In dieser Ausgabe von Tech & Tools wird der Green Claims AI Scanner der Kanzlei Bird & Bird vorgestellt.
Welches Problem löst der Green Claims AI Scanner?

Eigentlich soll man Gutes tun und darüber reden, so besagt es zumindest ein Sprichwort. Aber manchmal gibt es auch Regeln, was man sagen darf und was nicht. Die EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers Directive) ist beispielsweise ein Rechtsakt der EU zur Bekämpfung von Greenwashing, der Unternehmen verpflichtet, ihre Umweltaussagen wissenschaftlich zu belegen und irreführende Praktiken zu unterlassen. Konkret verboten sind etwa allgemeine Begriffe wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“, wenn diese nicht eindeutig belegbar sind.
In der Vergangenheit soll es aber schon vorgekommen sein, dass der eine oder die andere motivierte Mitarbeitende aus der Marketing-Abteilung die eine oder andere umweltbezogene Werbeaussage auf der eigenen Webseite untergebracht hat. Wenn die Webseite nur aus ein paar Unterseiten besteht, lässt sich das noch manuell überprüfen. Aber wenn es hunderte oder sogar tausende Unterseiten pro Domain und eventuell mehrere Domains für verschiedene Länder gibt, dann ist es eine ganz schöne Aufgabe.
Wie genau funktioniert Green Claims AI Scanner?
Der Green Claims AI Scanner durchsucht in der ersten Phase die ausgewählte Webseite mit allen Unterseiten auf relevante Schlagwörter und erstellt daraus eine Übersicht über die gefundenen kritischen Begriffe in Form einer Keyword Heatmap.
Die Sprache der Webseite ist dabei nicht ausschlaggebend, da der Scanner alle relevanten Sprachen beherrscht und auch die Auswertung in grundsätzlich jeder Sprache zur Verfügung stellen kann. Ausgewertet wird zudem sämtlicher maschinenlesbarer Text der gesamten Webseite. Wenn zusätzlich Text direkt in Bilddateien integriert ist, erfolgt die Kontrolle über den ALT-Text und wenn dieser nicht zur Verfügung steht, gesondert über eine automatische Texterkennung (OCR).
In einer zweiten Phase kann der Green Claims AI Scanner zusätzlich zur reinen Schlagwortsuche auch eine KI-gestützte
Analyse der relevanten Unterseiten durchführen, um weitere kritische Umweltaussagen zu entdecken, die sich nicht einfach über ein konkretes Schlagwort finden lassen („Wir werden ab 2023 nur noch erneuerbare Energien zur
Herstellung unserer Produkte verwenden“). Dabei kommt Generative Künstliche Intelligenz (GenAI) zum Einsatz.
Auch in der zweiten Phase werden die gefundenen Umweltaussagen aufgelistet, kategorisiert und mit einem Risikowert versehen. Bei Bedarf ergänzen die Anwälte diese Auswertung mit Vorschlägen, wie man die gewünschte Umweltaussage rechtskonform umformulieren kann.
Wer steht hinter dem Green Claims AI Scanner?
Entwickelt und betrieben wird das Tool von der Kanzlei Bird & Bird LLP. Der Kopf hinter dem Projekt ist Dr. Constantin Eikel (Partner, Düsseldorf).
An wen richtet sich der Green Claims AI Scanner?
Bird & Bird bietet den Green Claims AI Scanner nicht extern an, sondern verkauft die Nutzung des Tools durch die eigenen Anwälte an die Mandanten.
Was kostet der Green Claims AI Scanner?
Für die erste Phase wird ein Festpreis berechnet, der abhängig von dem Umfang der Webseite im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich liegt. Die Kosten für die zweite Phase berechnen sich nach der Anzahl der zu überprüfenden Unterseiten. Pro Unterseite wird ein dreistelliger Festpreis abgerechnet. Darin enthalten ist dann bereits die Nachkontrolle der Ergebnisse durch einen Anwalt.
Wer sind die Konkurrenten?
Ein ähnliches Angebot bietet das Unternehmen EthicLens an.