IASB verabschiedet Änderungen an IFRS 16 für COVID-19-bedingte Mietzugeständnisse


IRZ, Heft 6, Juni 2020, S. 271

Als kurzfristige Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie hat der IASB am 24. April 2020 den Entwurf eines Ergänzungsstandards ED/2020/2 „Auf die Coronavirus-Pandemie bezogene Mietkonzessionen (Vorgeschlagene Änderung an IFRS 16)“ herausgegeben. Die Vorschläge sollen eine Erleichterung für Leasingnehmer durch eine optionale Ausnahme von der Neubeurteilungspflicht für Leasingverhältnisse nach IFRS 16 zur Verfügung stellen, sofern Leasinggeber/Vermieter den Leasingnehmern/Mietern Erleichterungen in Form von Stundung oder (teilweisem) Erlass von Miet- und Leasingzahlungen gewähren.

In vielen Fällen erfüllen die derzeit getroffenen Anpassungen die Definition einer Leasingmodifikation, sodass eine Neubewertung der entsprechenden Leasingverhältnisse auf der Basis der getroffenen Vereinbarungen und unter Verwendung eines aktuellen Zinssatzes vorzunehmen wäre. Die durch den IASB vorgeschlagenen Änderungen sollen praktische Erleichterungen für Leasingnehmer bei der Bilanzierung von Mietkonzessionen als Folge der Coronavirus-Pandemie gewähren. Aufgrund der Dringlichkeit des Themas wurde die Kommentierungsfrist auf 14 Tage verkürzt und Stellungnahmen zu den vorgeschlagenen Änderungen werden bis zum 8. Mai 2020 erbeten. Bereits am 15. Mai 2020 wurden die Rückmeldungen zu ED/2020/2 durch den IASB in einer Ergänzungssitzung erörtert und kleinere Veränderungen an den ursprünglichen Vorschlägen vorgenommen, die jedoch nicht in die Veröffentlichung eines weiteren Entwurfsdokuments münden sollen. Im Einzelnen sind final somit folgende Regelungen als Ergänzung des bisherigen Standardtexts vorgesehen:

  • Leasingnehmern soll die Möglichkeit einer zeitlich befristeten Befreiung von der Beurteilung gewährt werden, ob eine in Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie stehende Mietkonzession eine Leasingmodifikation ist. Wenn Leasingnehmer von dieser Option Gebrauch machen, haben sie die Auswirkungen der Mietkonzessionen nicht als Modifikationen des Leasingvertrags zu bilanzieren.
  • Die Ausnahmeregelung ist nur anzuwenden, sofern (a) die angepassten Leasingzahlungen im Wesentlichen gleich oder geringer sind als die ursprünglichen Leasingzahlungen, (b) sich die Reduzierung der Leasingzahlungen auf solche bezieht, die bis zum 30. Juni 2021 fällig sind und (c) keine weiteren wesentlichen Änderungen der Vertragsbedingungen vorgenommen wurden.
  • Leasingnehmer, welche die Ausnahmeregelung anwenden, haben im Anhang zum IFRS-Abschluss diese Tatsache offenzulegen und sind verpflichtet, in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasste Mietratenänderungen im Anhang anzugeben.
  • Die Ausnahmeregelung soll in Übereinstimmung mit IAS 8 grundsätzlich retrospektiv anzuwenden sein. Vergleichszahlen für frühere Perioden sollen jedoch nicht angepasst werden müssen. Vielmehr soll ein Leasingnehmer jede Differenz, die sich aus der erstmaligen Anwendung der Änderung ergibt, im Eröffnungsbilanzwert der Gewinnrücklagen in der jährlichen Berichtsperiode erfassen, in die der Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung fällt. Die Angabepflichten des IAS 8.28(f) sollen bei der erstmaligen Anwendung der Änderungen nicht gelten.

 

Der Standardentwurf sieht das Erleichterungswahlrecht nur für Leasingnehmer vor. Erleichterungen für Leasinggeber gewährt der IASB nicht.

Die Änderungen an IFRS 16 sollen bis Ende Mai 2020 finalisiert werden. Als Zeitpunkt des Inkrafttretens wird der 1. Juni 2020 vorgeschlagen. Eine vorzeitige Anwendung soll gestattet werden; dies gilt auch für solche Abschlüsse, die zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Änderung noch nicht zur Veröffentlichung genehmigt waren. Leasingnehmer in der EU müssen jedoch den EU-Anerkennungsprozess der Standardänderung abwarten, bevor sie in einem befreienden IFRS-Konzernabschluss zur Anwendung gelangen kann.