Neuseeland: Von StGB, BGB und VwVfG zu Lord of the Rings (middle earth) – LL.M.-Studium an der University of Otago in Dunedin


Ein Studium der Rechtswissenschaften in Deutschland macht zu einem hochqualifizierten Akademiker, der jedoch leider nur recht einseitig in Bezug auf deutsches Recht ausgebildet ist. Dies bekommt man zumindest dann zu spüren, wenn man in Konkurrenz mit Betriebswirtschaftlern, Volkswirten oder anderen Wirtschaftswissenschaftlern tritt. Dieses Problem stellt sich vor allem, wenn man keine zwei Prädikatsexamina vorweisen kann, was wohl auf die Mehrheit der Juraabsolventen zutrifft. Die Lösung heißt für viele Fortbildung. Und diese am besten im englischsprechenden Ausland, um sein Englisch perfekt zu machen. Und dabei bietet sich am meisten an: ein LL.M. an einer amerikanischen oder britischen Universität. Das Problem dabei ist, man ist wieder nur mit Jura beschäftigt, und diese Programme kosten auch noch Unsummen.

Für mich stellte sich das Problem, als ich 2001 meine Juristenausbildung (in Bayern an den Universitäten Bayreuth und Regensburg und am OLG Nürnberg) abschloss. Und ich fand eine interessante und preiswerte Alternative zum herkömmlichen LL.M.: Die University of Otago in Dunedin/Neuseeland bietet für Juristen, für Politwissenschaftler, für Historiker und für Wirtschaftswissenschaftler einen Master of International Studies (MINTS). Dieser Master ist ein Multidisziplin-Studium, in welchen Internationales Recht, Internationale Politik, Internationale Ökonomie und Internationale Geschichte in einem Zeitraum von einem Jahr verbunden werden. Die University of Otago befindet sich in Dunedin, der viertgrößten Stadt Neuseelands, und ist die älteste und renommierteste Universität des Landes.

Doch zunächst zum Masterprogramm: Wie bereits erwähnt, setzt sich der gesamte Master aus vier Teilbereichen zusammen. Alle Bereiche werden durch ausgezeichnete Lehrkräfte von internationaler Herkunft unterrichtet. Der Unterricht läuft dabei meist in Seminarform ab, das heißt, die Studenten bereiten die Stunden vor. Dafür gibt es natürlich Noten. Nach dem generellen Seminar folgt dann die Diskussion über das Thema im Speziellen. Der gesamte Master ist im 500er Level angesiedelt, was einem sehr hohen Niveau entspricht. Neben der Vorbereitung der Seminare hat man pro Fach ein 3500-Wort-Essay über eines der Seminarthemen zu schreiben. Und am Ende eines jeden Semesters wird das erlernte Wissen in Form von dreistündigen schriftlichen Examen abgefragt. Des Weiteren wird noch eine 20.000-Wort-Thesis über eines der Gebiete erwartet. In Internationaler Politik wird das Hauptaugenmerk auf die Grundstrukturen internationaler Politik gelegt, mit Schwerpunkten der Globalisierung, des Terrorismus, der Vereinten Nationen oder der Europäischen Union. Im Fach International Law werden zunächst die Grundzüge des internationalen Rechts gelehrt und darauf aufbauend Fallstudien und -lösungen erarbeitet. Dabei werden die Probleme und ihre Umsetzung, welche sich aus den anderen Fachbereichen ergeben, aufgegriffen (zum Beispiel die rechtliche Betrachtung des Terrorismus). Die geschichtliche Grundlage der oben erwähnten Themen wird in International History vermittelt, beginnend beim Westfälischen Frieden, der als Beginn der souveränen Staaten betrachtet wird, über die Weltkriege bis zur UNO und deren Aufgaben heute. International Economy lehrt die Grundlagen der Betriebswirtschaft und darauf aufbauend die Bezüge zu Globalisierung, internationalem Handel und anderen Problemstellungen, welche international wirkende Konzerne und Betriebe betreffen.

Wie man also sehen kann, ein recht anspruchsvolles Programm. Doch nun kommt das Beste, und das ist der Preis. Das volle Programm kostet 3800,– NZ-Dollar (Preis 2002) was in etwa 2000 Euro entspricht. Dieser günstige Preis für ein Master-Studium ist möglich, da es zwischen Deutschland und Neuseeland einen Staatsvertrag gibt, der deutschen Staatsbürgern das Recht einräumt, für ein Postgraduale-Studium in Neuseeland nur neuseeländische und keine internationalen Gebühren (dies wären mehr und in US-Dollar) zu zahlen. Ein weiterer großer Vorteil ist, das dieses international ausgerichtete Programm natürlich auch international vertreten ist. In der MINTS–Klasse 2002 sind Studenten aus Norwegen, USA, Canada, Deutschland, China, Thailand, Chile, Australien und natürlich Neuseeland.

Neben der Fortbildungs- und Karriereseite dieses Programms liegt ein anderer Gesichtspunkt klar auf der Hand, man studiert in einem der schönsten Länder der Erde. Man hat Städte wie Auckland, Wellington, Christchurch oder Dunedin, aber auch immer den Südpazifik in der Nähe. Man kann Pinguine, Wale, Seehunde, Albatrosse und Seelöwen in freier Natur bewundern. Oder man wandert zum Mildord Sound, auf Gletscher oder in Vulkangebiete. Und auch Dunedin ist eine Stadt zum Verlieben; von schottischen Einwanderern gegründet, liegt sie zwischen Hügeln im Südosten der Südinsel. Man hat die Wahl zwischen einem Tag am Meer oder Ski-Abenteuern in den Bergen bei Queenstown oder Wanaka. So macht auch die Zeit neben dem Studium Spaß.

Dieser Master of International Studies hat mehr zu bieten als Neuseeland, Englisch zu lernen und internationale Freunde kennenzulernen. Dieser Master lässt einen als gut ausgebildeten Juristen über den Tellerrand blicken und bereitet auch auf andere Tätigkeitsfelder vor. Im Hinblick auf die Globalisierung unserer Welt ist dieses Programm ideal als Vorbereitung für die Aufgaben, die auch für Juristen in der Zukunft liegen.

Für weitere Informationen und Fragen: www.otago.ac.nz/courses/qualifications/minst.html, oder an mich persönlich: .

Thomas Georgi, Dunedin/Neuseeland


JuS 10/2002