IASB veröffentlicht finale Änderungen an IAS 12


IRZ, Heft 6, Juni 2021, S. 260

Am 7. Mai 2021 hat der International Accounting Standards Board (IASB) die Standardergänzung „Latente Steuern, die sich auf Vermögenswerte und Schulden beziehen, die aus einer einzigen Transaktion entstehen (Änderungen an IAS 12)“ herausgegeben, die die Bilanzierung von latenten Steuern auf Transaktionen wie Leasingverhältnisse und Stilllegungspflichten klarstellt.

Nach den Änderungen gilt eine Ansatzbefreiung gemäß IAS 12.15(b) und IAS 12.24 (initial recognition exemption) nicht für Transaktionen, bei denen Unternehmen sowohl einen Vermögenswert als auch eine Schuld bilanzieren. Dazu wird in einem neuen Paragrafen IAS 12.22A eine „Rückausnahme“ verankert und erläutert. Dies führt dazu, dass latente Steuern auf Transaktionen anzusetzen sind, in denen beim erstmaligen Ansatz sowohl abziehbare als auch steuerbare temporäre Differenzen entstehen, die zum Ansatz von aktiven und passiven latenten Steuern in gleicher Höhe führen. Außerdem wird eine Erleichterungsregelung hinsichtlich der Einschätzung der Wahrscheinlichkeit gemäß IAS 12.24 ergänzt, dass ein zu versteuernder Gewinn verfügbar sein wird, gegen den die abzugsfähige temporäre Differenz verwendet werden kann.

Die Änderungen treten für jährliche Berichtsperioden in Kraft, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig, wobei die Anwendung in einem befreienden IFRS-Konzernabschluss in der EU zuvor die Anerkennung der Änderungen im Rahmen des europäischen Komitologieverfahrens („Endorsement“) voraussetzt.

Die Änderungen sind retrospektiv auf Transaktionen anzuwenden, die am oder nach dem Beginn der frühesten dargestellten Vergleichsperiode stattfinden. Außerdem sind zu Beginn der frühesten dargestellten Vergleichsperiode latente Steuern für alle temporären Differenzen im Zusammenhang mit Leasingverhältnissen und Stilllegungsverpflichtungen anzusetzen. Der kumulierte Effekt aus der erstmaligen Anwendung der Änderungen ist als Anpassung des Eröffnungsbilanzsaldos der Gewinnrücklagen (oder ggf. anderer Eigenkapitalbestandteile) zu erfassen (www.ifrs.org).