Stellungnahmen der EFRAG gegenüber dem IASB


IRZ, Heft 11, November 2021, 484

Die Europäische Beratungsgruppe zur Rechnungslegung (European Financial Reporting Advisory Group, EFRAG) hat im vergangenen Monat drei endgültige Stellungnahmen gegenüber dem IASB zu verschiedenen Projekten des IASB-Arbeitsplans abgegeben.

In der Stellungnahme vom 8. Oktober 2021 zu dem Entwurf ED/2021/8 „Erstmalige Anwendung von IFRS 17 und IFRS 9 ― Vergleichsinformationen (Vorgeschlagene Änderung an IFRS 17)“ würdigt EFRAG die rasche Reaktion des IASB und die schnelle Entwicklung des Entwurfs. Insgesamt stimmt EFRAG den Vorschlägen des IASB im Entwurf grundsätzlich zu, da sie eine deutliche Verbesserung gegenüber der derzeitigen Situation darstellen. Allerdings werden kleinere Bedenken zu Einzelaspekten geäußert, die EFRAG in der endgültigen Änderung des Standards berücksichtigt wissen möchte.

Am 11. Oktober 2021 hat EFRAG eine Stellungnahme zur Agendakonsultation an den IASB übermittelt und bescheinigt dem IASB grundsätzlich eine ausgewogene Zusammenstellung von Aktivitäten, mit denen sich der Board in der nächsten Zeit befassen will. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass, nach Ansicht von EFRAG, die Verknüpfung von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung intensiviert und die Ressourcen für die digitale Berichterstattung erhöht werden sollten. Im Einzelnen hat EFRAG die in der Bitte um Informationsübermittlung beschriebenen 22 Projekte geprüft und hält diese für sinnvoll. Darüber hinaus wird in der Stellungnahme eine Reihe weiterer möglicher Projekte identifiziert. Hinsichtlich der Dringlichkeit der Bearbeitungsreihenfolge sollten den Projekten zu immateriellen Vermögenswerten, zur Nachhaltigkeit in der Finanzberichterstattung (ausgehend von klimabezogenen finanziellen Auswirkungen) und zu Krypto-Vermögenswerten die höchste Priorität eingeräumt werden.

Ebenfalls am 11. Oktober 2021 wurde eine EFRAG-Stellungnahme zum Diskussionspapier DP/2020/2 „Unternehmenszusammenschlüsse unter gemeinsamer Kontrolle“ veröffentlicht. Darin wird die Zielsetzung zur Verringerung der Diversität in diesem Bereich unterstützt und tendenziell auch der vom IASB vorgeschlagene Ansatz zur Auswahl der Bewertungsmethoden als sachgerecht angesehen. Allerdings ist der Umfang des Projekts durch den IASB nach Auffassung von EFRAG zu eng gefasst und sollte deshalb erweitert werden. Insbesondere sollten durch den IASB weitere Ansätze in Bezug auf die Erfassung des Überschusses des beizulegenden Zeitwerts des identifizierbaren Nettovermögens über die gezahlte Gegenleistung als Beitrag zum Eigenkapital bei Anwendung der Erwerbsmethode untersucht werden. Eigene Untersuchungen der EFRAG hatten ergeben, dass hier unterschiedliche Auffassungen bei den IFRS-Nutzern anzutreffen sind. Außerdem schlägt EFRAG zwei Optionen bei der Anwendung der Buchwertmethode vor. Neben der bisher schon vorgesehenen Verwendung der Buchwerte der übertragenen Einheit soll auch die Fortführung der Buchwerte im Konzernabschluss des bisherigen Mutterunternehmens zulässig sein. Für jede einzelne Erwerbstransaktion sollte ein entsprechendes Wahlrecht bestehen und in jedem Fall unabhängig ausgeübt werden können. Neben diesen beiden konzeptionellen Vorschlägen werden noch einige kleinere Verbesserungen an den Vorschlägen des IASB formuliert.

Die drei endgültigen Stellungnahmen sind über die zugehörigen Presseerklärungen auf der Website der EFRAG (www.efrag.org) zugänglich.