Ergänzungen und Änderungen an IFRS 17


IRZ, Heft 7/8, Juli-August 2020, S. 326

Der IASB hat am 25. Juni 2020 den Ergänzungsstandard „Änderungen an IFRS 17“ herausgegeben, um Bedenken und Umsetzungsherausforderungen zu adressieren, die in Bezug auf die erstmalige Anwendung des neuen Standards für Versicherungsverträge nach dessen Veröffentlichung im Jahr 2017 an den Board herangetragen wurden. Die zahlreichen Änderungen, die sich aus Ergänzungen des IFRS 17 und der zugleich beschlossenen korrespondierenden Verlängerung der vorübergehenden Befreiung von der Anwendung von IFRS 9 (Änderungen an IFRS 4) ergeben, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Verschiebung des Zeitpunkts des Inkrafttretens von IFRS 17 um zwei Jahre auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen, und Änderung des festen Auslaufdatums für die befristete Befreiung von der Anwendung von IFRS 9 Finanzinstrumente in IFRS 4 Versicherungsverträge, sodass Unternehmen verpflichtet sind, IFRS 9 für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen, anzuwenden.
  • Weitere Ausnahme vom Anwendungsbereich für Kreditkartenverträge und ähnliche Verträge, die Versicherungsschutz bieten, sowie zusätzliche optionale Ausnahme vom Anwendungsbereich für Darlehensverträge, bei denen ein erhebliches Versicherungsrisiko übertragen wird.
  • Vorschrift zum Ansatz von Cashflows aus der Versicherungsakquise im Zusammenhang mit erwarteten Vertragsverlängerungen einschließlich Übergangsbestimmungen und Leitlinien für angesetzte Cashflows aus der Versicherungsakquise bei einem Unternehmen, das bei einem Unternehmenszusammenschluss erworben wird.
  • Klarstellung der Anwendung von IFRS 17 in Zwischenabschlüssen und Gewährung einer Wahl der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden auf der Ebene der Berichtseinheit.
  • Klarstellung der Zuweisung der vertraglichen Dienstleistungsmarge in Bezug auf Investmentrenditeleistungen und investmentbezogene Dienstleistungen sowie Änderungen der damit verbundenen Angabevorschriften.
  • Erweiterung der Option zur Risikominderung auf gehaltene Rückversicherungsverträge und nichtfinanzielle Derivate.
  • Änderungen, wonach ein Unternehmen, das beim erstmaligen Ansatz Verluste aus belastenden Versicherungsverträgen erfasst, auch einen Gewinn aus gehaltenen Rückversicherungsverträgen erfassen muss.
  • Vereinfachter Ausweis von Versicherungsverträgen in der Darstellung der finanziellen Lage, sodass die Unternehmen die Vermögenswerte und Schulden aus Versicherungsverträgen in der Bilanz auf der Grundlage von Portfolios von Versicherungsverträgen und nicht auf der Grundlage von Gruppen von Versicherungsverträgen ausweisen.
  • Zusätzliche Übergangserleichterungen bei Unternehmenszusammenschlüssen sowie für den Zeitpunkt der Anwendung der Risikominderungsoption und die Anwendung des Fair-Value-Übergangsansatzes.
  • Mehrere kleinere Änderungen in Bezug auf Anwendungsprobleme.
  • Ungeachtet kritischer Stellungnahmen aus der Praxis unveränderte Beibehaltung der Vorschriften des IFRS 17 zum Ausweis von Jahreskohorten.

 

Die Änderungen an IFRS 17 sind erstmals verpflichtend für Berichtsperioden anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen. Eine frühere Anwendung ist – vorbehaltlich einer Übernahme des Ergänzungsstandards durch die EU – zulässig. Die Änderungen werden rückwirkend angewendet.

Korrespondierend zu den Änderungen an IFRS 17 wird das festgelegte Auslaufen der vorübergehenden optionalen Ausnahme von der Anwendung von IFRS 9 in IFRS 4 ebenfalls auf Geschäftsjahre verschoben, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen.