Standardentwurf IFRS für kleine und mittlere Unternehmen in deutscher Sprache


Pressemitteilung des DRSC vom 4.6.2007

Die deutsche Version des „Entwurfs eines IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen“ (ED-IFRS for SMEs) ist veröffentlicht worden. Erstmalig hat der IASB einen Standardentwurf nicht nur in englischer Sprache (sondern auch: französisch, spanisch und deutsch) veröffentlicht, um die Auseinandersetzung mit dem Standardentwurf zu erleichtern. Bis zum 1.10.2007 kann zu diesem Standardentwurf Stellung genommen werden. Die Stellungnahmen an den IASB müssen in englischer Sprache verfasst werden.

Die Grundlage für die Schlussfolgerungen und die Umsetzungsleitlinien (Musterabschluss und Angabencheckliste) werden bis Ende Juli 2007 ebenfalls in deutscher Sprache zur Verfügung stehen. Die deutsche Version des Standardentwurfs steht auf der Internetseite des DRSC als pdf-Datei zum Download bereit sowie hier (pdf-Datei).

 

Praxis-Info!

Der im Februar 2007 veröffentlichte Standardentwurf (Exposure Draft – ED) „IFRS for SMEs“ (Small Medium-sized Entities) wurde jüngst in der BC-Juni-Ausgabe 2007 ausführlich behandelt. Während sich die Fachliteratur bislang überwiegend mit den Unterschieden zwischen den „full IFRS“ und den „IFRS for SMEs“ befasst hat, stehen in der genannten BC-Ausgabe die Übereinstimmungen und Unterschiede zum HGB im Mittelpunkt (vgl. Engel-Ciric, BC 6/2007, S. 161 ff.). Ergebnis: Die Anwendung von ED IFRS for SMEs führt nicht notwendigerweise zu einer vollständigen Neuregelung der Bilanzierung im Vergleich zum HGB: Ausgehend von dem Katalog der Ansatz- und Bewertungswahlrechte des HGB und der Spielräume des ED IFRS for SMEs kann durch eine entsprechende Ausübung der Wahlrechte eine weitgehende Konformität zwischen HGB und IFRS erreicht werden.

Die ED IFRS for SMEs enthalten allerdings auch Regelungen, die aufgrund der extremen Vernachlässigung des Vorsichtsprinzips keine Konformität mit den handelsrechtlichen GoB ermöglichen. Dies gilt beispielsweise für die Bilanzierung von

  • Fremdwährungsforderungen, die nach IFRS zwingend zum Stichtagskurs umzurechnen sind,
  • Fertigungsaufträgen, die nach der Percentage-of-Completion-Methode zu bewerten sind,
  • bestimmten Wertpapieren und Derivaten, die zwingend zu Stichtagskursen anzusetzen sind.

Insgesamt werden die Unternehmen trotz vielfacher Übereinstimmungen nicht von der Pflicht entbunden, einen handelsrechtlichen Jahresabschluss aufzustellen.

Die Gestaltungsspielräume von Unternehmen, die von der HGB-Bilanzierung auf die ED-SME-Rechnungslegung umstellen wollen, zeigt Kirsch in BC 6/2007 (S. 167 ff.) anhand konkreter Unternehmenszahlen. Je nach Ausnutzung der gewährten Wahlrechte (z.B. hinsichtlich der Erfassung selbsterstellter immaterieller Vermögenswerte) liegt die Untergrenze des Eigenkapitalausweises nach den ED IFRS for SMEs unterhalb des HGB-Eigenkapitals und die Obergrenze erheblich über dem HGB-Eigenkapital.

Weitere Informationen zum Standardentwurf der „IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen“ finden Sie hier.

[Anm. d. Red.]

BC 7/2007