IASB stößt Überprüfung von IFRS 9 an


IRZ, Heft 11, November 2021, 484

Am 30. September 2021 hat der International Accounting Standards Board (IASB) eine Bitte um Informationsübermittlung (request for information) veröffentlicht, mit der die Adressaten um Rückmeldungen zur Überprüfung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“ gebeten werden.

Im Einzelnen wird danach gefragt, ob der Standard in seiner derzeitigen Form entscheidungsnützliche Informationen bietet, ob es Bereiche gibt, die schwer umzusetzen sind und daher die einheitliche Anwendung des Standards gefährden können, und ob unerwartete Kosten im Zusammenhang mit der Umsetzung oder Durchsetzung des Standards aufgetreten sind.

Im Oktober 2020 hatte der IASB den Prozess zur Überprüfung der Umsetzung von IFRS 9 offiziell in sein Arbeitsprogramm aufgenommen. Obwohl der Board grundsätzlich IFRS 9 als Ganzes überprüfen will, wurde eine zweistufige Vorgehensweise beschlossen. Hintergrund dieses Vorgehens ist, dass die Überprüfung der Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften vorgezogen werden soll. Zunächst soll deshalb die Überprüfung der Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften (einschließlich der Eigenkapitalinstrumente, die zum beizulegenden Zeitwert mit der Erfassung der Änderungen im sonstigen Gesamtergebnis bewertet werden) erfolgen; mit diesen Arbeiten soll so schnell wie möglich begonnen werden. Die Überprüfung der beiden anderen Schwerpunkte des Standards – Wertminderungsvorschriften und Regelungen zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen – soll erfolgen, sobald mehr Informationen darüber vorliegen, wie sich die Vorschriften in diesen Abschnitten in der Praxis bewährt haben. Es ist zu erwarten, dass sich das Gesamtprojekt über mehrere Quartale erstrecken wird.

Inhaltlich beschloss der IASB, insbesondere folgende Aspekte im Zusammenhang mit den Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 im Rahmen des Projekts weiter zu prüfen:

  • Geschäftsmodellbeurteilung für finanzielle Vermögenswerte,
  • Beurteilung der vertraglichen Cashflow-Eigenschaften von finanziellen Vermögenswerten,
  • Option für Eigenkapitalinstrumente, Änderungen des beizulegenden Zeitwerts im sonstigen Gesamtergebnis darzustellen,
  • finanzielle Verbindlichkeiten, die als zum beizulegenden Zeitwert mit Erfassung der Änderungen in der Gewinn- und Verlustrechnung designiert wurden,
  • Modifizierungen der vertraglichen Cashflows,
  • Übergang auf IFRS 9.

 

In das Überprüfungsprojekt einbezogen werden soll auch eine Frage zu fortgeführten Anschaffungskosten und der Effektivzinsmethode, die an das IFRS Interpretations Committee herangetragen und nunmehr an den Board verwiesen wurde, da das IFRS IC der Auffassung war, dass die Fragestellung in einem breiteren Kontext relevant ist.

Der IASB bittet um Stellungnahmen zu dem nunmehr veröffentlichten Dokument bis zum 28. Januar 2022. Die Bitte um Informationsübermittlung und eine zugehörige Presseerklärung sind auf der Website des IASB (www.ifrs.org) verfügbar.