Jan Peter Müßig

ARD und ZDF: "Signalisierungslösung" bei Übertragung der WM 2002


Die Programmveranstalter ARD und ZDF forderten Anfang Februar 2002 nun gemeinsam die sog. "Signalisierungslösung" für die digitale Verbreitung der Fußball-WM 2002 über Satellit.

ARD und ZDF erwarben die Rechte zur Übertragung der Fußball-WM für Deutschland von der Kirch Gruppe. Über Satellit sind die Sendungen jedoch auch im europäischen Ausland zu empfangen. Der Vertrag zwischen ARD und ZDF und der Kirch Gruppe bestimmt, dass die digitale Satellitenverbreitung den Lizenznehmern nur gestattet ist, wenn das ausschließliche Übertragungsrecht von Lizenznehmern in anderen Ländern nicht beeinträchtigt wird. Erste Auseinandersetzungen hatte es bei der Übertragung der WM-Auslosung vom 1.12.2001 zwischen den deutschen Rechteinhabern und dem spanischen Lizenznehmer Via Digital gegeben. Die ARD machte den Vorschlag, die digitale Übertragung so zu verändern, dass der Empfang nur in Deutschland möglich ist. Dabei wird die Übertragung der WM-Spiele mit besonderen Signalen versehen, die von ausländischen Pay-TV-Decodern nicht verarbeitet werden können. Nachteil dieser Lösung ist, dass die deutschen Zuschauer mit digitalem Empfangsgerät einen neuen Suchlauf starten müssten. Aus diesem Grund hatte sich das ZDF zunächst gegen eine solche Lösung gewandt. Der Gegenvorschlag des ZDF war, die Fußball-WM gar nicht digital über Satellit zu verbreiten. Tests der von der ARD entwickelten Lösung ergaben, dass in Spanien und Polen ein Empfang der mit den besonderen Signalen versehenen Sendungen mit dort üblichen Pay-TV-Decodern tatsächlich nicht möglich ist. Die Kirch Gruppe lehnt diese Lösung bisher ab und favorisiert stattdessen eine Verschlüsselung der digital über Satelliten gesendeten Signale (zu den Folgen der Verschlüsselung über Satellit die Erklärung des Vorsitzenden der DLM Dr. Norbert Schneider, abrufbar unter: http://www.alm.de/aktuelles/presse/p190401.htm). Die Kirch Gruppe und Via Digital streiten noch darüber, ob ihr Vertrag die deutsche Übertragung der WM über analoge Satellitensignale gestattet.

Jan Peter Müßig, EMR, Saarbrücken

Diese Meldung wurde der Rubrik "EMR - die medienrechtliche Monatsschau" entnommen. Das Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) berichtet monatlich über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Medienrecht und -politik aus den europäischen Institutionen und den Staaten Europas. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei Neuerungen für den Rundfunk und die neuen Medien, insbesondere mit Blick auf die europarechtlichen Bezüge. Die EMR-Monatsschau wird freundlicherweise unterstützt durch die Veröffentlichung "IRIS - Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle". Nähere Informationen im Internet unter www.emr-sb.de oder über EMR, Nell-Breuning-Allee 6, 66115 Saarbrücken; E-Mail:


MMR 2002, Heft 4, IX