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Nico Kuhlmann | Aug 03, 2026
In dieser Ausgabe von Tech & Tools wird das Angebot Prime Legal AI und insbesondere deren „Aktenintelligenz“ vorgestellt.
Welches Problem löst Prime Legal AI?

Für Anwälte, Notare und andere Juristen ist die tägliche Arbeit regelmäßig geprägt von dicken Akten mit langen Schriftsätzen, unzähligen E-Mails und diversen anderen Dokumenten. Hinzu kommt der Leistungsdruck, rechtssichere Schriftsätze in kürzester Zeit zu erstellen. Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) erhofft man sich dann technische Hilfe. Aber herkömmliche KI-Tools können oft nur einzelne Dokumente oder kurze Texte auf einmal verarbeiten und man muss alles immer hin und her kopieren. Zudem besteht das mittlerweile allseits bekannte Problem der Halluzinationen. Schließlich sind verschiedene rechtliche Vorgaben aus der DS-GVO und gegebenenfalls dem Berufsrecht zu beachten, die oft die Nutzung regulärer KI-Tools von vornherein ausschließt.
Wie genau funktioniert Prime Legal AI?
Prime Legal AI ist ein universeller KI-Workspace, der die juristische Fallbearbeitung automatisiert und dabei eine strikte Trennung von generativem Sprachmodell und verifizierter Datenbasis einhält.
Im Zentrum steht die „Aktenintelligenz“, die hochgeladene Schriftsätze, Verträge und E-Mails im Gegensatz zu herkömmlichen KIs als zusammenhängendes Mandat im exakten zeitlichen und rechtlichen Kontext analysiert. Das System strukturiert die Mandatsinformationen über Metadaten, wertet sogar Bilddateien aus, schlägt aktiv die nächsten sinnvollen Verfahrensschritte vor und entwirft direkt die notwendigen Schriftsätze. Um das anwaltliche Berufsgeheimnis zu wahren, bereinigt ein integriertes Privacy Shield sensible Mandantendaten vor der Verarbeitung automatisiert per Knopfdruck durch Platzhalter. Durch diese präzise Kontextsteuerung und eine LLM-agnostische Architektur wird außerdem das Risiko von Halluzinationen minimiert.
Als Ergebnis liefert die Software präzise Ausarbeitungen und Recherchen, die transparent mit den konkreten Fundstellen referenziert sind.
Die Bedienung ist über ein eigenes Word-Add-In sowie eine Diktierfunktion nahtlos in den gewohnten Schreibworkflow integriert. Schnittstellen zu Systemen wie Datev und RA-MICRO ermöglichen einen reibungslosen Aktenexport. Finale Dokumente und Schriftsätze lassen sich schließlich direkt im eigenen Kanzleibriefbogen mit den vorgegebenen Formatierungen ausgeben.
Wer steht hinter Prime Legal AI?
Hinter Prime Legal AI steht der deutsche Rechtsanwalt und Legal-Tech-Pionier Michael Friedmann mit seinem Unternehmen QNC GmbH. Die QNC GmbH, die auch für etablierte Plattformen wie 123recht.net und Frag-einen-Anwalt.de bekannt ist, hat sich hier mit der anwalt.de services AG zusammengeschlossen, wo Friedmann als Chief Legal Innovation Officer (CLIO) die KI-Strategie verantwortet.
An wen richtet sich Prime Legal AI?
Prime Legal AI richtet sich primär an Rechtsanwälte, Notare und juristische Fachkräfte. Die Plattform ist aber auch für Rechtsabteilungen in Unternehmen geeignet, die große Datenmengen bewältigen müssen.
Was kostet Prime Legal AI?
Die Preise für Prime Legal AI starten bei 199,90 Euro pro Nutzer und Monat für die Variante „Core“ im Jahresabo. Die erweiterte Version „Advanced“, die unter anderem zusätzlich das Aktionsmodul Zivilrecht des Verlags Otto Schmidt enthält, kostet 299,90 Euro im Jahresmodell.
Wer sind die Konkurrenten?
Im Bereich der All-in-One-Plattformen konkurrieren international auftretende Anbieter wie Harvey, Legora und Libra. Im Bereich der Mandatsannahme und Kanzleiorganisation ergänzen Tools wie Jupus den Markt (siehe RDi 6/2026, IX)