Christina Etteldorf

Start von Facebook News in Deutschland


MMR-Aktuell 2021, 440237   Am 18.5.2021 hat der US-Konzern Facebook seine neue Funktion „Facebook News“ nach Einführung in den USA sowie in Großbritannien nun auch in Deutschland gestartet. Damit wird an das soziale Netzwerk ein neuer Nachrichtenbereich angeschlossen, der Inhalte von Medienunternehmen bereitstellt, die mit Facebook i.R.d. Projekts zusammenarbeiten. Dadurch sollen laut Facebook sowohl Verlage und Redaktionen sowie der Qualitätsjournalismus in Deutschland unterstützt werden als auch Nutzer*innen einen breiteren und vielfältigeren Zugang zu Nachrichten erhalten.

Facebook News stellt dabei einen gesonderten Bereich in der Facebook-Applikation dar, der mit einer Mischung aus kuratierten (wichtigste Schlagzeilen und Geschichten des Tages) und personalisierten Nachrichten (basierend auf Inhalten, die die jeweiligen Nutzer*innen lesen, teilen und abonnieren) gefüllt wird. Innerhalb von Facebook News können generell von allen Nachrichtenanbietern Links zu deren Artikeln angezeigt werden, sofern diese die Zugangskriterien erfüllen, was u.a. die Registrierung im News Page Index sowie die Einhaltung der Facebook-Community-Standards und der allgemeinen Richtlinien zur Integrität voraussetzt. Darüber hinaus will Facebook allerdings in Zukunft auch ausgewählte Partner für die Bereitstellung von zusätzlichen Links zu Artikeln bezahlen. Hierzu hat der US-Konzern bereits entsprechende Vereinbarungen mit über 100 deutschen Medienmarken geschlossen. Zu den Partnern gehören derzeit bereits die Angebote des Großteils der bedeutendsten deutschen Medienmarken wie Die Zeit, Der Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Axel Springer Verlag (u.a. BILD, WELT und Business Insider) und die Südwestdeutsche Medienholding (u.a. Süddeutsche Zeitung und Stuttgarter Nachrichten). Daneben gibt es auch Partner für regionale und lokale Nachrichten sowie Angebote aus bestimmten Themenbereichen wie Sport (u.a. Kicker, 11 Freunde und Sport 1) oder Lifestyle (u.a. Glamour, Vogue).

 

Neben der finanziellen Vergütung für Artikel, die für Facebook News erstellt werden, versprechen sich die beteiligten Medienunternehmen dabei vor allem, mit ihren zuverlässigen journalistischen Inhalten auch eine neue Leserschaft zu erreichen, die sie dann auch für ihre Inhalte außerhalb von Facebook News gewinnen wollen. Facebook untermauert die Möglichkeiten, durch Facebook News Inhalte zu monetarisieren (aus Traffic Werbeeinnahmen und Abonnements zu generieren) und Geschäftsmodelle der Medienunternehmen langfristig und nachhaltig auszubauen, mit Zahlen aus den USA. Dort hätten Analysen ergeben, dass mehr als 95% des Traffics, den Verlage über Facebook News generieren, den bereits im News Feed generierten Traffic ergänzen. Im Jahr 2020 seien allein über den News Feed weltweit rund 180 Mrd. Klicks an Partner-Nachrichtenverlage generiert worden, was einem geschätzten Wert des Traffics von etwa 9 Mrd. USD entspreche.

 

Auf der anderen Seite könnte Facebook News mit der Unterstützung des Qualitätsjournalismus auch ein Schritt sein, um potenziellen Bedrohungen einer vielfältigen Meinungslandschaft in Form von Desinformation oder algorithmengesteuerten Filterblasen entgegenzuwirken. Im audiovisuellen Bereich spiegelt sich dieser Grundgedanke seit 2018 im neuen Art. 7a AVMD-RL wider, wonach Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen können, um eine angemessene Herausstellung audiovisueller Mediendienste von allgemeinem Interesse sicherzustellen. Zudem entspricht die Vergütung durch Facebook auch dem Grundgedanken, der mit der letzten Reform des Urheberrechts auf EU-Ebene und der Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage verfolgt wurde. Inwiefern das der Fall sein wird, hängt allerdings maßgeblich von der konkreten Ausgestaltung ab.

 

In diesem Kontext kündigt Facebook insbesondere Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten für Nutzer*innen bei der Auswahl angezeigter Beiträge sowie spezielle Themenbereiche an, die je nach Themenlage zu aktuellen Themen erstellt werden. Hinsichtlich der Frage, wie innerhalb des Kosmos von Facebook News die Auswahl erfolgt, welche Inhalte welcher Partner angezeigt werden, gibt Facebook an, bei der Kuratierung mit Upday zusammenzuarbeiten. Upday – eine Newsaggregator-Plattform für Smartphones, die von Axel Springer SE in Kooperation mit Samsung entwickelt wurde – wähle Inhalte nach journalistischen Kriterien aus und werde vom Kuratorenteam von Facebook beaufsichtigt. Damit stellen sich Fragen einer vertikalen Medienkonzentration in neuer Weise.

Ass. iur. Christina Etteldorf ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäisches Medienrecht e.V. (EMR), Saarbrücken/Brüssel.