IASB beendet Phase 2 des IBOR-Projekts


IRZ, Heft 10, September 2020, S. 431

Der IASB hat am 27. August 2020 den Änderungsstandard „Interest Rate Benchmark Reform – Phase 2 (Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16)“ veröffentlicht. Darin werden Sachverhalte adressiert, die die Finanzberichterstattung nach der Reform eines Referenzzinssatzes – eine Ersetzung durch alternative Referenzzinssätze inbegriffen – beeinflussen können.

Unter dem Begriff „IBOR“ werden Zinssätze wie LIBOR, EURIBOR und TIBOR subsummiert, welche die Kosten für die Beschaffung unbesicherter Finanzierungen in einer bestimmten Kombination aus Währung und Laufzeit und in einem bestimmten Interbankenmarkt für langfristige Kredite determinieren. Die jüngsten Marktentwicklungen haben die langfristige Tragfähigkeit dieser Referenzzinssätze infrage gestellt. Der IASB hat deshalb die sich aus einer möglichen Umstellung dieser Referenzzinssätze resultierenden Sachverhalte in einem in zwei Phasen unterteilten Projekt adressiert. Während Phase 1 sich mit Fragen vor der Ersetzung befasste und am 26. September 2019 mit der Veröffentlichung eines Änderungsstandards zu IFRS 9, IFRS 7 und IAS 39 abgeschlossen wurde, thematisierte Phase 2 des Projekts Sachverhalte im Zusammenhang mit der tatsächlichen Ersetzung eines bestehenden Referenzzinssatzes.

Die nunmehr finalisierten Änderungen befassen sich mit der Modifikation von finanziellen Vermögenswerten, finanziellen Verbindlichkeiten und Leasingverbindlichkeiten, Vorschriften in Bezug auf die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen und Angabevorschriften nach IFRS 7, um die Änderungen in Bezug auf Modifizierungen sowie zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen zu begleiten. Im Einzelnen sind folgende Regelungsbereiche zu unterscheiden:

  • Modifikation von finanziellen Vermögenswerten, finanziellen Verbindlichkeiten und Leasingverbindlichkeiten
    Für Änderungen von vertraglichen Zahlungsströmen, die als direkte Folge der IBOR-Reform erforderlich sind und auf einer wirtschaftlich gleichwertigen Grundlage vorgenommen werden, gestattet der IASB als praktische Erleichterung eine Berücksichtigung durch Aktualisierung des Effektivzinssatzes, um die Änderung des Referenzzinssatzes widerzuspiegeln. Alle weiteren Modifikationen sind unter Anwendung der bestehenden IFRS-Vorschriften zu bilanzieren. Um es Versicherern und Leasingnehmern zu ermöglichen, ähnliche Erleichterungen in Bezug auf ihre Finanzinstrumente bzw. Leasingverhältnisse anzuwenden, hat der Board auch IFRS 4 und IFRS 16 geändert.
  • Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen
    Die Änderungen sehen vor, dass die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen nicht allein aufgrund der IBOR-Reform eingestellt wird. Es ist jedoch erforderlich, die Sicherungsbeziehungen sowie die damit verbundene Dokumentation zu ändern, um Modifikationen des Grundgeschäfts, des Sicherungsinstruments und des abgesicherten Risikos widerzuspiegeln. Geänderte Sicherungsbeziehungen müssen weiterhin alle Kriterien für die Anwendung der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen erfüllen; die Effektivitätsvorschriften sind entsprechend zu beachten.
  • Angaben
    Unternehmen müssen Angaben machen, die es den Anlegern ermöglichen, Folgendes zu verstehen: (a) Art und Umfang der Risiken, denen das Unternehmen aufgrund der IBOR-Reform ausgesetzt ist, und wie das Unternehmen mit diesen Risiken umgeht; sowie (b) den Fortschritt des Übergangs von den IBOR-Sätzen zu alternativen Referenzzinssätzen zum Berichtszeitpunkt und wie das Unternehmen diesen Übergang bewältigt. Konkret sind die folgenden Angaben erforderlich:
    • Angaben zum Vorgehen beim Übergang von den Referenzzinssätzen zu alternativen Referenzzinssätzen, zum Status der Fortschritte zum Berichtszeitpunkt sowie zu den Risiken, die sich aus dem Übergang ergeben,
    • quantitative Angaben zu finanziellen Vermögenswerten, finanziellen Verbindlichkeiten und Derivaten, die zum Ende des Berichtszeitraums noch nicht auf einen alternativen Referenzzinssatz umgestellt wurden, unterteilt nach bedeutenden Referenzzinssätzen, und
    • sofern die IBOR-Reform zu Änderungen der Risikomanagementstrategie eines Unternehmens geführt hat, eine Beschreibung dieser Änderungen.

 

Die Änderungen sind verpflichtend für Berichtsperioden anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2021 beginnen; eine vorzeitige Anwendung ist zulässig. Obwohl die Änderungen retrospektiv anzuwenden sind, ist eine Anpassung von Vergleichsperioden nicht erforderlich; sie ist jedoch zulässig, sofern dies ohne die Verwendung nachträglicher Erkenntnisse möglich ist. IFRS-Anwender in der EU haben allerdings vor einer Anwendung in einem befreienden IFRS-Konzernabschluss das Komitologieverfahren der EU („Endorsement“) abzuwarten.

Bereits am 17. September 2020 hat der IASB eine kurze Fehlerliste zum Änderungsstandard „Interest Rate Benchmark Reform – Phase 2 (Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16)“ veröffentlicht, die ausschließlich die Nummerierung von Textziffern in IFRS 9 Finanzinstrumente betreffen und keine Auswirkungen auf die Bedeutung oder Anwendung der Verlautbarung haben.