ArbG Köln

Kündigung eines Arbeitsverhältnisses wegen Quarantäne sittenwidrig


Das Ar­beits­ge­richt Köln hat die Kün­di­gung eines Ar­beits­ver­hält­nis­ses für un­wirk­sam er­klärt, die ein Ar­beit­ge­ber auf­grund einer be­hörd­lich an­ge­ord­ne­ten Qua­ran­tä­ne ge­gen­über sei­nem Ar­beit­neh­mer aus­ge­spro­chen hatte. Eine sol­che Kün­di­gung sei sit­ten­wid­rig, weil sich der Ar­beit­neh­mer an die be­hörd­li­che Qua­ran­tä­ne­an­ord­nung hal­ten müsse.

 

Dachdecker blieb wegen Quarantäne-Anordnung zu Hause

Der Arbeitnehmer befand sich auf telefonische Anordnung des Gesundheitsamts im Oktober 2020 als Kontaktperson des positiv auf Covid-19 getesteten Bruders seiner Freundin in häuslicher Quarantäne. Hierüber informierte der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber, einen kleinen Dachdeckerbetrieb. Der Arbeitgeber bezweifelte die Quarantäneanordnung und vermutete, der Arbeitnehmer wolle sich lediglich vor der Arbeitsleistung “drücken“. Er verlangte eine schriftliche Bestätigung des Gesundheitsamtes, die der Arbeitnehmer auch beim Gesundheitsamt telefonisch einforderte. Als diese schriftliche Bestätigung des Gesundheitsamtes auch nach mehreren Tagen noch nicht vorlag, kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis.

ArbG: Kündigung ist sittenwidrig

Das Arbeitsgericht hat der daraufhin erhobenen Kündigungsschutzklage stattgegeben. Der Arbeitgeber habe vorliegend mit Blick auf die Nichtanwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes zwar keinen Grund für eine fristgerechte Kündigung darlegen müssen. Die Kündigung sei jedoch als sittenwidrig und treuwidrig anzusehen. Der Arbeitnehmer habe sich lediglich an die behördliche Quarantäneanordnung gehalten. Erschwerend komme hinzu, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer ausdrücklich aufgefordert habe, entgegen der Quarantäneanweisung im Betrieb zu erscheinen (Urt. v. 15.04.2021 - 8 Ca 7334/20).


arbg-koeln.nrw.de