Erste Standardänderungen zur IBOR-Reform


IRZ, Heft 11, November 2019, S. 466

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat am 26. September 2019 den Änderungsstandard „Interest Rate Benchmark Reform (Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7)“ veröffentlicht. Er stellt eine erste Reaktion auf mögliche Auswirkungen der IBOR-Reform (Reform der Referenzzinssätze) auf die Finanzberichterstattung dar.

Die langfristige Tragfähigkeit der IBOR-Zinssätze (z.B. LIBOR, EURIBOR und TIBOR) aufgrund der jüngsten Marktentwicklungen wird nicht zuletzt auch wegen des geplanten Austritts Großbritanniens aus der EU infrage gestellt. Der IASB hat das Gesamtprojekt in zwei Phasen unterteilt: Während Phase 1 Änderungen vor Inkrafttreten einer tatsächlichen Reform abdeckt, befasst sich Phase 2 mit weiteren Anpassungen nach Einführung neuer Referenzzinssätze.

Die nunmehr veröffentlichten Änderungen befassen sich mit Fragen der Finanzberichterstattung im Zeitraum vor der Ersetzung eines bestehenden Referenzzinssatzes durch einen alternativen Zinssatz (Phase 1). Sie adressieren die Auswirkungen auf bestimmte Hedge Accounting-Vorschriften in IFRS 9 und IAS 39, die eine zukunftsgerichtete Analyse erfordern. Dabei wird der eigentlich durch IFRS 9 ersetzte IAS 39 ebenfalls geändert, da Unternehmen bei der erstmaligen Anwendung von IFRS 9 ein Wahlrecht in Bezug auf die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden hatten, nachdem sie bis zum Abschluss des IASB zu Makro-Hedges freiwillig weiterhin die Vorschriften von IAS 39 bezüglich Hedge Accounting anwenden können. Darüber hinaus enthält der Änderungsstandard auch Änderungen an IFRS 7 hinsichtlich zusätzlicher Angaben zur Unsicherheit im Zusammenhang mit der IBOR-Reform.

Insgesamt sind folgende wesentliche Einzeländerungen in dem nun veröffentlichten Änderungsstandard enthalten:

  • Änderung bestimmter Hedge Accounting-Vorschriften dergestalt, dass Unternehmen diese Hedge Accounting-Vorschriften unter der Annahme anwenden, dass der Referenzzinssatz, auf dem die abgesicherten Cashflows und die Cashflows aus dem Sicherungsinstrument basieren, durch die Reform des Referenzzinssatzes nicht verändert wird;
  • Verpflichtung zur Anwendung der Änderungen auf alle Sicherungsbeziehungen, die von der Reform des Referenzzinssatzes betroffen sind; sowie
  • Vorschrift zur Aufnahme spezifischer Angaben nach IFRS 7 darüber, inwieweit die Sicherungsbeziehungen der Unternehmen von den Änderungen betroffen sind.

 

Die Änderungen, die retrospektiv anzuwenden sind, müssen erstmalig verpflichtend in Berichtsperioden berücksichtigt werden, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig. EU-Anwender haben aber vor einer Erstanwendung die Anerkennung der Veröffentlichung im Rahmen des Komitologieverfahrens der EU abzuwarten.