NJW

 


Kein Pardon für Poser

 

Alle Liebhaber tiefergelegter und folierter Dreier-BMWs, aufgemotzter Mantas mit Fuchsschwanz an der Antenne und getunter Golf GTIs müssen jetzt ganz tapfer sein. Denn Auto-Posing darf in unseren Innenstädten verboten werden. Das meint zumindest das VG Karlsruhe (Urt. v. 17.12.2018 – 1 K 4344/17). Für all diejenigen, die mit dem Begriff Auto-Posing nichts anfangen können, kurz zur Erläuterung: Mit Autofahren hat das eigentlich nichts zu tun, sondern ist eher im Bereich des post-pubertären Imponiergehabes angesiedelt, das sich insbesondere bei Vertretern des männlichen Geschlechts mit einem unterentwickelten Selbstbewusstsein großer Beliebtheit erfreut und ziemlich albern ist. Geboten wird dabei alles, was Maschine und Material so richtig schlecht tut und Dritten so richtig auf die Nerven geht, etwa Hochjubeln des Motors im Leerlauf, hochtouriges Fahren (was allerdings bei Automatikfahrzeugen schon eine gewisse Übung erfordert) oder Anfahren mit durchdrehenden und – ganz wichtig – qualmenden Reifen. Wer so was macht, weil er meint, damit das weibliche Geschlecht zu beeindrucken, hat evolutionsbiologisch wahrscheinlich noch einen gewissen Nachholbedarf. Aber das wollen wir an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, sondern uns dem Fall des VG Karlsruhe zuwenden.

Das bekam es Ende vergangenen Jahres mit dem Halter und Fahrer eines Jaguar F-Type zu tun, der im Sommer 2016 innerhalb eines Monats in der Mannheimer Innenstadt mehrfach durch die eingangs beschriebenen Fahrweisen unangenehm aufgefallen bzw. der Polizei gemeldet worden war. Die Stadt Mannheim erließ daraufhin eine Verfügung, mit der sie dem Poser seine spezielle Fahrweise untersagte und ihm für den Fall eines Verstoßes ein Zwangsgeld von 1000 Euro androhte. Erwartungsgemäß wehrte der sich gegen dieses Verbot, allerdings mit nicht einmal mäßigem Erfolg. Denn das VG Karlsruhe hatte weder gegen das Verbot noch gegen das angedrohte Zwangsgeld etwas einzuwenden. So habe die beklagte Stadt lediglich eine bestimmte Fahrweise untersagt und nicht gleich ein Fahrverbot erlassen. Außerdem habe der Kläger durch seine Fahrweise das Ruhebedürfnis Dritter erheblich gestört und somit ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit beeinträchtigt. Dass sein „Recht“, sich und sein Fahrzeug zu präsentieren, insoweit den Kürzeren zieht, mag in der Poser-Szene auf breites Unverständnis stoßen. Für das VG Karlsruhe lag es es hingegen so eindeutig auf der Hand, dass es die Berufung gar nicht erst zugelassen hat. 

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