Begrenzte Änderungen an IAS 1 verabschiedet


IRZ, Heft 2, Februar 2020, S. 57

Das IASB hat am 23. Januar 2020 die Standardergänzung „Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig (Änderungen an IAS 1)“ veröffentlicht. Mit den verabschiedeten Änderungen werden eindeutigere Regelungen für die Klassifizierung von Schulden nach IAS 1 als kurz- oder langfristig eingeführt, die auf die vertraglichen Vereinbarungen zum jeweiligen Abschlussstichtag Bezug nehmen.

Die Änderungen an IAS 1 betreffen nur den Ausweis von Schulden in der Bilanz, nicht jedoch den Betrag oder den Zeitpunkt der Erfassung von Vermögenswerten, Schulden, Erträgen oder Aufwendungen oder die Angaben, die Unternehmen zu diesen Posten bereitzustellen haben. Im Einzelnen umfassen sie folgende Regelungen bzw. Klarstellungen:

  • Die Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig basiert auf den Rechten, die am Abschlussstichtag vorliegen. Entsprechend werden in allen betroffenen Textziffern die sprachlichen Formulierungen angeglichen, sodass nunmehr einheitlich auf das „Recht“ Bezug genommen wird, die Erfüllung einer Verpflichtung um mindestens zwölf Monate aufzuschieben. Außerdem wird explizit darauf verwiesen, dass nur Rechte, die „zum Ende der Berichtsperiode“ bestehen, Auswirkungen auf die Klassifizierung einer Schuld haben.
  • Die Klassifizierung hängt nicht von den Erwartungen in Bezug darauf ab, ob ein Unternehmen von seinem Recht, die Erfüllung einer Verpflichtung aufzuschieben, tatsächlich Gebrauch macht, sondern nur vom Bestehen eines solchen Rechts.
  • Es wird klargestellt, dass sich der Begriff der Erfüllung auf die Übertragung von Barmitteln, Eigenkapitaltiteln oder sonstigen Vermögenswerten oder Leistungen an die Gegenpartei bezieht.

 

Die Änderungen sind rückwirkend für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2022 beginnen. Eine frühere Anwendung ist zulässig, jedoch haben Pflichtanwender in der EU in einem befreienden IFRS-Abschluss zunächst die derzeit noch ausstehende Anerkennung der Standardänderung im Rahmen des EU-Endorsement-Verfahrens abzuwarten.