LG München I: Irreführung auf viagogo-Ticketplattform


Das LG München I hat (U. v. 4.6.2019 – 33 O 6588/17) einer Unterlassungsklage der Verbraucherzentrale Bayern e.V. gegen den Ticketplattformbetreiber viagogo ganz überwiegend stattgegeben. Die blickfangmäßige Garantie gültiger Tickets auf der viagogo-Website sei ohne Angabe der genauen Garantiebedingungen in unmittelbarer Nähe irreführend. Ferner müsse viagogo-Käufern künftig die Identität und Anschrift des Verkäufers mitteilen.

Der Klage der Verbraucherzentrale waren Beschwerden vorausgegangen, da mit den Tickets der Bekl. kein Zugang zu Veranstaltungen gewährt wurde, weil die Tickets ungültig waren. Dies widersprach der blickfangmäßig während des Bestellvorgangs auf „www.viagogo.de" eingeblendeten Garantie. Laut LG muss viagogo es unterlassen die Tickets mit einer blickfangmäßig hervorgehobenen Garantie zu bewerben, sofern nicht in unmittelbarer Nähe der Garantie die genauen Garantiebedingungen angegeben werden. Weiter darf viagogo Tickets nicht mehr damit bewerben, dass die Lieferung „gültiger Tickets" garantiert wird, wenn das Ticket in Wirklichkeit kein Recht zum Besuch der Veranstaltung verschafft.

 

Außerdem muss viagogo künftig über die Identität und die Anschrift des Verkäufers informieren. Bei unternehmerisch handelnden Verkäufern seien die Daten rechtzeitig vor Abgabe der Vertragserklärung des Käufers und bei privaten Verkäufern – wegen des eingeschränkten Anspruchs auf Anonymität nach § 13 Abs. 6 TMG – unmittelbar nach Abgabe der Vertragserklärung des Käufers mitzuteilen. Denn es handle sich dabei um Angaben, die für eine informierte Entscheidung des Verbrauchers wesentlich seien. Schließlich müsse viagogo auf der Internetseite eine E-Mail-Anschrift angeben. Das Vorhalten eines Kontaktformulars, das zunächst eine Registrierung des Nutzers erfordere, genüge den gesetzlich vorgeschriebenen Impressumsanforderungen nicht.