Leserfragen-Treff: Leserfragen 2008


Thema: Behandlung von Software hinsichtlich der GWG-Neuregelungen

Leserfrage: Software ist grundsätzlich ein immaterielles Wirtschaftsgut, weil der geistige Gehalt im Vordergrund steht. Je preiswerter jedoch die Software ist, desto mehr gewinnt der Preis für das Trägermedium an Bedeutung.

Für die Praxis ist die Grenze zwischen immateriellen und materiellen Wirtschaftsgütern (sog. Trivialprogramme) auf 410 € (netto) festgelegt worden. Nach R 31a Abs. 1 EStR sind Computerprogramme, deren Anschaffungskosten nicht mehr als 410 Euro (netto) betragen, stets als Trivialprogramme zu behandeln und gehören zu den materiellen beweglichen Wirtschaftsgütern. Daher war die bisherige GWG-Regelung auf diese Programme anwendbar.

Allerdings können bewegliche Wirtschaftsgüter (gemäß R 42 Abs. 2 Satz 1 EStR) nur Sachen (§ 90 BGB), Tiere (§ 90a BGB) und Scheinbestandteile (§ 95 BGB) sein. Sachen wiederum sind (gemäß § 90 BGB) nur körperliche Gegenstände.

Der handelsbilanzielle Ausweis der Trivialsoftware erfolgte je nach Einsatzzweck entweder im Bereich der technischen Anlagen (§ 266 Abs. 2 Ziff. A, II Nr. 2 HGB) oder im Bereich der Betriebs- und Geschäftsausstattung (§ 266 Abs. 2 Ziff. A, II Nr. 3 HGB) entsprechend der Kontengliederung des IKR (079 geringwertige Anlagen und Maschinen und 089 geringwertige Vermögensgegenstände der Betriebs- und Geschäftsausstattung).

Fragen:

  • Wie hat der Ausweis künftig zu erfolgen?
  • Gibt es noch Trivialsoftware?
  • Bleiben die Wertgrenzen des R 31a Abs. 1 EStR bestehen oder werden sie angepasst?

Falls die Grenzen bestehen bleiben, so wäre Software bis 410 € netto als materielles Wirtschaftsgut und Software über 410 € netto als immaterielles Wirtschaftsgut in der Handelsbilanz auszuweisen. Die Software wäre demnach ab dem 1.1.2008 in drei Gruppen einzuteilen:

a) Software, deren Anschaffungs-/Herstellungskosten (AHK) bis zu 150 € netto betragen, darf, da es sich um ein abnutzbares bewegliches Anlagegut handelt (§ 6 Abs. 2 EStG ist anwendbar), ab dem 1.1.2008 sofort als Aufwand gebucht werden.

b) Software, deren AHK über 150 € netto bis 410 € netto betragen, wäre, da sie ein abnutzbares bewegliches Anlagegut darstellt (§ 6 Abs. 2 EStG ist anwendbar), im GWG-Sammelposten zu erfassen bzw. auszuweisen.

c) Software, deren AHK über 410 € netto betragen, müsste im Bereich der immateriellen Wirtschaftsgüter einzeln aktiviert und über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden, da diese Software zwar abnutzbar ist, aber als nicht beweglich und nicht materiell eingestuft werden muss, so dass die Regelung des § 6 Abs. 2 EStG nicht zur Anwendung kommt.

Die Komplexität des Bilanzausweises würde im Falle einer solchen Untergliederung zunehmen, und auch der Aufwand für die Erfassung und Bewertung der Software würde steigen. Mit dem Ziel einer einfachen gesetzlichen Regelung wäre dies nicht zu vereinbaren.

Erster Antwort-Hinweis: Sollte die Wertgrenze zur Einstufung als Trivialsoftware (€ 410) in der Verwaltungsanweisung R 5.5 EStR auch ab dem 1.1.2008 bestehen bleiben, so wäre Software, die nach dem 31.12.2007 angeschafft wird, tatsächlich in die vom Leser genannten drei Gruppen aufzuteilen.

Ausführliche Erläuterungen (u.a. zu weiteren Differenzierungserfordernissen, wenn die Anschaffungskosten über 410,00 € liegen) von Wirtschaftsprüfer/Steuerberater Andreas Vogl in BC 1/2008, S. 17 f.

 

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