ARD, ZDF und VPRT: Schnelle Digitalisierung nur mit einheitlichem und offenem technischen Standard


Die deutschen Programmanbieter haben sich am 30.11.2001 erneut für eine zügige Einführung des Softwarestandards DVB-MHP (Multimedia Home Platform) ausgesprochen.

Nur auf der Grundlage eines einheitlichen und offenen technischen Standards könne der digitale Fernsehmarkt in Deutschland schnell entwickelt werden, betonten Vertreter von ARD, ZDF und Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation e.V. (VPRT), dem u.a. die großen privaten Fernsehsender wie RTL und SAT.1 angehören. Zurzeit böte alleine der europäische Standard MHP die Gewähr dafür, dass zukünftig alle existierenden und geplanten Programme und Dienste auf allen im Markt befindlichen Boxen empfangen werden könnten. Zudem sei MHP notwendig, um zu verhindern, dass Kabelnetzbetreiber durch die Einführung geschlossener Boxen-Technologien einzelne Programme oder Dienste diskriminieren.

Die Programmanbieter halten es für notwendig, die Fehleinschätzungen, die in den vergangenen Wochen vor allem vom künftig größten deutschen Kabelnetzbetreiber Liberty Media verbreitet wurden, zu korrigieren. Insb. die Behauptung von Liberty, eine MHP-Ausstattung von Decodern würde zu Mehrkosten von 60 pro Settop-Box führen, hält einer näheren Überprüfung nicht stand. Die Endgeräteindustrie geht von anfänglichen Mehrkosten von 12-16 für MHP-Empfangsgeräte aus. Spätestens Ende 2003 - so die Prognose - werden MHP-fähige Geräte nicht mehr teurer sein als andere interaktive Settop-Boxen. Auch die Vermutung, dass MHP-Kabeldecoder noch lange auf sich warten lassen würden, stimmt nicht: MHP-Boxen werden auf jeden Fall im 2. Halbjahr 2002 verfügbar sein.

ARD, ZDF und VPRT machten des weiteren deutlich, dass es den Kabelnetzbetreibern nicht freistehe, beliebige technische Standards bei Settop-Boxen in Deutschland zu verwenden. Der Rundfunkstaatsvertrag schreibe bereits heute in § 53 und in der darauf bezogenen Satzung der Landesmedienanstalten vor, dass in Dekodern zugangsoffene Schnittstellen eingesetzt werden müssen, die dem Stand der Technik und dabei insb. einheitlich normierten europäischen Standards entsprechen. Diesen Voraussetzungen genügte bei Programmierschnittstellen von Decodern zurzeit als einziger Standard MHP. Auch die neuen Kabelnetzbetreiber können sich den gesetzlichen Verpflichtungen nicht entziehen.

Quelle: PM des VPRT v. 3.12.2001.


MMR 1/2002