ArbG Frankfurt am Main

Lufthansa-Flugschüler scheitern vor Arbeitsgericht


Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt hat die Kla­gen von 20 Flug­schü­lern der Luft­han­sa ab­ge­wie­sen, die ihre in der Co­ro­na-Pan­de­mie ab­ge­bro­che­ne Aus­bil­dung un­ver­än­dert fort­set­zen woll­ten. Das Ge­richt folg­te der Ar­gu­men­ta­ti­on der Luft­han­sa Avia­ti­on Trai­ning (LAT), dass man die 2020 ab­ge­bro­che­ne Aus­bil­dung nicht mehr wie ver­langt selbst er­fül­len könne. Ent­spre­chen­de Ein­rich­tun­gen wie die Flug­schu­le in Phoe­nix/Ari­zo­na sind be­reits ver­kauft oder wer­den wie die tra­di­ti­ons­rei­che Ver­kehrs­flie­ger­schu­le in Bre­men auf­ge­löst.

 

Ausbildung an LAT-Standorten Bremen und Phoenix/Arizona nicht mehr möglich

Die Fortsetzung der Ausbildung an den genannten Orten sei der LAT nicht mehr möglich, folgerte das Gericht, das zuvor auch noch zwei Einstweilige Verfügungen gegen die Lufthansa in dieser Sache abschmetterte. Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig, grundsätzlich ist Berufung beim Landesarbeitsgericht möglich. Lufthansa begrüßte das Urteil. Man wolle weiterhin Lösungen für die betroffenen Schüler zur Weiterführung ihrer Ausbildung finden, sagte ein Sprecher. Ihnen seien bereits Ersatzkurse an einer privaten Flugschule angeboten worden. Die Kläger hatten die Erfüllung ihrer ursprünglichen Verträge durch die LAT verlangt, wie die Frankfurter Anwältin Martina Stickler-Posner ausführte. Auch im Fall einer Nichtübernahme durch die Lufthansa erhoffen sie sich mehr Ansehen und Marktwert, wenn ihre Ausbildung an den LAT-Standorten Bremen und Phoenix/Arizona stattfände.

Pandemiebedingt deutlich geringerer Pilotenbedarf

LAT-Chef Matthias Spohr verteidigte die neue Ausbildungsstrategie des Konzerns, der wegen der Pandemie einen deutlich geringeren Pilotenbedarf habe als zuvor angenommen. Zum Ausbruch der Corona-Krise habe man rund 980 Schüler im System gehabt, von denen man sich mit fast 800 gütlich geeinigt habe, sagte der Bruder des Konzernchefs Carsten Spohr vor Gericht. Es gehe noch um 193 Flugschüler, denen man einen gleichwertigen MPL-Ausbildungsgang (Multicrew Pilot Licence) an der privaten Flugschule TFC Käufer in Essen angeboten habe. 17 weitere Schüler aus den MPL-Kursen hätten dieses Angebot bereits angenommen. Der Gruppe entstehe auch beim Zugang zu den Cockpits der Hauptgesellschaft Lufthansa kein Nachteil, sagte Spohr. Sie würden wie bislang die Bremer Schüler bevorzugt eingestellt, sofern ein Bedarf entstehe.

Trotzdem hunderte Ausbildungswillige auf der Warteliste

Auf der Warteliste stehen nach LAT-Angaben bereits mehrere Hundert Pilotinnen und Piloten. Auch während der Corona-Krise seien noch einige fertig geworden, ohne dass sie eingestellt worden wären. Künftig will der Lufthansa-Konzern den Nachwuchs nur noch auf die allgemeinere ATPL-Lizenz schulen und über eine Übernahme in die Kerngesellschaft Lufthansa erst nach dem Abschluss entscheiden. Mit der Rekrutierung für diesen neuen Ausbildungsgang werde voraussichtlich Anfang 2022 begonnen, um dann im Laufe des Jahres zu beginnen, kündigte die LAT an.


Redaktion beck-aktuell