Forum Privatheit: Aufwachsen in überwachten Umgebungen – Wie lässt sich Datenschutz in Schule und Kinderzimmer umsetzen?


Neue Formen des Lernens, neue Formen der Überwachung: Der Forschungsverbund Forum Privatheit wird auf seiner Jahreskonferenz am 21./22.11.2019 in der Kalkscheune, Johannisstraße 2 in Berlin über die Herausforderungen für Kinder, Jugendliche, Eltern und Schulen im Umgang mit digitalen Technologien diskutieren und lädt alle Interessierten sehr herzlich dazu ein.

Einerseits bieten digitale Technologien neue Formen des Lernens, anderseits aber auch neue Möglichkeiten der Überwachung durch kommerzielle Dienstleister, Lehrkräfte, Eltern – und sogar der Schülerinnen und Schüler untereinander. Was dies für die Kinder und Jugendlichen bedeutet und welchen Beitrag Eltern und Schulen leisten können, um dem Bedürfnis nach Privatheit von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, wird auf der interdisziplinären Jahreskonferenz diskutiert.

 

Kinder brauchen Freiheiten

„Kinder brauchen Freiheiten, um zu selbstbewussten Erwachsenen zu werden – sie brauchen aber ebenso unsere Fürsorge. Hier auch dann ein richtiges Maß zu finden, wenn neue Technologien eine Überwachung der Kinder so einfach machen, ist eine zentrale Herausforderung für Eltern und Schulen“, so Regina Ammicht Quinn, Sprecherin des Tübinger Zentrums für Ethik in den Wissenschaften. Denn digitale Technologien sind aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken: Von der Videoüberwachung im Säuglingsalter über den Lernroboter im Kindergarten bis hin zum Lernassistenten für den individuellen Bildungserfolg in der Jugend. Dabei beschränken sich Anwendungen, die von Heranwachsenden selbst genutzt werden, nicht nur auf den formalen Bildungskontext von Schulen und Lehreinrichtungen, sondern halten beim spielerischen Lernen Einzug in die Kinderzimmer. „Vor diesem Hintergrund müssen wir zukünftig besser verstehen, inwiefern Kindern und Jugendlichen die Risiken der Nutzung digitaler Lernhilfen bewusst sind und wie sie nachhaltig darauf hingewiesen werden können“ sagt Nicole Krämer, Professorin für Medienpsychologie an der Universität Duisburg-Essen.

 

Der Schutz der Privatsphäre ist für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig

Die Analyse von Lernverhalten kann sehr persönliche Informationen über Fähigkeiten, Intelligenz oder inhaltliche Interessen offenlegen. Obwohl die Relevanz von Privatheits-, Überwachungs- und Datenschutzfragen in diesem sensiblen Bereich offensichtlich sind, werden diese Themen sowohl in der öffentlichen Diskussion als auch in der Wissenschaft bislang nur wenig reflektiert. Erste Ansätze sind jedoch erkennbar: So wird aktuell unter dem Schlagwort „Sharenting“ die Verantwortung der Eltern gegenüber den Privatheitsansprüchen ihrer Kinder diskutiert. Auch die Digitalisierungsoffensive an den Schulen ist ein wichtiges und häufig debattiertes Thema innerhalb der Schüler- und Lehrerschaft, wobei in dieser Diskussion der Privatsphärenschutz noch kaum berücksichtigt wird. Zugleich ist 2019 der 30-jährige Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention. „In ihr ist das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Privatheit und Datenschutz verbrieft“, erläutert die Kinderethikerin Ingrid Stapf. „Mediale Anbieter sollten daher bei der Entwicklung, im Design und bei der Umsetzung von Angeboten verpflichtet werden, grundlegende Standards einzuhalten.“

 

Dialog zwischen Wissenschaft, Lehrenden und Lernenden: Wie ist die Realität – und was wird gewünscht?

Die Konferenz nimmt die Debatte um verbriefte Privatheitsrechte auf der einen Seite und Überwachungs­praktiken im Alltag der Kinder auf der anderen Seite auf und eröffnet den Dialog zwischen Wissenschaft und Betroffenen aus dem (Schul-)Alltag. Dazu binden die Organisatoren Schülerinnen und Schüler wie auch Lehrkräfte ein, bieten einen eigenen Workshop für Fragen des Datenschutzes in der Schule an, zeigen die kinderrechtliche Bedeutung des Datenschutzes auf und diskutieren zahlreiche Good-Practice-Vorbilder. „Die Schule ist ein Lernort für Demokratie und freie Meinungsbildung. Schülerinnen und Schüler sollen sich hier entfalten und erproben können, ohne dass sie sich überwacht und eingeschüchtert fühlen“, verdeutlicht die Medienethikerin Jessica Heesen und führt fort: „Als öffentliche Einrichtung muss die Schule Vorbildfunktion für den Datenschutz haben.“

 

Programm und Anmeldung:

Die Konferenz findet statt am 21./22.11.2019 in der Kalkscheune, Johannisstraße 2 in 10117 Berlin. Das ausführliche Programm finden Sie hier. Die Teilnahme ist kostenlos. Auf dieser Seite können Sie sich für die Konferenz anmelden.

Im Forum Privatheit setzen sich Experten aus sieben wissenschaftlichen Institutionen interdisziplinär, kritisch und unabhängig mit Fragestellungen zum Schutz der Privatheit auseinander. Das Projekt wird vom Fraunhofer ISI koordiniert. Weitere Partner sind das Fraunhofer SIT, die Universität Duisburg-Essen, das Wissenschaftliche Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) der Universität Kassel, die Universität Tübingen, die Ludwig-Maximilians-Universität München  sowie das Unabhängige Landes­zentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. Das BMBF fördert das Forum Privatheit, um den öffentlichen Diskurs zu den Themen Privatheit und Datenschutz anzuregen.