IOSCO fordert IASB und FASB zur Zusammenarbeit auf


IRZ, Heft 4, April 2021, S. 162

Die internationale Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden (International Organization of Securities Commissions, IOSCO), die als globaler Standardsetzer für die Wertpapierregulierung gilt, hat am 25. Februar 2021 eine Erklärung veröffentlicht, in der sie den IASB und den FASB zu einer engen Zusammenarbeit im Hinblick auf ihre jeweiligen Projekte zur Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten auffordert.

Im Rahmen der Erörterung der eingegangenen Stellungnahmen zur Folgebilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten im Projekt Identifiable Intangible Assets and Subsequent Accounting for Goodwill“ hat der FASB im Dezember 2020 vorläufig beschlossen, die planmäßige Abschreibung von Geschäfts- oder Firmenwerten wieder einzuführen. Demgegenüber lehnt der IASB in seinem im März 2020 veröffentlichten Diskussionspapier Unternehmenszusammenschlüsse – Angaben, Geschäfts- oder Firmenwert und Wertminderung (s. IRZ 2020, 337, 397) die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung ab und spricht sich für eine Beibehaltung des Wertminderungsansatzes aus. Eine Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen zum Diskussionspapier des IASB ist bei Redaktionsschluss noch nicht erfolgt, aber noch für März 2021 angekündigt.

Die Mitglieder der IOSCO regulieren mehr als 95% der weltweiten Wertpapiermärkte und sind verantwortlich für die Überwachung der Kapitalmärkte und die Anwendung und Durchsetzung von Rechnungslegungs- und Prüfungsstandards in diesen Märkten sowie für die Förderung fundierter Offenlegungsgrundsätze. Die Ziele der IOSCO bestehen darin, Investoren zu schützen, faire, effiziente und transparente Märkte aufrechtzuerhalten und systemische Risiken anzugehen. Die Anwendung von Rechnungslegungsstandards führt dazu, dass Emittenten relevante und repräsentativ genaue Informationen bereitstellen, damit Anleger fundierte Anlageentscheidungen treffen können.

Entsprechend unterstützt die IOSCO übereinstimmend mit führenden Vertretern der G20 Staaten sowie weiteren internationalen Organisationen das Ziel eines einzigen Satzes hochwertiger Rechnungslegungsstandards sowie deren konsequente und rigorose Anwendung. Vor diesem Hintergrund appelliert die IOSCO an IASB und FASB, bei der Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten eng zusammenzuarbeiten, um die Angleichung zwischen IFRS und US-GAAP in diesem Bereich voranzutreiben. So stellt IOSCO fest, dass die nach IFRS und US-GAAP erstellten Abschlüsse besser vergleichbar sind, wenn die Anforderungen nach US-GAAP so weit wie möglich mit denen nach IFRS in Bezug auf die Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten übereinstimmen. Zudem werde die Wahrscheinlichkeit, ein konvergiertes Ergebnis zu erzielen, erheblich erhöht, wenn die beiden Boards zusammenarbeiten, einschließlich ähnlicher Zeitpläne für ihre jeweiligen Projekte. IOSCO ist weiterhin bestrebt, eng mit dem IASB und dem FASB zusammenzuarbeiten und dabei die Unabhängigkeit ihrer Standardsetzungsprozesse zu respektieren (iosco.org).