ICANN im Kreuzfeuer


Turbulente Wochen durchlebt zum wiederholten Male die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN): Neben der Neuvergabe der Top Level Domain (TLD) .org und einem verlorenen Gerichtsverfahren gegen ICANN-Direktor Karl Auerbach fordern nun auch noch fast alle Verwalter von Länderendungen (ccTLDs) rasch grundlegende Reformen.

Im Rahmen der Neuvergabe von .org, deren Verwaltung der bisherige Betreiber VeriSign Inc. zum 31.12.2002 aufgeben muss, werden derzeit die Unterlagen der elf Bewerber gesichtet. Neben alten Bekannten wie NeuStar (.us) und Global Name Registry (.name) hat sich auch die für die Verwaltung der TLD .ch zuständige schweizer SWITCH um den Zuschlag beworben. Eine Entscheidung ist für Ende September 2002 zu erwarten.

Und auch die europäischen Domain-Registrierungsstellen zerren an ICANN. In einem Schreiben an das US-Handelsministerium drängten sie auf eine Reform und die strikte Beschränkung der Tätigkeit ICANNs auf die technische Koordination. Zwar will man ICANN nicht abschaffen; Regelungen zu Domainpreisen und Geschäftspraktiken sollen aber allein den nationalen Vergabestellen überlassen bleiben, die diese Aufgaben bereits seit langem im Interesse ihrer Nutzer erledigen. Von ICANNs Zukunft hängt auch die Zukunft des Internet ab, denn mit der Verwaltung des Domain Name Systems (DNS) obliegt ICANN die Schaltzentrale des Internet.

Mehr zur .org-Neuvergabe finden sie unter: http://www.icann.org/tlds/org/index.html#ApplicationsReceived; die strittigen Unterlagen finden Sie unter: http://www.icann.org/announcements/advisory-04aug02.htm; die Stellungnahme der europäischen Vergabestellen unter: http://www.centr.org/news.

Quelle: Domain-Newsletter Nr. 119 v. 14.8.2002.


MMR 2002, Heft 10, VII