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Frankreich: Ikea in Ausspähprozess zu Millionenstrafe verurteilt

Im Pro­zess um das Aus­spä­hen von Per­so­nal und Kund­schaft ist Ikea in Frank­reich zu einer Geld­stra­fe von einer Mil­li­on Euro ver­ur­teilt wor­den. Ein fran­zö­si­sches Ge­richt be­fand ges­tern den fran­zö­si­schen Ab­le­ger des schwe­di­schen Mö­bel­h­aus­gi­gan­ten der ge­wohn­heits­mä­ßi­gen Samm­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten mit be­trü­ge­ri­schen oder un­recht­mä­ßi­gen Mit­teln für schul­dig. Das Ur­teil blieb hin­ter den For­de­run­gen der Staats­an­walt­schaft zu­rück.

 

Ikea entschuldigt sich und gelobt Besserung

Ikea Frankreich teilte auf Anfrage mit, man habe die Entscheidung zur Kenntnis genommen. Sie erlaube, nun nach vorne zu blicken. Man habe die Geschehnisse, welche die Werte und ethischen Standards des Unternehmens stark verletzt hätten, immer entschieden verurteilt, sich entschuldigt und Reformen eingeleitet, die auch heute das Verhalten leiteten.

Bewährungs- und Geldstrafen für Manager

In dem Prozess wurden auch ein ehemaliger Geschäftsführer von Ikea Frankreich zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe über 50.000 Euro verurteilt. Sein Anwalt kündigte gegenüber Medien an, in Berufung gehen zu wollen. Ein weiterer früherer Verantwortlicher erhielt 18 Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 10.000 Euro.

Systematische Bespitzelung 2012 publik geworden

Das Enthüllungsblatt "Canard enchaîné" hatte 2012 über eine systematische Bespitzelung berichtet. Die Sicherheitsabteilung der französischen Ikea-Tochter hatte demnach 2003 eine private Sicherheitsfirma beauftragt, dem Unternehmen teils vertrauliche Daten über Personal sowie Bewerber zu übermitteln – etwa Angaben zu möglichen Vorstrafen oder Bankauszüge. Ähnliche Auskünfte sollen auch zur Kundschaft verlangt worden sein, die mit Ikea im Rechtsstreit lag. Die Gewerkschaft FO erstattete daraufhin Anzeige gegen unbekannt wegen der illegalen Verwendung von Personaldaten. Der schwedische Konzern distanzierte sich von den vorgeworfen Praktiken. Ikea Frankreich leitete eine interne Untersuchung und Reformen ein.


Redaktion beck-aktuell

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