NZA 18/2022
Equal pay for equal play?

Der fulminante EM-Auftritt der DFB-Frauennationalmannschaft während der EM in England befeuerte eine Debatte, zu der SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz („you’ll never walk alone“) bei seinem Besuch des DFB-Campus wie folgt beitrug: „Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften…“ (Süddeutsche Zeitung v. 10.8.2022). Dieser – eher moralische – Appell kann sich rechtlich nur auf Gelder beziehen, die bei internationalen Turnieren von deren Veranstaltern (FIFA, UEFA) an die Verbände – je nach Erfolg der Teams – ausgeschüttet werden, nicht aber auf die privatautonomen Verträge zwischen den Vereinen und ihren Spielerinnen.

Allerdings lässt der Schrei nach Gleichberechtigung jegliches wirtschaftliche Kalkül vermissen: Die Geldströme im Profifußball der Männer aufgrund Ticketing, Merchandising, Rechteverkauf und Transfererlösen haben völlig andere, nicht immer nachvollziehbare Dimensionen (das Gehaltsbudget 2022/23 des deutschen Rekordmeisters und Branchenprimus für Manuel Neuer, Thomas Müller & Co. soll knapp 275 Millionen EUR betragen) erreicht. Branchenkennern zufolge kassiert zB Stürmer Sadio Mané in dieser Saison ca. 20 Millionen EUR (Geld schießt eben doch Tore!). Die bei demselben Club angestellte Mittelfeldspielerin Julia Gwinn soll laut Insidern lediglich um 96.000 EUR verdienen.

Im Männerfußball müssen heute sogar Trainer (zB Julian Nagelsmann) aus laufenden Verträgen herausgekauft werden, eine im Frauenfußball nicht vorstellbare Entwicklung. Besonderheiten wie Leihverträge mit sog. Rückkaufsoptionen sind bislang nur aus dem männlichen Profifußball bekannt ebenso wie astronomische Transferzahlungen wie beim Wechsel des brasilianischen Stürmers Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint German für kolportierte 222 Mio. EUR. Die mediale Berichterstattung selbst über Trainingsverletzungen und Aufstellungsprobleme bei männlichen Profiteams beweist das unvergleichliche Interesse am Männerfußball, welches das weibliche Pendant kaum jemals erreichen wird.

Der Vorschlag, die Gehaltsspitzen der männlichen Profis abzuschöpfen und den weiblichen Kolleginnen zu überlassen, würde, abgesehen von Zweifeln an seiner Realisierbarkeit, als „Almosen“ beidseits ohnehin wohl abgelehnt werden. Wenn die Allianz-Arena im Schnitt bei Bundesligapartien mit 75.000 Zuschauern ausverkauft ist, zum öffentlichen Training des FC Bayern ca. 15.000 zahlende Fans kommen und sogar das Bochumer Ruhrstadion des derzeitigen Tabellenletzten nicht nur bei BLTopspielen regelmäßig mit gut 27.600 Zuschauern ausverkauft ist, finden vergleichbare Spiele der weiblichen Profis leider nicht annähernd diese Resonanz. Ohnehin bräuchte es konkrete Zahlen für das geforderte Grundeinkommen (Grundsicherung?), die bis dato jedoch weder von den Spielerinnen noch von der Bundestrainerin (MVT) vorgelegt wurden.

Fazit also: Das play ist doch nicht equal! Und was macht der DFB? Statt für mehr TV-Gelder und höhere Ausschüttungen durch die Turnierveranstalter zu sorgen, installiert er eine „Taskforce Zukunft des Berufsfußballs“ und präsentiert neue Trikots für die Nationalmannschaften!

                 

Editorial

 

PDF öffnen Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Georg-R. Schulz, München