Australien: LL.M.-Studium an der University of New South Wales in Sydney


Ich habe an der University of New South Wales (UNSW) in Sydney von Februar bis Dezember 2000 ein Master of Laws- (LL.M.-)Programm absolviert. Die UNSW, eine von mehreren Universitäten im Großraum Sydney, wurde vor gut 50 Jahren gegründet und hat sich inzwischen einem Zeitungsranking zufolge einen sehr guten Ruf erworben – jedenfalls innerhalb Australiens. Mit gut 33.000 eingeschriebenen Studenten (Hauptcampus) zählt die UNSW zu den größeren Universitäten des Landes. Der Unicampus befindet sich in Randwick, einem südöstlich des „Central Business District“ gelegenen Stadtteil Sydneys. Besondere Erwähnung verdient das Unigelände nicht nur, weil es einige architektonisch bemerkenswerte Gebäude vorzuweisen hat. Vor allem ist es auch exzellent gelegen, denn mit dem Bus sind es etwa 15-25 Minuten bis in das Zentrum und eine gute Viertelstunde bis Coogi Beach, dem nächstgelegenen Strand. Zusätzlich zu den Ozean-Stränden hat Sydney übrigens eine großartige Lage rund um eine ausgedehnte natürliche Hafenbucht und alle Annehmlichkeiten einer modernen Großstadt zu bieten. Die Wohnungsmieten freilich sind horrend.

Das LL.M.-Programm an der UNSW ist folgendermaßen strukturiert: Es besteht die Wahl zwischen einer größeren Forschungsarbeit ganz ohne Vorlesungen, einem aus sechs Vorlesungen zusammengesetzten reinen „Coursework“-Programm oder einer Kombination aus Vorlesungen und einer oder mehreren kleineren Forschungsarbeiten. Wer sich – wie ich – für das reine Kursprogramm entscheidet, muss als nicht-australischer Student drei Kurse pro Semester belegen, den LL.M. also innerhalb eines Studienjahres abschließen. Bei Bedarf kann die Arbeitsbelastung während der Semester dadurch reduziert werden, dass in den Semesterferien Intensivkurse belegt werden. Grundsätzlich besteht freie Wahl zwischen den angebotenen Postgraduierten-Kursen, die bis zu einem gewissen Maß um bestimmte Undergraduate-Fächer ergänzt werden können. Will man eine der theoretisch verfügbaren Spezialisierungen erwerben (was nicht zwingend ist), so muss man naturgemäß eine eingeschränktere Kursauswahl in Kauf nehmen. „Media, Communications and Information Technology Law“ und „International Law“ scheinen häufig gewählte
Spezialisierungen zu sein. Um einen Kurs erfolgreich abzuschließen, wird in der Regel ein mit einer gewissen Mindestpunktzahl bewerteter „Essay“ (vergleichbar einer Seminararbeit) verlangt. In manchen Kursen wird auch eine Klausur gestellt oder es ist ein Referat zu halten. Die zwei Studiensemester schlagen mit etwa 12.000 australischen Dollar zu Buche. Es gibt Stipendien; Informationen hierzu sind beim DAAD erhältlich.

Australien ist in vielerlei Hinsicht ein großartiges Land. Was die Universitäten betrifft, herrschen aber alles andere als paradiesische Zustände. Offenbar knausert der Staat zunehmend mit Zuschüssen, und die Universitäten leiden an Geldmangel. Dessen Symptome haben sich während meines Studienaufenthalts auf unerfreuliche Weise bemerkbar gemacht. Überraschend ist zunächst, dass pro Semester nur ein kleiner Teil der laut Handbuch der Fakultät verfügbaren Kurse auch tatsächlich angeboten wird. Wer auf ein bestimmtes Thema fixiert ist, macht sich also besser vorher kundig, ob die entsprechende Vorlesung im relevanten Zeitraum auch wirklich gehalten wird. Wohl aus Mangel an ausreichend großen Unterrichtsräumen bietet die juristische Fakultät der UNSW internationalen Studenten auch nicht die Möglichkeit, Undergraduate-Pflichtkurse zu belegen. Das wäre aber gerade für Studenten mit rechtsvergleichenden Neigungen sinnvoll. Ebenfalls auf Geldmangel dürfte der spärliche Bestand an Literatur zum Civil-Law-Kreis der – ansonsten aber vorzüglichen – Bibliothek zurückzuführen sein. Dieser Mangel an verfügbarer Literatur erschwert ernstzunehmendes rechtsvergleichendes Arbeiten teils sehr, teils macht er es ganz unmöglich. Immerhin dürfen Postgraduierte aber die Fernleihe kostenlos nutzen. Ein nicht zu unterschätzender Minuspunkt sind schließlich die Vorlesungsräume, die fast alle ohne Tageslicht sind und von der Klimaanlage auch auf für mitteleuropäische Begriffe unangenehm kalte Temperaturen gekühlt werden.

Indes ist es keineswegs meine Absicht, mit dieser Negativliste den Eindruck zu erwecken, ein Studium an der UNSW sei nicht zu empfehlen. Den äußerst günstig gelegenen Campus hatte ich oben erwähnt. Und bei umsichtiger Kursauswahl kann man an der UNSW mit Sicherheit Hervorragendes geboten bekommen. Nur Erfreuliches kann ich außerdem vom „International Student Service“ der UNSW berichten. Er erleichtert Aufenthalt wie Studium in Sydney sehr, da das Angebot vom Empfangsschalter am Flughafen über diverse gesellige Veranstaltungen bis zum „Going home“-Seminar ein breites Spektrum abdeckt. Insgesamt ist die UNSW für den, der in Australien einen LL.M. erwerben will, eine ganz gute Wahl.

Ein Studienaufenthalt im Ausland ruft bei vielen sicherlich im Vorhinein die eine oder andere Befürchtung wach. Wie schnell werde ich eine Wohnung finden? Spreche ich gut genug Englisch? Bin ich den Anforderungen eines Studiums im Ausland gewachsen? Derartige Zweifel stellen sich schnell als unbegründet heraus. Dies gilt insbesondere auch für die Frage des Bestehens der universitären Prüfungen. Wer seine Studiengebühren bezahlt hat, kann sich an der juristischen Fakultät der UNSW ziemlich sicher sein, den erstrebten Titel am Ende in der Tasche zu haben. Anscheinend schadet die Fakultät lieber auf lange Sicht ihrem Ruf, anstatt ein ernstzunehmendes Prüfungsniveau aufrecht zu erhalten. Ob das aus studentischer Sicht erfreulich ist oder nicht, mag jeder selber entscheiden.

Ohnehin kommen viele nicht primär des Studiums wegen nach Australien. Manche wollen ihre Englischkenntnisse verbessern, andere wollen Freundschaften schließen, reisen oder einfach ein entspanntes Jahr verbringen. „Down under“ lockt mit einem warmen Klima, wilder Natur, schönen Bade- und Surfstränden, einem lockeren Lebensstil und nicht zuletzt einer überwältigend freundlichen Bevölkerung. Da fallen ein paar Mängel in der universitären Ausbildung gar nicht so sehr ins Gewicht.

Weiterführende Informationen:

www.unsw.edu.au (UNSW)

www.law.unsw.edu.au (Juristische Fakultät der UNSW)

www.daad.de (Stipendien und allgemeine Informationen zum Auslandsstudium)

www.australian-embassy.de (Visumsfragen)

www.smh.com.au (Tageszeitung)

Rechtsreferendar Johannes Schick, Berlin


JuS 6/2001