Wolfgang Bär

Kochheim, Cybercrime und Strafrecht in der Informations- und Kommunikati-onstechnik


Dieter Kochheim, Cybercrime und Strafrecht in der Informations- und Kommunikationstechnik, 2. Aufl., München (C.H. BECK) 2018, ISBN 978-3-406-72868-6, € 129,–

MMR-Aktuell 2019, 422458   Nach der Erstauflage von 2015 ist das Buch von Dieter Kochheim, einem ausgewiesenen Kenner der Materie Cybercrime und seit vielen Jahren Betreiber der Webseite www.cyberfahnder.de, nun in einer erheblich um 250 Seiten erweiterten und aktualisierten Neuauflage erschienen. Diese war auch erforderlich, da es sich bei Cybercrime um ein sehr dynamisches strafrechtliches Phänomen handelt, bei dem die Zahl der Straftaten in den letzten Jahren stetig angestiegen ist. Insbesondere ist unsere Informationsgesellschaft auf Grund der immer weiter zunehmenden Vernetzung für Angriffe auf IT-Systeme, vor allem auch im Bereich Kritischer Infrastrukturen, immer anfälliger geworden. Vor diesem Hintergrund bietet das nun in Neuauflage vorliegende Werk durch die Darstellung von technischen Abläufen, komplexen Abbildungen sowie mit seinem umfassenden Glossar am Ende, einen umfassenden Überblick zu allen Fragen der materiellen Cyberkriminalität, die am Ende auch durch einzelne strafprozessuale Problemstellungen abgerundet werden.

Das Werk gliedert sich in vier, vom Umfang her sehr unterschiedliche Teile. Zunächst gibt der Verfasser im Teil 1 unter der Überschrift „Duale Welt“ einen Überblick über die Themen, geht dann neben Begriffsklärungen von Cybercrime auf einen interessanten historischen Abriss zur Entwicklung ein und schließt die Darstellungen mit den Formen und Methoden von Cybercrime in der digitalen Welt ab.

Daran schließt sich im zweiten und mit über 400 Seiten umfangreichsten Teil des Buchs der zentrale Abschnitt zum materiellen IuK-Strafrecht an. Dazu werden in insgesamt 14 Kapiteln die einzelnen Angriffsziele und aktuellen Begehungsweisen jeweils konkret in den Blick genommen, um anhand der jeweiligen Ausführungen zunächst die technischen und anschließend die strafrechtlich relevanten Fragen dieser Erscheinungsformen näher zu beleuchten. Die Bandbreite der einzeln dargestellten speziellen Phänomene reicht dabei vom klassischen Hacking, Malware, Botnetze und missbräuchliche Datenverwertung über die Angriffe auf den Zahlungs- und Warenverkehr mit Phishing, Skimming und Fälschungen beweiserheblicher Daten bis hin zur Underground Economy mit Anonymisierungsdiensten sowie dem TOR-Netz und pornografischen Straftaten im Netz. Beispielhaft soll hier auf Kapitel 5 zum Hacking eingegangen werden. Hier werden zunächst technische Fragestellungen zum Eindringen in ein fremdes informationstechnisches System erläutert und anhand von tabellarischen Übersichten in einen Zusammenhang mit den relevanten Straftatbeständen gestellt. Daran anschließend werden die jeweiligen Strafnormen im Detail erörtert, wobei durch verschiedene Grafiken auch die Angriffsszenarien und Tatphasen technisch gut nachvollziehbar dargestellt werden.

An diesen eigentlichen Hauptteil schließen sich im Teil 3 auf 130 Seiten noch Ausführungen zu strafprozessualen Besonderheiten bei Ermittlungen an. Die Darstellungen hier reichen in 4 Kapiteln von grundsätzlichen Ausführungen – etwa zu Verdachts- und Verwertungsfragen – und einem Überblick zu einzelnen Strafverfolgungsmaßnahmen über das Internet als Informationsquelle bis hin zu personellen und technischen Ermittlungen, ohne diese Fragen hier aber in allen Details – wie im materiellen Strafrecht – vertiefen zu können. Während sich die bisherigen Teile des Buchs der Bestandsaufnahme des status quo gewidmet haben, wird im letzten Teil 4 auf die Zukunft des Cybercrime und seiner Strafverfolgung eingegangen. Dabei werden besonders Lücken und Erschwernisse aufgezeigt, bei denen eine Verbesserung der gesetzlichen Grundlagen angemahnt wird, um Straftaten im Bereich Cybercrime umfassend ahnden und aufklären zu können. Am Ende der eigentlichen Ausführungen findet sich ab Seite 807 ein umfassendes 100-seitiges Glossar der verwendeten Fachbegriffe sowie eine Rechtsprechungsübersicht zu den im Buch angesprochenen Entscheidungen an.

Zusammenfassend lässt sich daher festhalten, dass in dem nun in aktualisierter und erweiterter Neuauflage vorliegenden Werk von Kochheim ein umfassender Überblick zu allen Fragen der Cyberkriminalität gegeben wird, mit dem das Buch für diesen Bereich zum Standardwerk geworden ist. Gerade vor dem Hintergrund der ständig weiter zunehmenden Bedrohungen durch Cyberkriminalität, ist dieses Buch nicht nur den im  Strafrecht tätigen Richtern, Staatsanwälten und Polizeibeamten besonders zu empfehlen, sondern auf Grund der nach Schlagworten gegliederten Rechtsprechungsübersicht und des umfangreichen Glossars auch all denjenigen, die sich als Laien neu – generell oder in Einzelfragen – mit dieser Spezialthematik aus strafrechtlicher Sicht befassen wollen. Das Werk ist durch seine – auch für den Nichtjuristen – verständliche Darstellungsweise der komplexen Materie eine spannende Lektüre.

 

Dr. Wolfgang Bär ist Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe.