IASB veröffentlicht Pilotprojekt zu Leitlinien für die Entwicklung von Angabevorschriften am Beispiel von IFRS 13 und IAS 19


IRZ, Heft 5, Mai 2021, S. 210

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat am 25. März 2021 als drittes Entwurfsdokument im laufenden Jahr ED/2021/3 „Angabevorschriften in den IFRS – Ein Pilotansatz (Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 13 und IAS 19)“ veröffentlicht. Mit diesem Entwurf legt der Board vorläufige Leitlinien vor, die er selbst künftig bei der Entwicklung und der Formulierung von Angabevorschriften in den IFRS als Referenzsystem verwenden will. 

Konkret angewendet werden diese Leitlinien erstmals bei den nunmehr vorgeschlagenen Änderungen an den bestehenden Angabevorschriften in IFRS 13 und IAS 19.

 

a) Vorgeschlagene Leitlinien für den Board

Um einer „Checklisten-Mentalität“ entgegenzuwirken, hat der IASB beschlossen, einen Ansatz zu entwickeln, bei dem der Fokus auf der Anwendung von Ermessens­entscheidungen liegt und bei dem damit die Beurteilung, ob das Ziel hinter den Angaben von einem berichtenden Unternehmen erfüllt wurde, zum zentralen Argument bei der Auswahl von Art und Umfang der Angaben zu einem Standard wird. Zu diesem Zweck schlägt der Board vor, in Zukunft übergreifende Angabeziele zu verwenden, die den allgemeinen Informationsbedarf der Abschlussadressaten beschreiben, und spezifische Angabeziele, die den detaillierten Informationsbedarf der Abschlussadressaten abbilden.

Die vom IASB vorgeschlagenen Leitlinien sollen kein eigenständiger Standard sein. Der Board will die Leitlinien jedoch nach ihrer Finalisierung bei der Entwicklung und der Formulierung der Angabeanforderungen zukünftiger IFRS bzw. bei der Überarbeitung bestehender Standards verbindlich anwenden.

 

b) Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 13

Unter Bezugnahme auf die vorgeschlagenen Leitlinien schlägt der IASB die Ergänzung eines übergreifenden Angabeziels für IFRS 13 vor, nach dem einem Unter­nehmen vorgeschrieben wäre, Informationen anzugeben, die folgende drei Bereiche abdecken:

  • Bedeutung der zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Vermögenswerte und Schulden;
  • Beschreibung, wie die Bewertungen zum beizulegenden Zeitwert vorgenommen wurden; und
  • Auswirkung von Änderungen bei diesen Bewertungen auf den Abschluss.

 

Zur Ergänzung und Konkretisierung werden verschiedene spezifische Angabeziele vorgeschlagen.

 

c) Vorgeschlagene Änderungen an IAS 19

Die für IAS 19 vorgeschlagenen Angabeziele unterscheiden zwischen leistungsorien­tierten Plänen und beitragsorientierten Plänen:

  • Das übergreifende Angabeziel für leistungsorientierte Pläne schreibt vor, dass ein Unternehmen Informationen anzugeben hat, die es den Abschlussadressaten ermöglichen, die mit der Beteiligung des Unternehmens an seinen leistungsorien­tierten Plänen verbundenen Unsicherheiten zu bewerten und die Auswirkungen der leistungsorientierten Pläne auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens zu beurteilen. Darüber hinaus wird eine größere Anzahl spezifischer Angabeziele formuliert.
  • Für beitragsorientierte Pläne schreibt das übergreifende Angabeziel vor, dass ein Unternehmen Informationen anzugeben hat, die es den Abschlussadressaten ermöglichen, die Auswirkungen beitragsorientierter Pläne auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und die Zahlungsströme des Unternehmens zu verstehen. Spezifische Angabeziele für beitragsorientierte Pläne werden vom IASB nicht formuliert.

 

Der IASB bittet um Stellungnahmen zu den vorgeschlagenen Leitlinien für den Board und um Rückmeldungen zu den vorgeschlagenen Änderungen zu den zwei Pilotstandards bis zum 21. Oktober 2021.