Thomas Hoeren

Unverzagt/Gips (Hrsg.), Handbuch PR-Recht


Alexander Unverzagt/Claudia Gips (Hrsg.), Handbuch PR-Recht, Wiesbaden (Springer Fachmedien) 2018, 2. Aufl., ISBN 978-3-658-17899-4, € 69,99

MMR-Aktuell 2018, 408210   Public Relations spielen im Alltagsgeschäft von Unternehmen und Anwaltskanzleien eine immer größere Rolle. Ohne angemessene Öffentlichkeitsarbeit wird man heute im Wirtschaftsleben nichts mehr. Deshalb ist ein ganzer Geschäftszweig entstanden, mit PR-Managern, PR-Juristen und PR-Wissenschaftlern. Gleichzeitig stiegen die juristischen Probleme, zumal kaum jemand weiß, wie man mit diesen komplexen „Dorfrechtsfragen“ umgehen soll. Unverzagt und Gips haben als Herausgeber hierzu schon vor Jahren vorgelegt, mit ihrem Handbuch PR-Recht aus dem Jahre 2010. Schon acht Jahre danach hat sich so viel verändert, dass seine Neuauflage dringend notwendig wurde. Und die Neuauflage ist auch gelungen.

Zunächst beschreiben die Autoren die rechtlichen Grundlagen vor allem bei den PR-bezogenen Gesetzen (neun) sowie bei den anwendbaren Richtlinien und Empfehlungen (S. 20). Dann ordnen sie Öffentlichkeitsarbeit rechtlich ein, vor allem was die Einordnung als Gewerbe oder Freie angeht (S. 40) und was den Bereich Öffentlichkeitsarbeit der öffentlichen Hand betrifft (S. 51). Breiten Raum nimmt dann ein Kapitel zu urheberrechtlichen Rechten und Pflichten der Kreativen und ihrer Verwerter (S. 71) ein. Sehr schön hat mir das Kapitel zu der Situation vor, während und nach der Berichterstattung (S. 109) gefallen, insb. was den Zugang von Medienvertretern Pressekonferenzen und zur Reichweite des Hausrechts angeht. Es schließen sich dann noch Ausführungen zur Trennungsgebot (S. 167) und zum Bereich Online-Kommunikation (S. 205) an. Weiter werden die Fragen der Anbieterkennzeichnung (S. 257) sowie die Haftung (Letzteres auf S. 259) angesprochen. Im Anschluss wird der Bereich der Honorierung besprochen (S. 315), hier insb. mit sehr eigenständigen Überlegungen zu den Honorarzusagen im PR-Bereich. Besonders schön finde ich dann den Blick auf besondere Fragestellungen (S. 365), z.B. zu Fragen des Sponsoring, zu Referenzlisten, zur Veröffentlichung von Geschäftsberichten und zu den Besonderheiten bei Pressemitteilung (Letzteres ab S. 429). Das Buch schließt ab mit ausführlichen Hinweisen zu den Vertragskonstellationen (S. 436), zur außergerichtlichen Streitbeilegung (S. 507) und zur Künstlersozialversicherung (S. 583).

Die Fülle der behandelten Themen ist auf jeden Fall beeindruckend. Man lernt aus dem Buch enorm und deshalb sei es zur Lektüre auch dringend empfohlen. Bestimmte Einzelthemen sind etwas stiefmütterlich behandelt. Dies gilt z.B. für die Frage der VG Wort und der Beteiligung von Verlegern an deren Erlösen (S. 106). Auch vermisst man Hinweise zur DS-GVO, etwa was die Einordnung von Fotos angeht (S. 144). Der Bereich Datenschutz und Medien wird insgesamt zu flach behandelt (S. 281). Wenig erfährt man auch über das neue Thema der Werbung von Influencern (S. 170). Hier wäre entsprechend bei einer Neuauflage nachzuarbeiten.

Ansonsten bin ich aber von dem Buch sehr begeistert und möchte es dringend für jeden an der PR-Arbeit Interessierten zur Anschaffung und Lektüre empfehlen.

 

Professor Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.