Wolfgang Bär

Wernert, Internetkriminalität


Manfred Wernert, Internetkriminalität – Grundlagenwissen, erste Maßnahmen und polizeiliche Ermittlungen, Stuttgart (Boorberg-Verlag), 3. Aufl. 2017, ISBN 978-3-415-06009-8, € 22,80

MMR-Aktuell 2018, 404599   Die Kriminalität im Internet boomt, auch wenn dies durch die polizeilichen Kriminalstatistiken nur unzureichend abgebildet wird. Dies liegt zum einen daran, dass von einem nicht erfassten Dunkelfeld von 85% auszugehen ist und zum anderen die Statistik keine vom Ausland aus begangenen Taten erfasst. Nach Studien des Center for Strategic and International Studies (CSIS), die in Zusammenarbeit mit dem IT-Security-Anbieter McAfee erstellt wurde, ist weltweit inzwischen von einem jährlichen Schaden von mehr als 400 Mrd. Dollar auszugehen. Vor diesem Hintergrund ist es von besonderer Bedeutung, dass auf Seiten der Ermittlungsbehörden das entsprechende Fachwissen vorhanden ist, um Delikte im Bereich der Cyber-Kriminalität angemessen verfolgen und aufklären zu können. Dazu will das nun bereits in 3. Auflage vorliegende Buch von Wernert beitragen, der als Polizeibeamter an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg im Institutsbereich Ausbildung tätig ist. Das Werk richtet sich daher vor allem an die polizeiliche Aus- und Fortbildungspraxis und liefert Kerninformationen zu den aktuellen Erscheinungsformen der Internetkriminalität sowie zu den rechtlichen Grundlagen und kriminalistischen Möglichkeiten der Verfolgung.

 

Dazu werden in den ersten beiden Kapiteln „Missbrauchspotential Internet“ und „Kriminalitätsbegriff“ neben den Erscheinungsformen vor allem der Begriff Cybercrime im engeren und weiteren Sinn und kriminologische Fragen – etwa auch zur Täterstruktur – dargestellt. Daran schließen sich Ausführungen zu den polizeilichen Strukturen und Strategien an, wobei auch in einem kurzen Part „Recht“ die in Betracht kommenden Ermittlungsbefugnisse (S. 48-62) nebst Fragen der Prävention und der grenzüberschreitenden Bekämpfung kurz angesprochen werden. Es schließen sich im Kapitel 3 und 4 knappe Ausführungen zur IT-Technik und zum Internet in technischer Hinsicht an. In den folgenden Kapiteln werden einzelne konkrete Kriminalitätsphänomene erläutert in Bezug auf die Modi Operandi sowie die in Betracht kommenden Ermittlungsansätze zur Aufklärung begangener Straftaten. Dazu zählen neben WLAN-Straftaten, Betrug bei Internetauktionen, digitale Erpressung und Diebstahl digitaler Identitäten auch Botnetze, kinderpornographische Schriften und Urheberrechtsverletzungen. Besonderen Raum nehmen in diesem Zusammenhang vor allem aber die konkreten Ermittlungsmöglichkeiten zur E-Mail, IP-Adresse und Domain (S. 95 - 106) sowie die für die Praxis vor Ort wesentlichen Formen der Sicherstellung von elektronischen Beweismitteln (S. 107-130) ein. Ergänzt werden die Darstellungen durch einen Anhang mit u.a. den relevanten gesetzlichen Bestimmungen im StGB, TKG, TMG und der StPO sowie einem Glossar (S. 175-182) mit den relevanten technischen Begriffen und Links zu Online-Informationen für Fachinformationen.

 

Insgesamt gesehen bietet das Buch zur Internetkriminalität von Wernert damit auch in seiner 3. Auflage vor allem für den polizeilichen Ermittlungsbeamten vor Ort, der etwa auf Grund der Anzeigenaufnahme oder der Durchführung des Ersten Angriffs mit dieser Materie konfrontiert ist, einen ersten Einstieg in die relevanten technischen, kriminalistischen und rechtlichen Grundlagen in diesem Bereich. Es ist daher als Beitrag zur Vermittlung von Grundlagenwissen i.R.d. polizeilichen Aus- und Fortbildung durch seine anschauliche und durch Bilder und Graphiken ergänzte Darstellung gut geeignet, den mit diesem Kriminalitätsphänomen befassten Polizeibeamten entsprechende Informationen für die Praxis an die Hand zu geben. Die Ausführungen ermöglichen aber auch einem erstmals mit diesen Fragen befassten Staatsanwalt und Richter einen guten Einstieg in die technischen und rechtlichen Fragen der EDV-Beweissicherung. Die im August 2017 in Kraft getretenen neuen Befugnisse zur Quellen-TKÜ und zur Online-Durchsuchung werden aber alsbald eine weitere Aktualisierung erforderlich machen.

Dr. Wolfgang Bär ist Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe.