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Nico Kuhlmann | Nov 03, 2025
In der aktuellen Ausgabe der Rubrik Tech & Tools wird eine Software vorgestellt, die ein Student der Universität Bayreuth selbst entwickelt hat, um die Notengerechtigkeit bei Hausarbeiten zu verbessern.
Welches Problem löst die Software?

Vor Gericht und auf hoher See ist man einem Sprichwort zufolge in Gottes Hand. Gleiches gilt für die Benotung an der Universität, zumindest empfinden die Studierenden die Notengerechtigkeit oft als eher schlecht. Der klassische Vorwurf lautet, dass der Kommilitone, mit dem man die letzte Hausarbeit mehr oder weniger zusammengeschrieben hat, eine ganz andere Punktzahl bekommen hat als man selbst. Das kann unterschiedliche Gründe haben.
Ein Grund für eine abweichende Bewertung kann sein, dass die Arbeiten im Ergebnis eben auch deutlich verschieden waren. Selbst wenn der Aufbau und die Gesamtlösung vielleicht gleich waren, gab es gegebenenfalls relevante Unterschiede in der juristischen Argumentation, der Klarheit der Gedanken und der logischen Struktur. Ein anderer Grund kann natürlich sein, dass man einfach Pech gehabt hat und die eigene Arbeit nur im Vergleich zu den anderen Arbeiten, die der Korrektor zu bewerten hatte, negativ aufgefallen ist.
Wie genau funktioniert die Software?
Die bisher namenlose Software soll nun für mehr Notengerechtigkeit sorgen.
Zuerst werden durch diese Software alle abgegebenen Hausarbeiten ausgewertet und in Gruppen mit ähnlichen Arbeiten zusammengestellt. Dabei wird keine inhaltliche Bewertung der juristischen Ausführungen vorgenommen. Auch die Lösungsskizze spielt dabei keine Rolle. Vielmehr geht es in diesem Schritt allein um eine sprachliche Ähnlichkeit. Dabei wird der gesamte Text in sehr kleine Abschnitte aus wenigen Zeichen zerlegt und anschließend geprüft, in welchen Arbeiten die gleichen Abschnitte vorkommen.
Die Korrektoren bekommen dann jeweils eine große Auswahl an Arbeiten, die möglichst die ganze Bandbreite an abgegebenen Hausarbeiten widerspiegeln soll. So soll verhindert werden, dass eine mittelmäßige Arbeit durch Zufall auf einen Stapel mit ansonsten sehr guten Arbeiten landet und dann schlechter bewertet wird als eine vergleichbare Arbeit, die durch Zufall in einem Stoß mit ansonsten eher schlechten Arbeiten gelandet ist.
Sobald die Hausarbeiten benotet von den Korrektoren zurückkommen, wird überprüft, ob Arbeiten, die in die gleiche Gruppe einsortiert wurden – also potenziell sehr ähnlich sind – zu unterschiedlich benotet wurden. Konkret ist die Idee, dass eine Arbeit, die vom Notendurchschnitt der eigenen Gruppe um mehr als zwei Punkte abweicht, erneut von einem Korrektor bewertet wird.
Im Sommersemester 2025 lief das Pilotprojekt in der großen Übung im Zivilrecht an der Universität Bayreuth. Aus den über einhundert Hausarbeiten sortierte die Software elf Arbeiten heraus, weil deren Bewertung signifikant von der Bewertung anderer Arbeiten abwich. Nach der erneuten Überprüfung wurden drei dieser Arbeiten hochgestuft und bei einer Arbeit wurde die Note sogar von vier auf neun Punkte angehoben.
Wer steht hinter der Software?
Entwickelt wurde die Software von Felix Kaiser, Student der Rechtswissenschaft an der Universität Bayreuth.
An wen richtet sich die Software?
Die Pilotphase hat an der Universität Bayreuth stattgefunden. Felix Kaiser befindet sich gerade in Gesprächen, die Software auch an anderen Universitäten einzusetzen.
Was kostet die Software?
Die Nutzung war in der Pilotphase bisher kostenlos.
Wer sind die Konkurrenten?
Vergleichbare Angebote sind nicht bekannt.