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Ivan Keller / Christine Mai | Feb 02, 2026
Die EU treibt ihre Bemühungen um den Aufbau eines tieferen, stärker integrierten und liquideren Kapitalmarkts voran. Am 4.12. 2025 hat die Europäische Kommission ihr Paket zur Marktintegration und -aufsicht im Rahmen der Spar- und Investitionsunion vorgelegt – eine Reihe von Legislativvorschlägen zur Überwindung der Hindernisse, die uns zu lange ausgebremst haben. Die Digitalisierung des Finanzwesens steht im Zentrum dieses Pakets. Die EU ist hier weltweit führend, etwa mit der Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA), sowie einer Pilotregelung für auf Digital-Ledger-Technologie basierende Marktinfrastrukturen (DLT-Pilot). Letztere ermöglicht es Finanzmarktteilnehmern, in einem sicheren Rahmen mit Handel und Abwicklung von Finanzinstrumenten auf der Blockchain zu experimentieren.
Doch wir müssen mit weiteren Innovationen mithalten. DLT und
Tokenisierung haben das Potenzial, ein völlig neues Betriebssystem für Finanzmärkte zu schaffen. Sie können dabei helfen, den modernen, integrierten EU-Kapitalmarkt aufzubauen, der unseren Wohlstand und unsere Autonomie sichern kann.
Unser Rechtsrahmen muss jedoch so beschaffen sein, dass er diesen Wandel ermöglicht. Deshalb enthält das Paket zur Marktintegration und -aufsicht Vorschläge zur Verbesserung des DLT-Pilots. Wir brauchen eine breitere Nutzung von DLT-Technologien, die Handel und Abwicklung schneller, sicherer und effizienter machen können.
Der Umfang der zulässigen Vermögenswerte, bisher auf nicht komplexe Vermögenswerte beschränkt, wird auf alle Finanzinstrumente ausgeweitet, wobei die einschlägigen Anlegerschutzvorschriften weiter gelten.
Zudem schlägt die Kommission vor, alle Obergrenzen für spezifische Vermögenswerte abzuschaffen und den zulässigen Gesamtwert aller Finanzinstrumente auf einer DLT-Marktinfrastruktur deutlich anzuheben: von 6 Mrd. EUR auf 100 Mrd. EUR. Für kleinere Akteure, die DLT-Finanzinstrumente mit einem aggregierten Marktwert bis zu 10 Mrd. EUR verwalten, wird es eine vereinfachte Regelung geben. Schließlich möchten wir die Fristen für die im Rahmen des Pilots erteilten Genehmigungen abschaffen, damit Teilnehmer ohne Sorgen über ein Auslaufen in DLT-Marktinfrastrukturen investieren können.
Was die Tokenisierung von Vermögenswerten betrifft, so setzt die Kommission ihren Dialog mit der Industrie und anderen Interessierten fort. Wir werden weiterhin prüfen, inwieweit die EU-Vorschriften über Finanzdienstleistungen Tokenisierung ermöglichen – etwa im Rahmen einer möglichen Überarbeitung der Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW)-Durchführungsrichtlinie über zulässige Vermögenswerte. Außerdem wird die Kommission die Ergebnisse einer extern in Auftrag gegebenen, im ersten Quartal 2026 erwarteten Studie analysieren, die Hürden für die Tokenisierung von Vermögenswerten in den Rechtsrahmen der Mitgliedstaaten aufzeigt.
Diese Projekte sind entscheidend, damit die EU einen echten Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen aufbauen und das Finanzsystem der Zukunft auf globaler Ebene gestalten kann – im Einklang mit unseren europäischen Werten.
Ivan Keller ist Teamleiter für DLT, Christine Mai Referentin in der Generaldirektion Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion der Europäischen Kommission