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JA Editorial 8/2020

Von Prof. Dr. Hans Kudlich, Universität Erlangen-Nürnberg

Noch mehr Pandemiehelden

In den vergangenen Wochen und Monaten hat es diverse Sympathiebekundungen für und Dankesadressen an die »Corona-Helden« insbesondere in der Pflege und der Krankenversorgung, aber auch in anderen Bereichen gegeben. Ich will diese Seite nutzen, um dem eine weitere hinzuzufügen und innerhalb unseres Lebensbereichs der »juristischen Ausbildung« den Fokus ein wenig auf die drehen, die zumindest teilweise vielleicht zu sehr im Schatten stehen.

Christian Wolf hat in seinem sehr lesenswerten Editorial in Heft 6/2020 der JA skizziert, wie sich im »Corona-Semester« die Lehre für die Studierenden, aber auch für die Dozierenden verändert.

Während diese Zeilen geschrieben werden, geht das Semester seinem Ende zu, wenn sie gelesen werden, ist es schon (fast) zu Ende, und zu einer Veränderung des Lernens und Lehrens wird – nicht erst dann, aber dann vielleicht besonders geballt sichtbar – auch eine Veränderung des Prüfens getreten sein.

Was hat all das mit Pandemiehelden zu tun? Nun, all die genannten Änderungen erfolgen nicht von allein. Sie müssen geplant, probiert und umgesetzt werden. Und das ist – hier sind sich fast alle Lehrenden einig – gerade am Anfang zeitlich ein deutlich größerer Aufwand als während eines traditionellen Präsenzsemesters. Den Mehraufwand, den auch wir Professoren haben, will ich hier aber gar nicht erwähnen. Der wird hinreichend gewürdigt und ist eigentlich selbstverständlich: »Hinreichend gewürdigt«, weil viele von uns noch nie so viel positives und dankbares Feedback bekommen haben wie dafür, dass (jedenfalls an sehr vielen Fakultäten) binnen weniger Wochen ein komplettes digitales Lehrangebot aus dem Boden gestampft wurde; und »eigentlich selbstverständlich«, weil die Professoren – auch wenn viele von ihnen natürlich in anderen juristischen Berufen deutlich besser verdienen könnten – innerhalb des Bildungssystems am besten alimentiert werden.

Mir geht es heute um die hidden figures, ohne die der Universitätsalltag im Allgemeinen nicht laufen würde, ohne deren überobligatorischen Einsatz aber besonders der Lehr- und Prüfungsbetrieb während Corona nicht möglich (gewesen) wäre. Auch wenn ich hier Beispiele – natürlich nicht namentlich, sondern nach Funktionen gekennzeichnet – aus »meinem« Erlanger Fachbereich nenne, bin ich sicher, dass es ganz parallele Strukturen auch an den anderen Fakultäten gibt, auf welche die folgenden Zeilen mutatis mutandis übertragbar sind.

Ich denke da etwa an meine Sekretärin, die aufgrund der erhöhten Nachfrage an den Online-Angeboten der virtuellen Hochschule Bayern zusammen mit dem großartigen Hiwi-Team neben mehreren Hundert Übungsklausuren und rund 250 Hausarbeiten in der Fortgeschrittenen-Übung dieses Semesters auch eine nahezu vierstellige Zahl von Klausuren aus den vhb-Kursen zu administrieren hatte: Listen führen, Korrektoren einteilen, Klausuren eintüten und an die Teilnehmer zurückschicken … – unser Sekretariat sieht teilweise aus wie ein einziges großes Klausurenlager …, aber sie verliert weder den Überblick noch ihre gute Laune. Ich denke an die beiden Assistentinnen meines Nachbarlehrstuhls, die eine Zwischenprüfung mit rund 500 Teilnehmern aufgrund der Corona-Vorgaben in 28 (!) Räumen im ganzen Stadtgebiet organisieren und dafür rund 60 Aufsichten akquirieren und rund 10 »Standortverantwortliche« in ihre Pflichten einweisen müssen.

Ich denke an unsere »Raumverantwortliche«, die eigentlich »nur« die Aufgabe hat, Räume für Lehrveranstaltungen zuzuweisen (… was in Zeiten der allgemeinen Raumknappheit schwer genug ist), nun aber auch zusammen mit der Arbeitssicherheit Konzepte erarbeiten und die Lehrstühle bei deren Umsetzung unterstützen muss. Ich denke an unsere »Service-Einheit Lehre und Studienberatung«, die in Windeseile Konzepte für die digitale Lehre gesammelt, erprobt und weiterentwickelt und die Lehrstühle damit unterstützt hat.

Ich denke an unsere juristische Teilbibliothek, die rechtzeitig vor den mündlichen Examensprüfungen wieder einen Betrieb in zwei Slots (mit einer dazwischenliegenden Reinigungspause) von morgens bis Mitternacht für unsere Studierenden möglich gemacht hat, einschließlich der Entwicklung eines Belegungs- und Arbeitsplatzbuchungssystems für die Studierenden. Und ich denke natürlich auch an die Mitarbeiter der Zentralen Universitätsverwaltung, die zum Teil umfangreiche Zusatzlasten zu tragen haben (Stichwort: Raumverwaltung; Arbeitsschutz) und zum Teil trotz der Einschränkungen durch Homeoffice, Kinderbetreuung etc. nach Kräften alles möglich machen, damit es »weiterläuft« und wir uns an den Lehrstühlen auf unsere Tätigkeiten konzentrieren können.

Alle sie sind für mich auch »Corona-Helden« im Kleinen – wobei man aber der Vollständigkeit halber auch hinzufügen muss: Sie sind ganz überwiegend nicht nur Helden, sondern als Mitarbeiter der Universität zugleich auch Privilegierte in dieser Situation, die sich anders als Beschäftigte in kleinen Geschäften oder in der Gastronomie keine Sorgen um ihren Beruf, um die regelmäßige Bezahlung etc. machen müssen. All die, die gesundheitlich und sozial halbwegs durch diese Krise gekommen sein werden, haben Grund zu etwas Demut und Dankbarkeit.

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