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Den Kunsträubern auf der Spur: ID-Art App

Von Nico Kuhlmann,
In dieser Ausgabe von Tech & Tools wird die App ID-Art von Interpol vorgestellt, mit der unter anderem gestohlene Kunstwerke identifiziert werden können.

Welches Problem löst die ID-Art App? 

Der internationale Kunstmarkt ist ein Milliardengeschäft, aber leider nicht nur für Galerien, Sammler und Auktionshäuser. Auch Kriminelle haben schon lange erkannt, dass sich mit gestohlenen Gemälden, antiken Skulpturen oder sakralem Raubgut ganz hervorragend Kasse machen lässt – und das oft unter dem Radar von Polizei, Zoll und der allgemeinen Öffentlichkeit. 

Kunstwerke haben weder einen Fingerabdruck noch eine Fahrgestellnummer. Wer ein entwendetes Werk sieht, erkennt es meist nur dann, wenn er Kunstgeschichte studiert hat – oder zufällig mit dem Original im Wohnzimmer groß geworden ist. So kommt es vor, dass selbst renommierte Museen oder Sammler unwissentlich gestohlene Kunstwerke erwerben.

Wie genau funktioniert die ID-Art App?

ID-Art ist eine App zur Bekämpfung von Kunstdiebstahl und illegalem Handel mit Kulturgütern. 

Die Anwendung wurde entwickelt, um den Zugang zur internationalen Datenbank gestohlener Kunstwerke zu erleichtern und relevante Informationen für Ermittler, Zollbeamte, Kunsthändler und auch Privatpersonen mobil verfügbar zu machen. Darum enthält die App eine Liste mit gestohlenen Kunstgegenständen samt Fotos und weiteren Angaben, sortiert nach einzelnen Ländern. Für Deutschland ist beispielsweise eine Gruppe kleiner goldener Figuren des Künstlers Ottmar Hörl gelistet, die Richard Wagner darstellen und im Jahr 2023 in Bayreuth gestohlen wurden.

Im Zentrum der App steht aber die Suche nach gestohlenen Kunstwerken: Nutzer können ein Objekt fotografieren oder bestimmte Merkmale wie Künstlername, Titel, Material oder Herkunftsregion eingeben. Die App gleicht diese Angaben mit der Datenbank ab, in der Tausende von international als gestohlen gemeldeten Objekten erfasst sind.

Ein weiteres Feature ist die Dokumentationsfunktion. Die Nutzenden können mit der App Kunst- und Kulturobjekte selbst standardisiert erfassen, einschließlich Fotos, Maße, Beschreibung, Zustand und Herkunft. Diese digitale Objektakte kann im Fall eines Diebstahls sofort zur Anzeige oder zur Weitergabe an Ermittlungsbehörden verwendet werden – inklusive strukturierter Daten, die internationale Standards erfüllen.

Zudem bietet die App die Möglichkeit, verdächtige Funde direkt zu melden. Wer etwa bei einer Auktion auf ein mutmaßlich problematisches Objekt stößt oder bei einer Reise auf einen Kunstschatz mit unklarer Herkunft, kann dies direkt aus der App heraus an Interpol übermitteln – auch anonym. Dadurch wird eine niedrigschwellige Schnittstelle zur internationalen Strafverfolgung geschaffen.

Die App ist in den Amtssprachen von Interpol verfügbar (Arabisch, Englisch, Französisch und Spanisch) und läuft auf Android von Google sowie auf iOS von Apple.

Wer steht hinter der ID-Art App?

Die Anwendung wurde von Interpol entwickelt. Der Betrieb erfolgt durch die Abteilung Kulturgüterschutz bei Interpol in Lyon. Die App wurde dank der Finanzierung durch die Interpol Foundation for a Safer World entwickelt. 

An wen richtet sich die ID-Art App?

Die App ID-Art von Interpol richtet sich primär an Fachleute aus dem Bereich Kunstkriminalität, Zollbehörden, Museen und Kunsthändler – aber auch an die interessierte Öffentlichkeit.

Was kostet die ID-Art App?

Die App ist kostenlos.

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