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Belegbare Nachhaltigkeitsaktivitäten als Voraussetzung bei der Kapitalaufnahme

 

Bei der Deckung des Kapitalbedarfs werden Finanz-Verantwortliche in den Unternehmen immer häufiger mit Nachfragen dazu konfrontiert, wie im Unternehmen mit Nachhaltigkeitsaspekten umgegangen wird. Die aktuell herausgegebene Studie „Nachhaltigkeit & Anlageverhalten 2021“ gibt einen Einblick dahingehend, wie sich die Verantwortlichen aus der Finanzbranche informieren, bevor sie Unternehmen mit Eigen- oder Fremdkapital ausstatten – und was Unternehmen daraus für die Unternehmensführung und -berichterstattung lernen können.


 

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Die unter dem Kürzel „ESG“ zusammengefassten Aspekte Environment, Social und Governance (Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung) rücken in der Finanzwirtschaft immer stärker in den Fokus. Am Kapitalmarkt wird mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlich ausgestalteter „grüner“ Finanzprodukte gehandelt (zu damit verbundenen Bilanzierungsfragen für Investoren und Emittenten siehe kürzlich hier). Damit wachsen auch die Anforderungen, die Unternehmen auf der Suche nach Kapital erfüllen müssen. Worauf Investoren bei der Nachhaltigkeitsanalyse achten und was die genauen Herausforderungen sind, denen sich Unternehmen stellen müssen, ist für die Sicherstellung des Kapitalbedarfs von stark zunehmender Bedeutung.

 

 

Lösung

Insoweit bestehende Fragen beantwortet eine aktuell Ende Juli 2021 veröffentlichte Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Mazars. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass der Finanzmarkt eine wichtige Rolle für die EU bei ihrem Ziel spielt, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Dafür wurden Maßnahmen beschlossen, die den Markt regulieren. Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeit von Unternehmen vorwiegend als Marketinginstrument genutzt wurde (sog. Greenwashing), sind nach den Feststellungen der Studienautoren (vgl. Mazars-Angaben vom 25.7.2021) vorbei. Das führt dazu, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten belegen müssen, um weiterhin an benötigtes Kapital zu gelangen – und dies immer häufiger auch schon jenseits internationaler Kapitalmärkte im Gespräch mit der Hausbank.

Aus Sicht der Bilanzbuchhalter/innen ist insoweit besonders relevant, dass 93% aller befragten Investoren ein Nachhaltigkeitsreporting für wichtig halten; dabei ist für 55% ein geprüfter Nachhaltigkeitsbericht eine häufige Informationsquelle. Die darin enthaltenen Angaben fließen unmittelbar in die Bewertung der Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens ein. 77% der Befragten geben allerdings auch an, für ihre Investitions- und Anlageentscheidungen extern geprüfte Informationen zu nutzen. Das dürfte insbesondere bei anstehenden Ratingüberlegungen eine wichtige Rolle spielen.

 

 

 

Praxishinweise:

  • Die Erwartungen der befragten Kapitalgeber an Unternehmen sind hoch. Systematisches Nachhaltigkeitsmanagement zu betreiben, ist eine komplexe Aufgabe: Das Unternehmen muss konkrete Nachhaltigkeitsziele erreichen, Rahmenbedingungen einhalten sowie Prozesse und Verantwortlichkeiten definieren. Dabei kommt es nach den Studienergebnissen insbesondere auf zwei Faktoren an: 90% halten ein etabliertes Nachhaltigkeitsmanagementsystem für sehr wichtig oder eher wichtig. 91% legen Wert darauf, dass Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette systematisch mit einbeziehen, wenn es um Nachhaltigkeitskriterien geht.
  • Ein Drittel der Kapitalgeber betrachtet insbesondere sog. Stranded Assets als große Gefahr. Solche „gestrandeten“ Vermögenswerte sind beispielsweise technische Anlagen, Rohstoffe oder Immobilien, die nicht mehr den aktuellen Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen und deshalb an Wert verlieren.
  • Als Standard für die Berichterstattung über die Nachhaltigkeitsperformance ist der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) bei der Hälfte der Befragten besonders relevant. Hierzu wurde bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass aus deutscher und mittelständischer Sicht der bereits 2011 verabschiedete Nachhaltigkeitskodex (abrufbar unter www.nachhaltigkeitsrat.de/) nach wie vor besonderer Ausdruck dessen ist, dass Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit sich als Leitlinien für unternehmerisches Engagement in der Gesellschaft zunehmend durchsetzen.
  • Weitere Ergebnisse zur Studie „Nachhaltigkeit & Anlageverhalten 2021“ und die Mazars-Studienbroschüre zum Download finden Sie unter https://www.mazars.de/Home/Einblicke/Nachhaltigkeit-bei-Investitionsentscheidungen.

 

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 9/2021 

 



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