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On-Premise-KI für die Justiz

Von Nico Kuhlmann, Autorenbeschreibung
In dieser Ausgabe wird das aktuelle Angebot von Codefy vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die in der Justiz bei der täglichen Arbeit hilft und auch rechtssicheren Zugang zu Künstlicher Intelligenz ermöglicht.

Welches Problem löst Codefy?

Die Akteninhalte bei Gericht nehmen kontinuierlich zu. Richter bekommen im Alltag also immer mehr Papier auf den Schreibtisch (beziehungsweise die PDF-Dateien in der eAkte werden immer mehr und immer umfangreicher). Das muss alles durchdrungen und strukturiert werden. Auf kommerzielle KI-Angebote können Richter dabei in aller Regel nicht zurückgreifen. Eine Vielzahl rechtlicher Erwägungen steht dem entgegen. Diesbezüglich besteht oft keine „Waffengleichheit“ mit der Anwaltschaft.

Wie genau funktioniert Codefy?

Codefy bietet eine Plattform an, mit der Richter gerichtliche Akten schneller durchdringen können. Dabei handelt es sich um eine KI-Analyse-Infrastruktur, die zudem auf eigenen Servern der Justiz läuft („on premise“) und damit insoweit rechtssicher genutzt werden kann. 

Mithilfe von Codefy können Richter sehr große Dokumentenmengen in einem Bruchteil der sonst benötigten Zeit sichten und auswerten. Dies beschleunigt nicht nur die Arbeitsabläufe, sondern es reduziert auch das Risiko, dass etwas übersehen wird. Insbesondere bei der Bewältigung von Massenverfahren oder komplexen Verfahren stellt dies

einen deutlichen Mehrwert zum Status Quo dar.

Die Plattform besteht unter anderem aus einem KI-Chatbot. Die von ihm generierten Antworten werden direkt mit den Fundstellen aus der Akte verlinkt, so dass der Richter die Angaben mit einem Klick überprüfen kann. Zudem gibt es die Möglichkeit Workflows zu automatisieren. Beispielsweise können bestimmte immer wieder relevante Angaben aus einer Klageschrift automatisiert herausgezogen werden. Daraus lassen sich dann unter anderem Zusammenfassungen oder auch Relationstabellen erstellen.

Dabei sind auch direkt konkrete Sicherheitsvorkehrungen mit eingebaut. Bei bestimmten Anforderungen des Nutzers verweigert die KI dann die Ausführung des Befehls. Vor allem ist die automatische Erstellung des gesamten Urteils blockiert.

Wer steht hinter Codefy?

Codefy wird von der gleichnamigen Codefy GmbH aus Heidelberg betrieben. Die Geschäftsführer sind Tianyu Yuan, Jakub L. Szypulka und Dr. Carsten Günther. Das Unternehmen wurde im Jahr 2020 gegründet. Mittlerweile umfasst das Team circa 35 Personen. Erstmals vorgestellt wurde Codefy in dieser Rubrik mit dem damaligen Angebot vor mittlerweile mehr als vier Jahren (siehe RDi 7/2022, IX). Seitdem hat sich einiges getan.

Was kostet Codefy?

Die Kosten sind abhängig vom Projekt und setzen sich in der Regel aus einer Gebühr für das Aufsetzen der Infrastruktur sowie aus Kosten für Lizenz und Pflege zusammen. Die Kosten für den laufenden Betrieb sind abhängig von der Zahl der Nutzer und den gebuchten Modulen.

An wen richtet sich Codefy?

Codefy richtet sich insbesondere an die deutsche Justiz. Beispielsweise entwickelt das Land Baden-Württemberg im Rahmen des Projekts „StruKI“ („Aktenstrukturierung mit KI“) Workflows auf Basis von Codefy für die Aktenstrukturierung. In Bayern ist zudem der Pilotbetrieb der KI-Chat-Funktionalität als Projekt „JUKION“ („Justiz-KI im On-Premises-Betrieb“) angelaufen. Die Bundesländer entscheiden dabei selbst, welche konkreten Funktionen eingesetzt werden.

Wer sind die Wettbewerber?

Das Unternehmen IBM hat beispielsweise in Baden-Württemberg für die Oberlandesgerichte Stuttgart und Karlsruhe für die Bearbeitung von Massenverfahren die Anwendung „OLGA“ („Oberlandesgerichts-Assistent“) entwickelt. Aus Niedersachsen kommt zudem mit Hilfe der SINC GmbH aus Wiesbaden die Anwendung „MAKI“ („Massenverfahrensassistenz mithilfe von KI“; siehe RDi 12/2024, IX). 

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