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Künstliche Intelligenz - ein (digitales) Glasperlenspiel?

 


Marie-Theres Tinnefeld ist Professorin für Datenschutz und Wirtschaftsrecht an der Hochschule München und Mitglied des Wissenschaftsbeirats der ZD.

ZD 2019, 333   Der Hesse-Propagandist Johannes Heiner sprach davon, dass er zehn Jahre gebraucht habe, um zu verstehen, was „Glasperlenspiel“ im vielschichtigen Werk von Hermann Hesse bedeutet. Er interpretiert das Glasperlenspiel als „das Spiel auf der großen Orgel aller Kulturen ...“. Es handle sich um ein globales Kulturspiel, weil in der Haltung des Spiels der Mensch frei sei, er der werde, der er ist. Dieser Begriff des Glasperlenspiels ist im digitalen Zeitalter aktueller denn je. Der Pionier der Computer Science, Joseph Weizenbaum, hat die jahrhundertealte kulturbedingte Existenz des Menschen gedeutet und betont, dass der Mensch kein Annex technischer Entwicklung ist (vgl. Joseph Weizenbaum im Gespräch mit seiner Biografin Gunna Wendt: Wo sind sie, die Inseln der Vernunft im Cyberstrom?, 2006). In Weizenbaums Werk taucht immer wieder die Utopie vom ganzen, vom freien Menschen auf. Nach langer, intensiver Beschäftigung mit algorithmischen Maschinen traf er die deutliche Aussage, dass Menschen weder als Maschinen interpretiert werden können, noch aus ethischen Gründen in dieser Form jemals beurteilt werden dürfen. Zu seinen Kernaussagen gehört, dass die einzelne Person mit ihren vielfältigen Eigenschaften und widersprüchlichen Neigungen als menschliches Wesen zu achten ist. Er stellt gleichsam i.R.e. digitalen Glasperlenspiels die kulturelle, soziale und politische Forderung, eine Künstliche Intelligenz (KI) ethisch und rechtlich so zu gestalten, dass sie der freien Entfaltung des Menschen dient und damit auch zur Humanisierung der Welt beiträgt. Dieser Prozess kann allerdings nur gelingen, wenn er an die Grund- und Menschenrechte gebunden ist. In diesem Zusammenhang spielt insbesondere das Recht auf Privatheit und Datenschutz eine bedeutende Rolle.

 



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