IASB zu Werthaltigkeit nach IFRS 9 unter COVID-19


IRZ, Heft 5, Mai 2020, S. 220

Der IASB hat am 27. März 2020 ein Dokument mit dem Titel „IFRS 9 and covid-19“ veröffentlicht, das Fragen im Zusammenhang mit Wertminderungstests für Finanzinstrumente nach IFRS 9 vor dem Hintergrund der Unsicherheit durch die Coronavirus-Pandemie adressiert. Die Veröffentlichung hat keinen autoritativen Charakter und es werden keine Vorschriften geändert, aufgehoben oder ergänzt. Stattdessen erachtet der IASB die bestehenden Regelungen als ausreichend und will mit der Veröffentlichung die konsistente Anwendung dieser Regelungen sicherstellen.

Ausgehend von dem dreistufigen Wertminderungsmodell des IFRS 9 liegt der Schwerpunkt der Ausführungen des IASB auf der Frage, ob die COVID-19-bedingte Unsicherheit allein schon dazu geeignet ist, eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos für sämtliche Finanzinstrumente zu unterstellen. Dies hätte zur Folge, dass für Finanzinstrumente, die bisher auf Stufe 1 des Wertminderungsmodells betrachtet werden, eine Überführung in Stufe 2 erforderlich wäre, wodurch wiederum nicht mehr nur das erwartete Kreditausfallrisiko der nächsten 12 Monate bei der Beurteilung einer Wertminderung herangezogen werden müsste, sondern das der gesamten Laufzeit des Instruments.

Der IASB betont, dass das Wertminderungsmodell des IFRS 9 die Ausübung von Ermessen beinhaltet, wozu auch eine Berücksichtigung verschiedener Rahmenbedingungen der Anwendung zählt. Deshalb sei die unterschiedslose Unterstellung eines signifikant erhöhten Kreditausfallrisikos für alle Finanzinstrumente allein aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht sachgerecht. Allerdings bedeute dies nicht, dass COVID-19 bei der Beurteilung erwarteter Verluste vernachlässigt werden kann. Vielmehr ist, nach Ansicht des IASB, eine differenzierte Beurteilung im Einzelfall unter Berücksichtigung aller relevanten Fakten und Umstände über die gesamte Laufzeit des jeweiligen Finanzinstruments vorzunehmen.

[Siehe auch Gehrer/Krakuhn/Weichert, IRZ 2020, 239 ff.]