IFRS-Stiftung erwägt die Einrichtung eines separaten Board für Nachhaltigkeitsstandards


IRZ, Heft 11, November 2020, S. 484

Die Treuhänder der IFRS-Stiftung haben am 30. September 2020 ein Konsultationspapier veröffentlicht, das bei der Ermittlung des Bedarfs an globalen Nachhaltigkeitsstandards helfen soll, und will auf Basis der Rückmeldungen prüfen, welche Rolle die Stiftung bei der Entwicklung solcher Standards spielen könnte.

Das Konsultationsdokument gliedert sich in fünf Hauptabschnitte. Nach einer einleitenden Darstellung der aktuellen Situation, in der der Bedarf und die Notwendigkeit einer einheitlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung betont werden, werden aus Sicht der Treuhänder allgemeine Handlungsoptionen für die IFRS-Stiftung erörtert. Diese Optionen umfassen alternativ die Beibehaltung des Status quo, die Förderung bereits bestehender Initiativen oder die Schaffung eines eigenständigen Sustainability Standards Board (SSB) unter der IFRS-Stiftung. Die letzte Option läuft damit auf die Einrichtung eines eigenen Standardsetzers hinaus, der mit bestehenden Initiativen zusammenarbeiten und auf deren Arbeit aufbauen soll.

Die Treuhänder schlagen vor, dass für die Einrichtung eines möglichen neuen Boards für Nachhaltigkeitsstandards die bestehende dreistufige Governance-Struktur der IFRS-Stiftung genutzt werden könne. Der neue Board könnte neben dem International Accounting Standards Board (IASB) im Rahmen der bestehenden Governance-Struktur arbeiten, auf bestehenden Entwicklungen aufbauen und mit anderen Gremien und Initiativen im Bereich der Nachhaltigkeit zusammenarbeiten. Vorgeschlagen wird zunächst eine Konzentration der Arbeiten des neuen Boards auf klimabezogene Fragen, weil diese am relevantesten für Investoren eingeschätzt werden. Eine spätere Ausweitung der Aktivitäten auf andere Bereiche der Nachhaltigkeitsberichterstattung wird jedoch nicht ausgeschlossen.

Als Voraussetzungen für die Schaffung eines SSB werden die Erzielung ausreichender Unterstützung durch öffentliche Institutionen und Marktteilnehmer, die Zusammenarbeit mit regionalen Initiativen, die globale Konsistenz einer Nachhaltigkeitsberichterstattung und das Erreichen eines angemessenen Finanzierungsstatus eines neuen Boards genannt.

Das Konsultationspapier umfasst insgesamt zehn konkrete Fragen an die Adressaten und fordert die Stellungnehmenden zusätzlich auf, im Rahmen ihrer Rückmeldungen weitere Kommentare oder relevante Fragestellungen zur Erwägung durch die Treuhänder vorzubringen. Stellungnahmen zu der Konsultation erbittet die IFRS-Stiftung bis zum 31. Dezember 2020.