenden Rechtsform, versuchen wir Lösungen aufzuzeigen, um die Begeisterung von der eigenen Geschäftsidee aufrecht zu erhalten. Das bisher erlangte Know-how im Rahmen von Handlungsempfehlungen so einzusetzen, dass wir unsere Mandantinnen und Mandanten mit Zufriedenheit erfüllen, stellt gewiss immer wieder eine fordernde Aufgabe dar. Deren Bewältigung setzt eine solide Vereinsstruktur mit einer klaren Aufgabenverteilung voraus. Anlässlich der jüngst eingegangenen Kooperation zwischen den Juristischen Arbeitsblättern (JA) und dem 9/2022 V Bayreuther Law&Legal-Standort wollen wir Ihnen einen Einblick in unsere ehrenamtliche Beratungstätigkeit gewähren. Nach einem Portrait unseres eingetragenen Vereins und des Beratungsstandorts Bayreuth (unter I.) legen wir die Struktur unseres Standorts (unter II.) dar und rücken die Abläufe unserer Beratungstätigkeit in den Mittelpunkt der Betrachtung (unter III). Den Abschluss bildet ein persönliches Fazit der Autoren (unter IV.).

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Nachgestellte Situation eines Beratungsgesprächs unter Mitgliedern der Standortleitung des Law&Legal-Beratungsstandorts Bayreuth. Christoph Weber, Ressortleiter für Asyl- und Aufenthaltsrecht, in der Rolle des Mandanten im Gespräch mit den beiden Autoren dieses Beitrags, Ressortleitern für Berater und Beratung und Rechtsberatern Lasse Milan Scherer und Simon Felix Klesse (von links nach rechts).


I. Der Verein »Law & Legal Studentische Rechtsberatung e.V.« und der Beratungsstandort Bayreuth im Portrait

Ursprünglich Ende 2011 in Tübingen gegründet und seit Herbst 2013 gemeinnütziger eingetragener Verein mit Sitz am Gründungsort, gehört die »Law&Legal Studentische Rechtsberatung e.V.« heute zu den bekanntesten, von Studenten betreuten Rechtsberatungen. Wir bilden Standorte in Bayreuth, Berlin, Frankfurt am Main, Halle, Heidelberg, Leipzig, München, Tübingen und Hamburg, wodurch wir in vielen Regionen Deutschlands anderen Studierenden sowie Hilfsbedürftigen unsere Beratungsleistungen anbieten können. Das Rückgrat unserer Kernaufgabe bilden die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater, die allesamt ihre Zwischenprüfungen an den jeweiligen Universitäten bereits mit Erfolg abgelegt haben. Allein der Beratungsstandort Bayreuth zählt aktuell mehr als 240 Mitglieder und kann damit als größter Standort deutschlandweit angesehen werden. Im vergangenen Jahr erfuhr hiesiger Standort zu unserer großen Freude einen weiteren Zuwachs von insgesamt 51 neuen Beraterinnen und Berater. Engagierte Bayreuther Beraterteams betreuten im Jahre 2021 knapp 60 Mandate. Die Beratung im Rahmen unserer Vereinsarbeit schafft neue Perspektiven, bietet sie doch die sonst im Studium vergeblich zu suchende, einmalige Gelegenheit, das in Vorlesungen und Übungen erworbene theoretische Wissen nicht nur am Klausursachverhalt, sondern an der Fallkonstellation aus der Praxis unter Beweis zu stellen. Gewissermaßen schlagen wir damit schon im Studium die bedeutsame Brücke zur Praxis und führen einmal mehr den hohen Stellenwert der Sachverhaltsanalyse und der anschließenden rechtlichen Würdigung vor Augen, die in unserem Falle am Begehren der Mandantin oder des Mandanten auszurichten ist. Auf diese Weise können aber auch Wissenslücken schnell ausfindig gemacht und geschlossen werden. Eine klassische Win-win-Situation, wenn man bedenkt, dass in etwa 80 Prozent der von uns beratenen Fälle aus dem Mietrecht stammen, das zugleich eine ungebrochen bedeutsame Materie im Ersten Juristischen Staatsexamen darstellt. Gleichzeitig erweitern unsere Beraterinnen und Berater ihre persönlichen Horizonte, als sie in der ehrenamtlichen Beratungspraxis immer wieder mit rechtlichen Problemen konfrontiert werden, die im Studium eine bis dato untergeordnete oder gar keine Rolle spielten. Die damit erforderliche Einarbeitung in unbekannte Gefilde der Jurisprudenz setzt ein von Verantwortung und dem nötigen Maß an Disziplin getragenes Vorgehen voraus. Es ist zu konstatieren, dass sich unsere Beraterteams in Bruchteilen in die spätere anwaltliche Berufspraxis hineinversetzen können.

II. Die Struktur eines Beratungsstandorts am Beispiel Bayreuth

Um einen reibungslosen Verlauf der Rechtsberatung zu gewährleisten, wird an allen Law&Legal-Standorten ein Leitungsteam gebildet. Es stellt das Bindeglied zwischen dem Vereinsvorstand und den beratenden Mitgliedern dar und nimmt den jeweiligen Standort betreffende Verwaltungstätigkeiten vor. Im Sinne einer arbeitsteiligen und spezialisierten Vorgehensweise werden Ressorts gebildet, denen jeweils ein eigener Teilbereich der anfallenden Aufgaben zugewiesen ist. Während die Standortleitung die organisatorische Gesamtverantwortung für den Standort trägt, ist das Personalressort für die Führung der Mitgliederverzeichnisse und auch federführend für die »Einstellung« neuer Beraterinnen und Berater verantwortlich. Das Ressort für Berater und Beratung nimmt eine zentrale Rolle bei der Mandatsbearbeitung ein. Bei ihm treffen die zahlreichen Beratungsanfragen potenzieller Mandantinnen oder Mandanten ein, es teilt die zu beratenden Fälle den Beraterteams zu und stellt schließlich die Korrektur der angefertigten Gutachten durch Volljuristinnen und Volljuristen sicher (näher zum Ablauf der Beratung und der Rolle des Beratungsressorts s. unten unter III.). Das Ressort für Öffentlichkeitsarbeit besorgt die Repräsentanz des Standorts nach außen. Entsprechend den Zielgruppen werden hierbei verschiedene Medien bespielt; das Spektrum reicht von der Präsenz auf universitären Campus-Veranstaltungen zur Akquise neuer Mandantinnen und Mandanten, aber auch Beraterinnen und Berater, bis hin zu vereinzelten Auftritten in Presse und Lokalfunk. Zur Sicherung unserer Beratungsqualität und zur stetigen Verbesserung unserer Fertigkeiten in der Beratung kommt dem Ressort für Weiterbildung eine zentrale Rolle zu. Es organisiert in regelmäßigen Zeitabständen Workshops mit führenden Großkanzleien, die dem Coaching unserer Beraterinnen und Berater dienen sollen. So konnte der Bayreuther Standort im vergangenen Jahr Baker McKenzie zur Durchführung eines Workshops über arbeitsrechtliche Vertragsgestaltungen gewinnen. Diese Veranstaltung wurde online abgehalten, sodass sie auch für die Mitglieder der anderen Beratungsstandorte geöffnet war. Freilich gelten unsere Weiterbildungsbemühungen auch der Herangehensweise an die Mandatsarbeit und der Gutachtenerstellung – zwei fundamentale Bausteine für die Beratungstätigkeit. Der entsprechende Workshop, der bereits viele Male von Herrn Lars Hillmann, Rechtsanwalt bei Graf von Westphalen in Hamburg und in der Vergangenheit selbst Berater für Law&Legal, gehalten wurde, richtet sich insbesondere an unsere Neuzugänge. Es ist uns ein Anliegen, von Anbeginn der Mitgliedschaft in unserem Verein einen soliden Grundstock an Kenntnissen zur Beratungspraxis aufzubauen. Schließlich verfügen wir als einziger Law&Legal-Standort Deutschlands über das Ressort für Asyl- und Aufenthaltsrecht. Dieses Ressort forciert die kostenlose Rechtsberatung im Bereich des Asyl-, Ausländer- und Aufenthaltsrechts, befasst sich vereinzelt allerdings auch mit zivilrechtlichen und sozialrechtlichen Fragestellungen. Hiesiges Beratungsangebot erlangte im Zuge des verheerenden Ukraine-Konflikts entscheidende Bedeutung. Um Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erreichen, die Kontakt zu ukrainischen Geflüchteten haben, traten wir im Frühjahr dieses Jahres im Programm eines Bayreuther Lokalfunksenders auf. Es war uns eine Selbstverständlichkeit, in Zeiten eines Krieges im Herzen Europas unsere Hilfe anzubieten.
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III. Die Beratungstätigkeit im Fokus: Abläufe und Stationen

Tragende Säule unserer Vereinstätigkeit ist – wie bereits angeklungen – die Rechtsberatung. Über ein eigenes Formular auf unserer Website erreicht uns im Regelfall eine Vielzahl an Beratungsanfragen, die wir jedoch nicht alle annehmen können. Die Entscheidung darüber, welche Anfragen angenommen werden können, ist durch rechtliche und faktische Grenzen abgesteckt. Rechtlicher Hintergrund der Beratung ist § 6 II RDG (hierzu und zum Folgenden für Interessierte: Bühler/Straub JURA 2021, 903 [910 ff.]). Uns erreichen immer wieder auch strafrechtlich gelagerte Anfragen, die wir allerdings nicht beraten dürfen und daher an Anwälte verwiesen werden. Mit Blick auf die neben dem Studium der Rechtswissenschaften und ehrenamtlich erfolgende Beratung kann zudem in Angelegenheiten, die mit einem drohenden Zeitablauf verbunden sind, kein Mandat eingegangen werden. Der Kernbestand der von uns beratenen Fälle erstreckt sich indes auf Anfragen aus dem Miet-, Kauf- und Arbeitsrecht. Den Schwerpunkt bilden hierbei Mandate, bei denen sich eine anwaltliche Beratung finanziell nicht lohnt bzw. finanziell nicht möglich ist. Kommen wir als Ressortleiter für Berater und Beratung zu der Einschätzung, dass eine Anfrage beratungsfähig ist, teilen wir diese einem Beraterteam zu. Auf Grundlage der jeweiligen Fallkonstellation und dem Ausbildungsstand der Studierenden erstellen wir regelmäßig dreiköpfige Beraterteams. Aufgrund in der Vergangenheit gesammelter Expertise aus anderen Mandaten fungiert ein Teammitglied als Teamleiter. Damit eine Gruppendynamik entstehen kann – die unerlässlich für eine konstruktive und zielführende Mandatsbearbeitung ist – , legen wir das Augenmerk ferner auf ein harmonisches Verhältnis der Teammitglieder zueinander. Nicht selten entstanden bereits Freundschaften durch die Zusammenarbeit bei Law&Legal. Im weiteren Verlauf setzt sich eines der Teammitglieder mit der Mandantschaft in Verbindung und vereinbart einen ersten Gesprächstermin, der je nach Belieben unserer Berater digital oder präsentisch abgehalten werden kann. Im Zuge dessen werden etwaige nach Lektüre der Beratungsanfrage noch bestehende Unklarheiten durch gezieltes Nachfragen beseitigt. Nach der Niederschrift des Sachverhalts fertigen unsere Teams, ähnlich wie in einer Studien-Hausarbeit und den juristischen Zitierregeln folgend, ein Gutachten an. Neben einer rechtlichen Würdigung der zuvor im Sachverhalt aufgeworfenen Probleme geben wir eine Handlungsempfehlung ab. Hierin schildern wir in verständlicher Sprache die aus unserer Sicht im Anschluss vorzunehmenden Schritte. Während der Erstellung des Gutachtens aufkommende Fragen werden im Team bzw. durch gezieltes Nachfragen bei der Ressortleitung gelöst. Selbstverständlich pflegen unsere Beraterinnen und Berater während dieses wichtigen Arbeitsschrittes weiterhin den Kontakt zur Mandantschaft, etwa um zwischenzeitlich neu aufgekommene Details einarbeiten zu können. Schließlich steht die Korrektur des Gutachtens an, welche unsere sog. Feedbackkanzleien durchführen. Mit diesen Kanzleien pflegen wir seit Jahren eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Basis einer Kooperationsvereinbarung. Namhafte überregionale Kanzleien wie Graf von Westphalen und Allen & Overy finden sich auf der Liste unserer Partner. Darüber hinaus arbeiten wir mit einer Reihe kleinerer, lokal ansässiger Rechtsanwaltskanzleien zusammen. Die Kanzleien unterziehen das Gutachten, das ihnen zuvor durch die Ressortleitung übersandt worden ist, einer Korrektur, unterbreiten dem zuständigen Beraterteam rechtliche Hinweise und sprechen Vorschläge zum Aufbau oder zu den Formalia aus. Gerade wenn nach den Verbesserungsvorschlägen noch offene Fragen auf unseren Seiten bestehen sollten, wissen wir die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft unserer kooperierenden Anwältinnen und Anwälte sehr zu schätzen! Abschließend übermitteln unsere Beraterinnen und Berater die finale und korrigierte Version des Gutachtens der Mandantschaft und stehen für etwaige Verständnisfragen zur Verfügung.

IV. Unser persönliches Fazit

Zu Beginn unserer Mitgliedschaft bei Law&Legal (Jahreswechsel 2020/2021) berieten wir beide einige Fälle aus dem Mietrecht. Es erfüllte uns mit großer Freude, das im Studium Erlernte in der Praxis zu erproben, zu sehen, welche Kenntnisse wir im Studium bereits erworben haben. Unsere Ernennung zu Ressortleitern für Berater und Beratung durch die Standortleitung im September 2021 führte uns eine bis dahin unbekannte Seite des Engagements für Law&Legal vor Augen: Fortan galt es, die organisatorische Verantwortung für unseren Kernbereich, die Beratung, am Standort Bayreuth zu übernehmen. Wir lernten, Termine zu koordinieren, Korrespondenzen mit den Feedbackkanzleien zu führen und Ansprechpartner für die Berater zu sein. Wir wuchsen an der einen oder anderen Herausforderung und erweiterten unseren Erfahrungsschatz in puncto Führung eines Ressortbereichs. Sollte es einmal stressiger zugehen, gibt das Vereinsleben die nötige Portion Rückhalt. Denn der standortinterne Zusammenhalt, der regelmäßige Austausch mit unseren Mitgliedern ist mindestens genauso wichtig wie unser Anspruch, eine fortwährend hohe Beratungsqualität zu gewährleisten. Auf monatlich abgehaltenen Stammtischen kommen wir in gemütlicher Atmosphäre miteinander ins Gespräch, lassen Erlebtes Revue passieren und verbringen schlichtweg eine gute Zeit zusammen. Selbstverständlich dürfen Weihnachtsfeier und Sommerfest nicht fehlen. Unisono und ohne jeden Zweifel können wir daher festhalten: Ob als Berater oder als Ressortleiter – wir würden uns jederzeit wieder für Law&Legal engagieren! Denn das schönste Gefühl ist doch sicherlich – um auf das Zitat aus der Einleitung zurückzukommen – , durch unsere Beratungstätigkeit für unsere Mandantinnen und Mandanten viel erreichen zu können. Dieser Umstand bereichert und prägt uns alle gleichermaßen.
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Simon Felix Klesse und Lasse Milan Scherer, beide Jura-Studenten und Ressortleiter für Berater und Beratung am Law&Legal-Standort Bayreuth

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