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Flüstern statt tippen

Von Nico Kuhlmann,
In dieser Ausgabe von Tech & Tools wird die KI-Spracherkennungssoftware Wispr Flow vorgestellt.

Welches Problem löst Wispr Flow?

Juristen produzieren Texte. Teilweise in Form von E-Mails oder anwaltlichen Schreiben und manchmal als Schriftsätze, Urteile oder Verträge. In diesen Texten steckt regelmäßig jede Menge juristische Finesse, jahrelange Berufserfahrung und strategische Weitsicht.

Ein vermeintlich eher banaler Aspekt bei der täglichen Produktion von Texten ist die Frage, wie man das geballte Wissen im Kopf schnell und fehlerfrei aufgeschrieben bekommt. Seit der Erfindung der Schreibmaschine und auch noch im aktuellen Computerzeitalter läuft das in der Regel über die Tastatur.

Leider gehört das Erlernen des Zehnfingersystems soweit ersichtlich an keiner deutschen juristischen Fakultät oder im Referendariat zum Ausbildungsinhalt. Die Konsequenz ist, dass stattdessen teilweise immer noch das sogenannte Ein-Finger-Adlersuchsystem angewendet wird und die Geschwindigkeit der Texterstellung nicht durch die Genialität des Schreibenden, sondern durch die Langsamkeit der Finger begrenzt wird.

Wie genau funktioniert Wispr Flow?

Wispr Flow ist eine KI-gestützte Spracherkennungs- und Diktierlösung. 

Im Kern funktioniert Wispr Flow ähnlich wie ein digitales Diktiergerät. Aber es kombiniert zudem fortschrittliche  Spracherkennung mit generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI). Nutzer können frei sprechen und Wispr Flow transkribiert das Gesagte in Echtzeit direkt in die jeweilige Anwendung. Dabei erkennt die Software automatisch Satzzeichen und korrigiert die Grammatik.

Die zugrundeliegende KI nutzt ein mehrstufiges Modell, das gesprochene Sprache zunächst in Text überführt (Speech-to-Text) und diesen anschließend mithilfe eines Sprachmodells optimiert. Dadurch werden umgangssprachliche  Formulierungen, Füllwörter oder Versprecher geglättet, ohne dass der Inhalt verfälscht wird.

Wispr Flow ist der für Mac, Windows und iOS (aber bisher nicht für Android) verfügbar.

Wispr Flow unterstützt bereits über 100 Sprachen und Dialekte. Im Vergleich zu anderen Angeboten erkennt Wispr Flow die Sprache selbstständig, ohne dass diese vorher angegeben werden muss. Außerdem kann man beim Sprechen auch ohne weiteres zwischen verschiedenen Sprachen wechseln. 

Wer steht hinter Wispr Flow?

Entwickelt wurde die Anwendung von Wispr AI, einem im Jahr 2021 gegründeten Start-up aus den USA. Wispr AI sicherte sich im Juni 2025 eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 30 Millionen US-Dollar. Gegründet wurde das Unternehmen von Tanay Kothari (CEO) und Sahaj Garg (CTO), die beide an der Stanford University studiert haben.

An wen richtet sich Wispr Flow?

Die Anwendung Wispr Flow wendet sich nicht speziell an Juristen, sondern allgemein an ein breites Spektrum von Nutzenden, insbesondere an jene mit hohem Schreib-, Dokumentations- oder Kommunikationsaufwand.

Was kostet Wispr Flow?

Zurzeit gibt es ein mehrstufiges Preismodell. Der kostenfreie „Basic“-Plan umfasst 2.000 Wörter pro Woche und einige grundlegende Funktionen. Dieser Plan eignet sich vor allem, um die Anwendung kennenzulernen. Der „Pro“-Plan kostet dann 12 US-Dollar pro Monat bei jährlicher Abrechnung und enthält unter anderem keine Wortbegrenzung sowie erweiterte Editier-Funktionen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Pläne für Teams und ganze Unternehmen. Schließlich wird auch ein Studierendenrabatt angeboten.

Wer sind die Konkurrenten?

Es gibt eine Vielzahl anderer Anbieter und Angebote von Spracherkennungssoftware; bekannt ist etwa Dragon. Zudem beinhalten die Office-Anwendungen, wie Word oder Outlook, bei einem Microsoft-365-Abonnement auch direkt eine integrierte Diktierfunktion.

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