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Erfahrungsbericht JA 10/2020

Von Jana Trapp und Alena Gallmetzer, LS Prof. Dr. Christoph Safferling | Sep 14, 2020

StPO-Planspiel: Strafprozessrecht für Studierende und Lehrende zum Anfassen

Seit dem Sommersemester 2015 führt der Lehrstuhl von Prof. Dr. Christoph Safferling, LL.M., für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Völkerrecht in Kooperation mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Felix Freiling für IT-Sicherheitsinfrastrukturen regelmäßig das »StPO-Planspiel« im Rahmen der Vorlesung StPO durch. Jana Trapp und Alena Gallmetzer waren unter anderem Teil des Konzeptions- und Durchführungsteams des Planspiels im Wintersemester 2019/20.

In einem ersten Teil (A.) schildert Jana Trapp ihre ersten Berührungspunkte mit dem Konzept als zunächst teilnehmende Studentin und zeichnet daran anknüpfend den weiteren Ausbau des Planspiels in ihrer Rolle als studentische bzw. wissenschaftliche Mitarbeiterin nach. Alena Gallmetzer wird in einem sich daran anschließenden Teil (B.) berichten, wie sie selbst im universitären Alltag der StPO gegenübergetreten ist und anhand ihrer Rolle im Rahmen des Planspiels im Wintersemester 2019/20 ihre persönlichen Erfahrungen als Studentin wie auch Mitglied des Durchführungsteams aufzeigen.

A. Die Entwicklung des Planspiels und seiner Teilnehmerin

I. Das Planspiel in den Kinderschuhen

Als Studentin der Rechtswissenschaften entschloss ich mich im Sommersemester 2016 dazu, die Vorlesung StPO zu besuchen und nahm im Zuge derer am vom Lehrstuhl von Prof. Dr. Christoph Safferling, LL.M., nun das zweite Mal in Folge angebotenen sog. StPO-Planspiel teil. Die Idee war, in der vorletzten Vorlesungswoche des Semesters die Hauptverhandlung eines Schwurgerichtsverfahrens durchzuspielen. Dafür konnte man sich als Studierende bzw. Studierender in eine der Gruppen »Gericht«, »Staatsanwaltschaft« oder »Verteidigung« einteilen lassen. Die Besonderheiten (und die Unterschiede zu einem Moot Court) bestehen bis heute darin, dass zum einen vor allem strafprozessrechtliche Stolpersteine den Gegenstand des Planspiels bilden und zum anderen, dass auch die Richterbank von Studierenden besetzt wird. Schon damals konnte ich mich für die Verteidigung begeistern, und so kam es, dass ich als Strafverteidigerin den wegen versuchten Mordes angeklagten, fiktionalen Charakter Werner Weber vertrat. Alle Teilnehmenden erhielten ca. zwei Wochen vor der Hauptverhandlung die Akte, anhand derer wir unsere Argumentations- und Fragenlinie erarbeiten sollten. Sogar ein IT-Beweismittel ließ sich in der Akte finden: In »Echtzeit« hatte der Lehrstuhl von Prof. Dr. Felix Freiling für IT-Sicherheitsinfrastrukturen ein Asservat in Form eines Laptops des Angeklagten angelegt, anhand dessen sich feststellen lassen sollte, ob – gemäß einer in der Akte befindlichen Zeugenaussage – zum Tatzeitpunkt darauf ein Film abgespielt worden war. Dieses Rätsel hatten IT-Studierende im Rahmen der Vorlesung »IT-Forensik« zu lösen. Nach der Auswertung und »Gutachtenerstattung« standen sie den unterschiedlichen Planspiel-Teams als Beraterinnen und Berater für die Hauptverhandlung zur Verfügung.

Freitag. AG Erlangen. Unser Hauptverhandlungstag. Da wir nicht mehr als zehn Verfahrensbeteiligte waren, gab es sogar für jeden von uns eine Robe, die wir in der Hauptverhandlung tragen durften. Nach vier Stunden verbalem Schlagabtausch wurde das Urteil verkündet: Das Gericht sprach den Angeklagten wegen versuchten Mordes schuldig und erkannte auf lebenslange Freiheitsstrafe. Unmittelbar danach erfolgte Manöverkritik durch den das Planspiel seit seinem Beginn unterstützenden Strafrichter des AG Erlangen, der sich eine kleine Feedback-Runde unter den Studierenden und Prof. Safferling in der letzten Vorlesungsstunde anschloss. Im Rahmen dieser wurde von uns Teilnehmenden zügig die Idee formuliert, das Planspiel auf das gesamte Semester auszuweiten, um die, unter anderem mithilfe des im Zuge der Gruppeneinteilung entwickelten »Kampfgeistes«, positiven Lerneffekte vertiefen und an verschiedenen Stellen des fiktiven Strafverfahrens vervielfältigen zu können. Begeistert von diesem Gedanken sagte Prof. Safferling zu, sich für einen Ausbau des Planspiels zu engagieren und skizzierte bereits ein grobes Bild vom Ablauf eines gesamten Strafverfahrens durch studentische Bearbeitung.

Schon als Studentin konnte ich dem Konzept viel abgewinnen. War mir zuvor diese Art der Wissensvermittlung im Studium noch nicht begegnet, konnte ich bereits erahnen, dass das Planspiel genau den Tätigkeitskern der »typischen Justiz-Berufe« abdeckt und somit wertvolle Erkenntnisse für Studierende liefert. Nicht etwa ausschließlich deshalb, weil der Lehrstoff des ersten Examens aufbereitet und »mit Praxis« angereichert wird; vielmehr trifft die Identifikation mit der eigenen Rolle sowie die kommunikativen Inhalte, wie der Austausch mit den anderen Teilnehmenden während der Hauptverhandlung über die einzelnen Beweismittel, direkt den juristischen Nerv.

Kurz darauf wurde ich als studentische Mitarbeiterin am genannten Lehrstuhl angestellt und durfte das Konzept weiter auszubauen.

Planspiel Hauptverhandlung SoSe 2016

Planspiel-Hauptverhandlung, SoSe 2016

 

II. Von Planspiel-Tag zu Planspiel-Semester

Für das Sommersemester 2017 wurden erstmalig zwei Stellen für die Fortentwicklung und Betreuung des StPO-Planspiels geschaffen. Wir überlegten uns, wie und mit welcher Zielsetzung wir das Planspiel in seiner bereits bestehenden Form erweitern können und entwarfen ein Konzept, das die Abhandlung eines Ermittlungs- und Zwischenverfahrens parallel zur Vorlesung mit deren Lehrinhalten vorsah. All dies sollte seitens der Studierenden in den jeweiligen Gruppen geschehen. Während die Staatsanwaltschaft mithilfe von Anträgen und Verfügungen den Sachverhalt erforschte, den wir in der ersten Vorlesungsstunde als »Zeitungsartikel« präsentierten, wirkten die Ermittlungsrichterinnen und Ermittlungsrichter im Beschlusswege als Kontrollinstanz, wohingegen die Verteidigung sich vor allem um die Einstellung des Verfahrens und später in einem Haftprüfungstermin sogar um die Aufhebung des Haftbefehls gegen den fiktiven Angeklagten Kurt Kunz bemühte. Die Schriftsätze wurden fristgerecht bei den für das Planspiel zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingereicht, von diesen korrigiert und in die Akte eingepflegt. Insgesamt nahmen 55 Studierende teil. Da das Verfahren nicht eingestellt und die Eröffnung des Hauptverfahrens beschlossen wurde, bildete auch in diesem Semester die Hauptverhandlung am AG Erlangen das Finale des Planspiels. Das IT-Beweismittel war auch in diesem Durchlauf der Laptop des Angeklagten: Die Teilnehmenden hatten erneut mithilfe der IT-Studierenden herauszufinden, ob dieses Mal ein Skype-Anruf zwischen dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin zum Tatzeitpunkt stattfand und somit ein Alibi vorlag.

Der Zielsetzung, das studentische Auge im Hinblick auf prozessrechtliche Probleme in einerseits universitärer, andererseits aber auch praktischer Hinsicht stärker zu schulen und bestimmte formalisierte justizielle Abläufe zu vermitteln, wurde unter anderem dadurch Rechnung getragen, dass bei diesem Durchlauf die stärkere Einbeziehung von Gästen aus der Praxis sowie eine individuelle Gruppenbetreuung durch die beiden Planspiel-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern vorgesehen war. Ich durfte mich deshalb mit den Gedanken, Problemen und Schriftsätzen der Verteidigung sowie der Ermittlungsrichterinnen und Ermittlungsrichter beschäftigen. In den letzten 20 Minuten jeder Vorlesungseinheit kamen wir (die Teams selbstredend räumlich voneinander getrennt) zusammen, diskutierten das Ergebnis der Aufgabe der vorherigen Woche und erarbeiteten uns mithilfe schriftlicher Arbeitshinweise, die angesichts der teilweise nicht vorhersehbaren Dynamik jede Woche aktualisiert werden mussten, den aktuellen Stand sowie erste Denkanstöße für das weitere Vorgehen. Im Anschluss mussten sich die Studierenden für eine Reaktion entscheiden und setzten sich damit in Eigenregie auseinander. Ergänzend zum Betreuungskonzept wurde den Teammitgliedern der Gruppe »Tatgericht« die Möglichkeit geboten, mit wissenschaftlicher Begleitung einem Strafprozess am LG Nürnberg-Fürth beizuwohnen.

Auch in diesem Durchgang wurde der Angeklagte unter den Blicken vieler externer Zuschauerinnen und Zuschauer wegen versuchten Mordes verurteilt.

Im Zuge der Nachbesprechung wurde vermehrt das Verlangen geäußert, für die kommenden StPO-Planspiele die Betreuung zu intensivieren und anzugleichen, indem künftig jeder Gruppe eine eigene Betreuerin bzw. ein eigener Betreuer zugewiesen wird. Außerdem wurde sich stark für die Einrichtung einer Revisionsinstanz ausgesprochen.

Planspiel Hauptverhandlung SoSe 2017

Planspiel-Hauptverhandlung, SoSe 2017

III. Auf interdisziplinären Wegen zur nächsten Planspiel-Dimension

Im Wintersemester 2019/20 wurden angesichts der erneuten Durchführung des Planspiels, mit besonderem Verweis auf den vorgesehenen Ausbau des Betreuungskonzepts, insgesamt drei Mitarbeiterinnen Teil des Lehrstuhl-Teams. Als mittlerweile wissenschaftliche Mitarbeiterin, die planspielbezogen über die Semester hinweg bereits einige Erfahrungswerte sammeln konnte, kamen mir als Hauptaufgaben die Koordination des Durchführungsteams, des Ablaufs sowie das Konstruieren strafprozessrechtlicher Fragestellungen in der Akte zu. Mit geballter »Womenpower« gelang es uns, das Planspiel in seiner Form vom Sommersemester 2017 mit seinen vielschichtigen Effekten für über 50 aktive Teilnehmende zu intensivieren: Die Akte wurde mit weiteren realistischen Details und strafprozessrechtlichen Problemen angereichert, neue Zusatzmaterialien verdeutlichten den konkreten Praxisbezug der in der Akte aufgeworfenen Aspekte und die verstärkte Betreuung förderte die Ideenvielfalt sowie die präzisere Aktenarbeit der Studierenden, was insgesamt zu einem höheren Bearbeitungsniveau führte. Insbesondere der IT-Anteil wurde erhöht, indem dieses Mal sogar mehrere Asservate (Videokamera, Fotoapparat, zwei Speicherkarten) an unterschiedlichen Stellen Teil des Planspiels wurden. Im Übrigen wurde das Angebot, einen amts-/landgerichtlichen Strafprozess mit der jeweiligen Betreuerin besuchen zu können, auf alle Planspiel-Gruppen ausgeweitet.

Vor Beginn des Hauptverhandlungstages richtete dieses Mal der Direktor des Amtsgerichts Worte an die Studierenden. Nach einer nervenaufreibenden Verhandlung dann das Urteil: Freispruch für Kurt Kunz!

Ein weiterer spannender Aspekt dieses Durchgangs ist die das Planspiel thematisierende Masterarbeit im Bereich der Erwachsenenbildung. Unter dem Titel »Das Planspiel in der Hochschullehre – Lernerfahrungen Studierender der Rechtswissenschaften« soll das Lehrkonzept im interdisziplinären Wege näher beleuchtet werden. Die sozialwissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse durch Befragungen und Beobachtung der Teilnehmenden wird aufgrund des Umfangs im Herbst 2020 vorliegen. Eine Feststellung lässt sich allerdings schon jetzt treffen: Planspiele sind besonders der Rechtswissenschaft fremd – trotz der juristischen Berufsrealität und den dementsprechenden Anforderungen an fertig ausgebildete Juristinnen und Juristen.

Die Rückmeldungen der Studierenden beinhalteten neben den vielen positiven Gesichtspunkten einen immer wieder genannten Wunsch: Die noch realistischere Umsetzung des Planspiels. Dies schloss mitunter den Punkt ein, dass sich bei der Ausarbeitung der Akte, der Korrektur der vielen Schriftsätze sowie der Anfertigung der Arbeitshinweise angesichts der in vielerlei Hinsicht steigenden Komplexität kleinere Fehler eingeschlichen hatten, welche von den Studierenden durch sorgfältiges Aktenstudium bemerkt wurden. Zwar muss das Ausmerzen solcher bei der Zielsetzung für die kommenden Planspiel-Durchläufe mit an oberster Stelle stehen. Jedoch spiegelt es uns als Konzeptionsteam auch, dass mit dem er-höhten Ressourceneinsatz im Rahmen der Betreuung das Niveau – und somit die Fähigkeiten der Studierenden – gesteigert werden konnte.

Wie das nächste Planspiel im Wintersemester 2020/21 angesichts der Covid-19-Pandemie aussehen wird, wissen wir noch nicht. Eins ist aber sicher: Das Planspiel wird stattfinden – real oder digital. Und auch nach diesem Durchlauf werden die Studierenden und wir um viele Erfahrungen reicher sein.

 

B. Die StPO im universitären Alltag und Erfahrungen des Planspiels im Wintersemester 2019/20

I. StPO in »meiner« Ausbildung

An der FAU Erlangen-Nürnberg ist ein Grundkurs Strafprozessrecht als dreistündige Vorlesung im fünften bzw. sechsten Semester vorgesehen. In meinem fünften Semester, dem Wintersemester 2019/20, war die Vorlesung die letzte eines vollen Tages und fand regelmäßig nach den Klausuren der großen Übung statt. So wurden die Reihen schnell leerer, und in der letzten Stunde häuften sich nur so die sehnsuchtsvollen Blicke auf die Uhr. Trotzdem habe ich die Vorlesung regelmäßig besucht, mitgeschrieben und den Stoff nachbereitet. Zum Ende des Semesters hatte ich in meiner Mitschrift viele Probleme des Strafprozessrechts zumindest aufgezeichnet oder von diesen anhand eines wegweisenden BGH-Falls gehört. Ich wusste von »Beweisverwertungsverboten«, »absoluten Revisionsgründen« und dem »Nemo-tenetur-Grundsatz«, zumindest in der Theorie. Wie wenig ich diese Theorie aber mit der Praxis verknüpfen konnte, zeigte sich, wenn wir einen Fall zu lösen hatten und ich mir immer wieder dieselbe Frage stellte: Wie wendet man das theoretische Wissen jetzt eigentlich an?

Und das sind Erfahrungen, von denen Studierende überall berichten: zum Prozessrecht, sei es Strafprozessrecht oder Zivilprozessrecht, keinerlei Bezug zu haben. Dieses bleibt ungreifbar, theoretisch und innerhalb der Grenzen der universitären Realität damit letztlich unpraktisch. Die Prozessordnungen sind aber letztlich genau dafür geschaffen: für die tägliche Anwendung in der Praxis.

 

II. Das Planspiel und meine Rolle

Als ich die Stelle als studentische Mitarbeiterin zur Durchführung des Planspiels im Wintersemester 2019/20 annahm, war meine eigene StPO-Vorlesung gerade ein Jahr her: Und trotzdem hatte ich kein über den grundlegenden Vorlesungsstoff hinausgehendes Wissen. Mit wenigen Ausnahmen im Rahmen von Praktika konnte ich mir unter einer praktischen Anwendung der StPO also nach wie vor nichts vorstellen. Für das StPO-Planspiel waren wir als Konzeptionsteam neben der grundlegenden Organisation auch vor allem dafür zuständig, den Studierenden eine angemessene Anleitung zu bieten und gleichzeitig den Effekt der Eigenarbeit nicht zu konterkarieren. Dazu erstellte jede Teambetreuerin wöchentliche Arbeitshinweise, die den Teilnehmenden ihre Möglichkeiten vor Augen führen sollten, ohne ihnen bereits einen festen Weg vorzuschreiben. Auch im Rahmen der Ausarbeitung einer »Planspiel-Lösung« für jedes Team musste eben dieser Ausgleich zwischen Anleitung und Eigenarbeit dargestellt werden: Auch wenn die Planung natürlich einen groben Verlauf des Planspiels vorsah, erfolgte jeder einzelne Arbeitsschritt in Eigenverantwortung der Studierenden, womit diverse »Lösungswege« denkbar waren, die in der letzten Vorlesungsstunde nochmal gemeinsam reflektiert wurden.

Planspiel Hauptverhandlung WS 2019 20

Planspiel-Hauptverhandlung WS 2019/20

Als »Küken« des Konzeptionsteams, das selbst noch auf Studierendenseite des universitären Alltags stand, hatte ich dabei eine vermittelnde Rolle inne. Neben den Aufgaben als Teambetreuerin der Verteidigung war ich unter anderem damit betraut, die Anliegen der Studierenden nachzuempfinden und zu kommunizieren. Dazu diente vor allem wöchentliche Treffen unseres Organisationsteams, in denen wir vor allem die Entwicklungen von Woche zu Woche rekapitulierten, um entsprechend auf die Bedürfnisse der Studierenden reagieren zu können und einen möglichst reibungslosen Ablauf zu garantieren. Damit konnte ich nicht nur selbst als Studentin von den Erfahrungen profitieren, sondern habe gleichzeitig einen Blick »hinter die Kulissen« bekommen.

 

III. Persönliche Erfahrungen

1. Als Studentin

Eine Erfahrung, die ich vor allem als Studentin aus dem Semester ziehen konnte, war eine extreme Verknüpfung von Theorie und Praxis. Was für mich vor dem Planspiel noch inhaltsleere Begriffe waren, bekam auf einmal Bedeutung. Was für mich vor dem Planspiel noch wahllos aneinander gereihte Normen waren, bekam auf einmal Systematik. Und was vor dem Planspiel ein schwer greifbares Rechtsgebiet war, wurde logisch und verständlich. Mein Gefühl für die Strafprozessordnung geht dabei inzwischen viel tiefer als die bloße Diskussion um Theorien und BGH-Entscheidungen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit den Studierenden konnte ich auch beobachten, dass diese nicht nur fachlich von dem Planspiel profitierten, sondern gleichzeitig »Soft Skills« entwickelten. Durch die Zusammenarbeit in Teams entstanden so nicht nur Teamgeist und Zusammenhalt – auch durch die Überwindung der ein oder anderen Krise –, sondern semesterübergreifende Freundschaften. Daneben bietet das Planspiel für die Studierenden eine Möglichkeit sich erstmalig argumentativ zu behaupten und so eine Fertigkeit zu üben, die im späteren Berufsleben nahezu für jede Juristin und jeden Juristen unabdingbar ist: Rhetorik. Für all diese Erfahrungen sieht das Studium grundsätzlich wenig Raum vor und bietet gleichzeitig begrenzte Möglichkeiten sich auszuprobieren.

Das Planspiel hält einen großen Schatz an Erfahrungen bereit, von denen ich als Studentin auch für meinen eigenen universitären Alltag jenseits der übergeordneten Organisation und Konzeption profitieren konnte.

Ausschnitt aus Planspiel-Akte WS 2019 20

Ausschnitt aus Planspiel-Akte WS 2019/20


2. Als Teil des Konzeptionsteams

Als Teil des Konzeptionsteams hatte ich daneben die Gelegenheit weitere Erfahrungen zu sammeln, vor allem im Zusammenhang mit Organisation und der Arbeit hinter den Kulissen. Aufgrund der extremen Dynamik der Planspielentwicklung je nach Entscheidung der Studierenden, war es extrem wichtig, in ständigem Austausch miteinander zu stehen und im Zweifelsfall spontan auf die Entwicklungen zu reagieren. Hier war auch die enge Zusammenarbeit mit Prof. Safferling lohnend, um auf studentische Wünsche und Ablaufschwierigkeiten bestmöglich eingehen zu können. Dabei konnte ich vor allem mitnehmen, wie wichtig die Kommunikation miteinander ist und wie viel Arbeit hinter einem (nahezu) reibungslosen Ablauf steckt. Auch diese Art von Zusammenarbeit, die primär über eine effektive Arbeitsteilung funktionierte und für die es von noch größerer Wichtigkeit war, dass jede die ihren Aufgaben gewissenhaft erfüllte, hat mir in meiner persönlichen Entwicklung geholfen.

Im Rahmen der Betreuung der Studierenden konnte ich meine rhetorischen Fähigkeiten über die bloße Argumentation hin zur Wissensvermittlung vertiefen, Verantwortung übernehmen und so schließlich im großen »Finale« der Hauptverhandlung in den Räumlichkeiten des AG Erlangen im Zuschauerraum sitzen, um so der Verhandlung zu folgen, auf die das ganze Semester hingearbeitet wurde. Nach einem Semester Arbeit nahm das Konzeptionsteam jetzt lediglich eine Statistenrolle im Hintergrund ein und alle Aufmerksamkeit war auf die Studierenden gerichtet.

Im Rahmen des Planspiels konnte ich nicht nur durch ein intensives Semester mein theoretisches Wissen fachlich verknüpfen, sondern gleichzeitig ganz besondere persönliche Erfahrungen machen und Freundschaften schließen, die der normale universitäre Alltag nicht für mich bereitgehalten hätte und die mich in meiner weiteren Laufbahn auch weiterhin begleiten.

Von Durchlauf zu Durchlauf hat sich das Planspiel verändert und wurde weitergesponnen, um für die Studierenden nicht nur den besten Lernerfolg, sondern auch möglichst schöne Erinnerungen zu schaffen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass auch der nächste Durchlauf die ein oder andere Herausforderung für uns bereithalten wird. Jedoch ist jede Herausforderung auch gleichzeitig eine Chance auch unter digitalen bzw. modifizierten Bedingungen das Planspiel weiterzuentwickeln und so für die »nächste Planspiel-Generation« vergleichbare Erfahrungen bieten zu können.

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