Ronny Hauck

Fromm/Nordemann (Hrsg.), Urheberrecht


Fromm/Nordemann (Hrsg.), Urheberrecht. Kommentar zum Urheberrechtsgesetz, Verlagsgesetz und Urheberrechtswahrnehmungsgesetz, neu: zur EU-Portabilitätsverordnung, 12. erw. und überarb. Aufl., Stuttgart (Kohlhammer) 2018, ISBN 978-3-17-034406-8 , € 250,–

MMR-Aktuell 2019, 415321   Nimmt man die neue Auflage des Fromm/Nordemann zur Hand, fällt sogleich der enorme Umfang des Werks auf, der an der 3.000-Seiten-Marke kratzt. Um fast 200 Seiten ist der Kommentar mit der Neuauflage gewachsen, was bei urheberrechtlicher Literatur freilich keine Seltenheit ist. Aktualisierungsbedarf gab es, denn vier Jahre waren seit der Vorauflage vergangen – in einem hochdynamischen Rechtsgebiet wie dem Urheberrecht eine kleine Ewigkeit. Mit dieser 12. Auflage gab es auch einen signifikanten Wechsel bei den Herausgebern. Denn mit dem Ausscheiden von Wilhelm Nordemann ist Christian Czychowski, der bis dato schon als Autor für eine Reihe von Vorschriften verantwortlich zeichnete, neben Jan Bernd Nordemann und Axel Nordemann in den Kreis der Herausgeber aufgenommen worden. 

Das Werk selbst versteht sich zuallererst als Praktikerkommentar, „von Praktikern für die Praxis geschrieben“, wie es im Vorwort heißt. Und in der Tat beschränken sich die Autoren nicht nur auf die selbstredend durchweg wissenschaftlich fundierte Kommentierung der einzelne Vorschriften, sondern es wird dort, wo es relevant ist, immer auch auf praxisrelevante Fragen eingegangen, etwa zur Beweislastverteilung. Auch konkrete Hinweise zur Vertragsgestaltung finden sich im Werk, so etwa bei der Problematik der Bestimmung der „angemessenen Vergütung“ gem. § 32 UrhG, aufgeteilt nach Branchen und Berufsgruppen. Insgesamt kann die tiefgehende Kommentierung des Urhebervertragsrechts durch die Herausgeber und Nordemann-Schiffel quasi als eigenständiges Praxishandbuch zu dieser Thematik angesehen werden.

Nicht fehlen darf die Kommentierung der §§ 60a bis 60h UrhG, also zu den Vorschriften, die zum 1.3.2018 im Zuge der Umsetzung des UrhWissG neu ins Gesetz gekommen sind. Auch dies ist ein Zeichen für die Aktualität des Werks. Gut gelingt hier etwa die Darstellung der Schrankenregelung für Bibliotheken, wobei in diesem Abschnitt insgesamt auffällt, dass sich A. Nordemann bei dieser Thematik, die Gegenstand einer zum Teil äußerst emotional geführten Debatte war, wohltuend sachlich mit den Motiven des Gesetzgebers auseinandersetzt.

Mit dem nicht minder emotional aufgeladenen Thema der Verlegerbeteiligung befasst sich Schaefer in seiner Kommentierung zu § 63a UrhG. Er stellt die aktuelle Diskussion zu dieser Thematik anschaulich dar. Im Mittelpunkt stehen die „Reprobel“-Entscheidung des EuGH, die nachfolgende „Verlegeranteil“-Entscheidung des BGH und die seit Ende 2016 geltenden §§ 27 Abs. 2, 27a VGG. Überzeugend ist dabei seine Ansicht, dass im Bereich der Herstellerrechte die Übertragung des Gesamtrechts dem § 63a UrhG vorgeht, denn die Vergütungsansprüche stehen dem Erwerber dann bereits kraft Inhaberschaft zu.

Ausführlich und detailreich sind die Kommentierungen zum Softwareurheberrecht sowie zum Schutz der Datenbankhersteller jeweils durch Czychowski, während etwa beim Veröffentlichungsrecht (§ 12 UrhG) die aktuelle Thematik der „Afghanistan-Papiere“ durchaus hätte kritischer betrachtet werden können. Denn es erscheint gerade nicht selbstverständlich, dass es „öffentlichen Einrichtungen“ durch diese Vorschrift ermöglicht wird, gegen unliebsame Presseberichterstattung vorzugehen.

Auch über das Urheberrecht hinaus werden Themen bearbeitet, die im Zusammenhang damit von Interesse sind. Erwähnt seien hier beispielhaft die Ausführungen im Anschluss an § 24 UrhG, wo sich Waiblinger dem heiklen Thema des Wissenschaftsplagiats widmet. In aller Kürze aber durchaus tiefgehend befasst sich der Autor mit dem Verhältnis des Urheberrechts zu den Empfehlungen von DFG und Hochschulrektorenkonferenz für eine gute wissenschaftliche Praxis. Zu erwähnen ist ferner die nochmals erweiterte Darstellung der Regelungen des Verlagsgesetzes durch Nordemann-Schiffel, was damit schon fast ein eigenständiger Kommentar im Kommentar geworden ist.

Vielleicht wäre zu überlegen, ob, angesichts des Umfangs des Werks, zukünftig einige Ausführungen nicht ausschließlich der elektronischen Fassung vorbehalten werden sollten, etwa die Anmerkungen zur General Public License sowie zum Einigungsvertrag. Den Zugang zum Kommentar als E-Book erhält jeder Erwerber eines „analogen“ Exemplars mittels eines Freischaltcodes.

Als Fazit bleibt, dass der hochaktuelle, durchweg gut lesbar geschriebene Fromm/Nordemann seinen Platz unter den großen Kommentaren zum Urheberrecht eindrucksvoll verteidigt hat. Er kann auch weiterhin als der führende Praktikerkommentar angesehen werden. Ein nicht nur dem Umfang nach gewichtiges Werk!

 

Prof. Dr. Ronny Hauck vertritt den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Humboldt-Universität Berlin.