Dr. Carmen Palzer

EU: Erwerb von O2 durch Telefónica mit Auflagen genehmigt


Die EU-Kommission hat am 10.1.2006 dem Erwerb des britischen TK-Unternehmens O2 durch die spanische Telekomgesellschaft Telefónica zugestimmt. O2 bietet Mobilfunkdienste im Vereinigten Königreich, in Irland und in Deutschland an. Mit der Fusion wird Telefónica zum zweitgrößten Anbieter von Mobilfunkdienstleistungen in Europa.

Die Kommission hatte nach Eingang der Anmeldung am 14.11.2005 Wettbewerbsbedenken im Zusammenhang mit den sog. Roaming-Allianzen der Netzbetreiber geäußert. Auf der Großkundenebene erwerben Mobilfunkunternehmen internationale Roamingdienste voneinander, um ihren Kunden zu ermöglichen, Anrufe im Ausland zu tätigen und zu empfangen. Roaming-Allianzen dienen dazu, den Austausch dieser internationalen Roamingdienste zu verbessern. Während Telefónica Mitglied in der Roaming-Allianz FreeMove ist, ist O2 an der Allianz Starmap beteiligt. Neben Telefónica sind an FreeMove mit France Télécom, Telecom Italia und Deutsche Telekom die drei größten Netzbetreiber im EWR vereinigt, in Starmap eine Reihe kleinerer TK-Unternehmen. Vor diesem Hintergrund fürchtete die Kommission, dass O2 nach der Übernahme wahrscheinlich Starmap zu Gunsten von FreeMove verlassen würde, und dass dies den Wettbewerb auf dem Markt für internationale Roamingdienste beschränken würde.

Auf Grund dieser Bedenken und um einer eingehenden Untersuchung seines Vorhabens zuvorzukommen, sagte Telefónica zu, FreeMove so bald wie möglich zu verlassen und ohne Zustimmung der Kommission dieser Allianz nicht wieder beizutreten. Daraufhin genehmigte die Kommission die Fusion im Verfahren nach Art. 6 (1) (b) der EU-Fusionskontrollverordnung.

FreeMove und Starmap sind Gegenstand einer separaten wettbewerbsrechtlichen Untersuchung der EU-Kommission.

RAin Dr. Carmen Palzer

Die PM der Kommission v. 10.1.2006 ist abrufbar unter: http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/06/16&format=PDF&aged=0&language=DE&guiLanguage=en.

Diese Meldung wurde der Rubrik «EMR - die medienrechtliche Monatsschau» entnommen. Das Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) berichtet monatlich über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Medienrecht und -politik aus den europäischen Institutionen und den Staaten Europas. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei Neuerungen für den Rundfunk und die neuen Medien, insbesondere mit Blick auf die europarechtlichen Bezüge. Die EMR-Monatsschau wird freundlicherweise unterstützt durch die Veröffentlichung «IRIS - Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle». Nähere Informationen im Internet unter www.emr-sb.de oder über EMR, Nell-Breuning-Allee 6, 66115 Saarbrücken; E-Mail:


MMR 2006, Heft 3, XII