Leserfragen-Treff: Leserfragen 2008


Thema: Behandlung von Lieferantenboni – umsatzsteuerlich und bilanziell

Leserfrage: In unserem Großhandelsunternehmen gibt es immer wieder Unsicherheiten bei der Behandlung von Lieferantenboni. Mit verschiedenen Lieferanten bestehen vertraglich vereinbarte Bonusverträge:

  • Berechnungsbasis ist der von uns getätigte bonusfähige Umsatzerlös im Kalenderjahr.
  • Der Eingang der Bonusgutschriften erfolgt im Zeitraum Januar bis Mai des Folgejahres.
  • Wir haben ein abweichendes Geschäftsjahr vom 1.4. bis 31.3.
  • Die voraussichtliche Höhe der Boni ist von uns mit geringfügigen Abweichungen ermittelbar.

 

Auftretende Fragen:

  • Ist für jede eingehende Bonusgutschrift zwischen Januar und Mai die Umsatzsteuer für Dezember des vorangegangenen Kalenderjahres zu berichtigen?
  • Wie erfolgt der Ausweis der zum Bilanzstichtag noch nicht vorliegenden Bonusgutschriften? Handelt es sich hier um nicht realisierten Gewinn?
  • Wenn nicht, was ist für in diesem Fall umsatzsteuerlich zu beachten?

Bei diesen Fragen bestehen u.a. zwischen uns und dem Finanzamt immer wieder unterschiedliche Auffassungen.

Erste Antwort-Hinweise:

  • Auswirkungen auf die Umsatzsteuer und die Vorsteuer

Der Umsatz wird bei Lieferungen und sonstigen Leistungen nach dem Entgelt bemessen (§ 10 Abs. 1 Satz 1 UStG): Zum Entgelt ist nicht der tatsächlich vereinbarte und in der Rechnung ausgewiesene Sollbetrag, sondern letztlich das tatsächlich vereinnahmte Entgelt zu rechnen.

Da eventuelle Änderungen der Bemessungsgrundlage bei steuerpflichtigen Umsätzen erst nach der Ausführung des Umsatzes eintreten, wird die Besteuerung zunächst im Voranmeldungszeitraum/Besteuerungszeitraum, in dem die Leistungen ausgeführt worden sind (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG), nach dem vereinbarten Entgelt vorgenommen.

Bei der Gewährung von Boni steht die Höhe der Entgeltminderung zum Zeitpunkt der Vereinbarung bzw. der Ausführung der Leistung häufig noch nicht fest. In der Rechnung ist jedoch (gemäß § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 7 UStG) jede im Voraus vereinbarte Minderung des Entgelts anzugeben, sofern diese nicht bereits im Entgelt berücksichtigt ist. Dies gilt auch, wenn Vereinbarungen über Boni vorliegen.

Aus der Anfrage ergibt sich: Mit den Lieferanten wurde eine Abrechnung der konkreten Rückvergütungen im Folgejahr vereinbart. In einem solchen Fall ist die Rückvergütung regelmäßig in den Umsatzsteuer-Voranmeldungen und der Umsatzsteuer-Jahressteuererklärung des nachfolgenden Jahres zu erfassen (nämlich dann, wenn der bonusfähige Umsatz feststeht).

 

  • Aktivierung von Bonusgutschriften

Nach dem dargestellten Sachverhalt sind zumindest die (noch nicht verrechneten bzw. ausbezahlten) Lieferanten-Prämien für das vorhergehende Kalenderjahr am 31.3. des Folgejahres als Forderungen zu aktivieren. Auf das Vorliegen einer Gutschrift des Lieferanten kommt es handels- und steuerbilanziell – im Unterschied zum Umsatzsteuerrecht – nicht an.

Ausführliche Erläuterungen (zur Änderung der Bemessungsgrundlage, Besteuerungszeitraum, mit Beispielen zur Änderung aufgrund Boni-Vereinbarungen und zur Boni-Abrechnung, zur bilanziellen Berücksichtigung eines Ausfallrisikos für den bonusträchtigen Umsatz vom 1.1. bis 31.3.) von Dipl.-Finanzw. Hans Jürgen Bathe und WP/StB Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmannin BC 11/2008, S. 297 ff.

 

 

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