BC-Leserfragen-Treff: Leserfragen 2010


Thema: Bewertung teilfertiger Erzeugnisse

 

Leserfrage:

Als aufmerksamer Leser Ihrer Zeitschrift richte ich folgende Frage an Sie in der Hoffnung, dass Sie mir weiterhelfen können.

Als Messebauer bewerten wir unsere unfertigen Messestände (Umlaufvermögen) zum Bilanzstichtag mit den Herstellungskosten nach den allgemeinen Grundsätzen des § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB, also mit allen bis zum Bilanzstichtag angefallenen Aufwendungen. Hierbei handelt es sich sowohl um Waren und Eigenleistungen als auch um die Inanspruchnahme von Diensten Dritter!

Dabei stellt sich uns die Frage, ob in die Bewertung auch die unfertigen Dienste Dritter, also aus schwebenden Geschäften, einzubeziehen sind und diesbezüglich zudem eine Rückstellung in gleicher Höhe zu bilden ist.

 

Beispiel:

Wir beauftragen u.a. einen Lieferanten zum Einbau einer Beleuchtungsanlage für 1.000 € in einen unfertigen Messestand (Bewertung ohne Beleuchtungsanlage 10.000 €). Zum Stichtag ist die Leistung des Lieferanten nur zu 50% erbracht.

Frage: Müssen nun zusätzlich 500 € in die Bewertung des unfertigen Messestandes einfließen und gleichzeitig eine Rückstellung von 500 € gebildet werden?

 

Meiner Ansicht nach können nur tatsächlich angefallene Aufwendungen in die Bewertung der teilfertigen Leistungen einfließen; bei einem schwebenden Geschäft liegen m. E. noch gar keine bilanzierungsfähigen Aufwendungen vor. Rückstellungen für schwebende Geschäfte werden ebenfalls nicht bilanziert (ausgenommen Drohverluste). Weiter sehe ich auch in § 5 Abs. 4b Satz 1 EStG ein Problem: Danach dürfen keine Rückstellungen für künftige Aufwendungen gebildet werden, wenn diese zu aktivierungspflichtigen Herstellungskosten führen.

Erste Antwort-Hinweise:

Bei dem von Ihnen genannten Beispielsfall des unfertigen Einbaus einer Beleuchtungsanlage liegt im bilanzrechtlichen Sinne ein schwebendes Geschäft vor. Ein solches ist unstreitig nicht bilanzierbar.

Ein schwebendes Geschäft kann erst dann zu einem Bilanzierungsvorgang führen, wenn Vorausleistungen oder Leistungsrückstände eines der beiden Partner des Geschäftes zu verzeichnen sind. Davon ist in Ihrem Beispiel nichts ersichtlich.

Ausführliche Erläuterungen, was die Nichtbilanzierung konkret bedeutet, sowie ein Anwendungsbeispiel einer zum Abschlussstichtag noch nicht ausgelieferten Bestellung gibt Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmann in Heft 3/2010, S. 97 f.

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